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Borkenkäfer macht der Ostschweizer Holzbranche das Leben schwer: In unseren Wäldern fällt Käferholz in Hülle und Fülle an

Das zerstörerische Werk des Borkenkäfers bringt die Ostschweizer Holzindustrie an ihre Grenzen. Die Sägereien, ohnehin schon gut ausgelastet, dürften in den kommenden Wochen nicht in der Lage sein, alles Käferholz laufend zu übernehmen.
Thomas Griesser Kym
Ein Waldarbeiter zerteilt mit einer Kettensäge einen Baumstamm, der einem Sturm nicht standgehalten hat. (Bild: Gabriele Putzu/Keystone)

Ein Waldarbeiter zerteilt mit einer Kettensäge einen Baumstamm, der einem Sturm nicht standgehalten hat. (Bild: Gabriele Putzu/Keystone)

Der Borkenkäfer macht der Ostschweizer Forst- und Holzbranche das Leben schwer. Kaum ist ein schöner Teil der Waldholzlager mit letztjährigem Sturm- und Käferholz abgebaut, breitet sich der Schädling erneut aus und das «sehr schnell». Kommt hinzu, dass die Sägewerke ohnehin schon «gut bis sehr gut mit Rohstoff versorgt» seien, heisst es im jüngsten Bericht der Holzmarktkommission Ostschweiz. Aufgrund der Kombination dieser beiden Faktoren – gut versorgte Sägereien und rasch steigende Mengen an Käferholz – geht Heinz Engler davon aus, «dass in den nächsten zwei Monaten so viel Käferholz anfällt, dass die Werke nicht in der Lage sein werden, dieses laufend zu übernehmen».

Engler ist Geschäftsführer der Holzmarkt Ostschweiz AG. Ihm bereitet noch eine andere Entwicklung Sorgen. «Die grosse Unbekannte heisst nicht, wie viel Käferholz anfällt, sondern vielmehr wie stark das befallene Käferholz verblauen wird.» Das geschieht, wenn das Holz nicht sofort von den Sägereien verarbeitet werden kann, sondern zwischengelagert werden muss. Der Transport zu diesen Holzlagern kostet Geld, und die Holzqualität ist ein Knackpunkt. Die befallenen Stämme verfärben sich aussen bläulich. Engler sagt:

«Für blaues Käferholz erzielt man einen rund 20 bis 30 Prozent tieferen Preis.»

Frisches Käferholz
 hat Vorrang

Das Problem: In den kommenden zwei Monaten können die Werke zwar einen gewissen Anteil verblauten Käferholzes aufnehmen. Aber sie sind zwingend auf frisches nicht verblautes Käferholz angewiesen, weil unbefallenes Frischholz fehlt. Zwar könnten mehr gesunde Bäume gefällt werden, doch wäre dann die Holzschwemme noch grösser und Käferholz noch schwieriger verwertbar. Deshalb empfiehlt die Holzmarktkommission eine «absolute Zurückhaltung bei Frischholzschlägen aus Normalnutzungen». Und: «Die Absatzkanäle müssen jetzt für das frische Käferholz freigehalten werden.»

Im Weiteren sollten verblautes Käferholz und mindere Qualitäten aussortiert und auf Lager gelegt werden. Dieses könne erst im Herbst verkauft werden. Bei der Lagerung von Rundholz im Wald oder auf landwirtschaftlichen Flächen stellt sich wiederum die Gefahr einer weiteren Qualitätseinbusse durch Insekten oder durch Pilze. Oftmals tritt bei dem gelagerten Holz eine Wertminderung durch Rotstreifepilze ein. Die Folge: «Bei einem starken Befall von Rotstreifigkeit kann das Holz nur noch als Industrie- oder Energieholz verwendet werden», heisst es bei Wald Schweiz, dem Verband der Waldeigentümer.

Warten auf Herbst und Winter

Summa summarum schreibt Engler im aktuellen Holzmarktbericht, «frisches nicht verblautes Käferholz hat erste Priorität und soll laufend an die Werke geliefert und rasch verarbeitet werden». Verblautes Holz und mindere Qualitäten dürften nicht geliefert werden. Sie müssen entrindet oder aus fortschutztechnischen Gründen aus dem Wald abtransportiert werden. Verblautes Käferholz werde «erst ab dem vierten Quartal an die Werke geliefert und mit Frischholz aus Normalnutzungen ergänzt». Von einer solchen Entspannung im Herbst und Winter geht auch Pirmin Fischbacher aus, der im Vorstand des Regionalverbands Ost der Holzindustrie Schweiz sitzt.

Die Statistik zeigt, dass in der Ostschweiz im extremen Trockenjahr 2018 über 170'000 Festmeter Käferholz angefallen sind. Davon sind laut Umfragen noch 50'000 Festmeter unverkauftes Holz auf Lager, was angesichts einer jährlichen Nutzung von gut 660'000 Festmetern fast einem Monatsbedarf der Industrie entspricht. Teils enthalten diese Lager auch noch Qualitäten und Sortimente, die nicht mehr sägefähig sind und dem Restholzmarkt zugeführt werden müssen, also zum Beispiel als Hackschnitzel enden.

Der Rohstoff Holz ist ein begehrtes Baumaterial

Zum Vorteil gereicht der Branche, dass die Bauwirtschaft noch immer auf hohen Touren läuft und Bauen mit Holz im Trend liegt, Tendenz weiter steigend. Die Holzmarktkommission selber spricht von «grossen Bauvolumen in Holz», und «die Sägereien haben derzeit eine gute bis befriedigende Auftragslage». Fischbacher, Inhaber und Chef des Säge- und Hobelwerks Innoholz in Gähwil im Toggenburg, bestätigt: «Unsere Produktion läuft gut, wir verarbeiten Rundholz auf recht hohem Niveau.» Fischbacher appelliert an Bauherren, möglichst «auf Schweizer Holz zu setzen».

Weniger rund läuft es im ­Export. Europaweit sei die Lage angespannt, weil auch in anderen Ländern wie Deutschland oder Österreich sowie in Südtirol viel Schadholz in Form von Sturm- und Käferholz angefallen ist. Der europäische Nadelrundholzmarkt sei «immer noch gesättigt». Deshalb seien «die traditionellen Exportkanäle nur bedingt offen» und teils «die Preise weit unter ein akzeptables Niveau gefallen».

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