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Börse bremst Umverteilung

Pensionskassenstudie zeigt: Letztes Jahr haben Berufstätige erstmals seit langem eine höhere Verzinsung auf ihrem Vorsorgevermögen erhalten als Rentner.
Daniel Zulauf
Jung finanziert alt, aber wer erhält den besseren Zins? (Bild: Christof Schürpf/Keystone)

Jung finanziert alt, aber wer erhält den besseren Zins? (Bild: Christof Schürpf/Keystone)

Ein ausgezeichnetes Anlagejahr hat die Schweizer Pensionskassen letztes Jahr um rund 63 Milliarden Franken reicher gemacht. Die Leistung des Finanzmarktes als «dritten Beitragszahlers» ist damit deutlich höher ausgefallen als die geschätzten kombinierten Beiträge der aktiv Versicherten und ihrer Arbeitgeber (45 Milliarden Franken).

Im Urteil von Swisscanto, dem Pensionskassenberatungsunternehmen der Zürcher Kantonalbank, das jährlich im Rahmen einer repräsentativen Umfrage den Zustand des beruflichen Vorsorgewesens auslotet, sind die hohen Renditen des Finanzmarktes die «rettende» Säule des Rentensystems. Das Bild mag zwar etwas strapaziert wirken, doch aus der Luft gegriffen ist es nicht. Jahr für Jahr werden Anlageerträge in Milliardenhöhe den erwerbstätigen Beitragszahlern vorenthalten, um mit dem Geld laufende Renten zu finanzieren. Die Quersubventionierung geht auf Kosten jener, die mehr als den obligatorisch versicherten Lohn von 85 000 Franken im Jahr verdienen und bereits in der AHV einen überproportional hohen Solidaritätsbeitrag leisten.

Leistungsabbau für Neurentner

Die gute Börsenentwicklung hat die Umverteilungsmaschinerie im vergangenen Jahr immerhin etwas abgebremst. Mit einer durchschnittlichen Verzinsung von 2,5 Prozent seien die Vorsorgeguthaben 2017 erstmals seit längerer Zeit wieder besser verzinst worden als jene der Rentner (2,3 Prozent), stellte Swisscanto heute anlässlich einer Medienkonferenz in Zürich fest.

Derweil setzt sich der Leistungsabbau für Neurentner fort. Der durchschnittliche Umwandlungssatz – der Faktor, zu dem die Pensionskassen die angesparten Alterskapitalien in Renten umrechnen – liegt aktuell bei 5,9 Prozent. Damit hat der Satz die Marke von 6 Prozent bereits unterschritten, wie sie die im September vom Volk abgelehnten Rentenreform im Gesetz noch festschreiben wollte. Allerdings wurde das Mindestniveau von 6,8 Prozent schon vor zehn Jahren unterschritten.

Eine Diskrepanz zum Gesetz ist das nicht. Der gesetzliche Umwandlungssatz gilt nur für den obligatorisch zu versichernden Lohn in der zweiten Säule. 85 Prozent der Versicherten sind aber bei sogenannten umhüllenden Pensionskassen angeschlossen. In diesen Kassen verdienen viele Beitragszahler mehr als das Obligatorium, sodass sich die gesetzliche Minimalleistung auch mit einem tieferen durchschnittlichen Umwandlungssatz erfüllen lässt. Allerdings liegen die Leistungen einer Mehrheit der umhüllenden Kassen nur knapp über dem Obligatorium.

Die Renten werden kleiner

Ungeachtet der auf unbestimmte Zeit aufgeschobenen Anpassung des Umwandlungssatzes treffen die Pensionskassen ihre eigenen Dispositionen zur Wahrung des Gleichgewichtes. Mehr als ein Viertel aller an der Swisscanto-Umfrage teilnehmenden privatrechtlichen Kassen wendet inzwischen einen technischen Zinssatz von unter 2 Prozent an. Vor fünf Jahren rechneten erst 3 Prozent der Kassen mit Werten unter dieser Marke. Mit dem technischen Zins werden laufende kapitalisierte Renten jährlich abgezinst, um feststellen zu können, wie viel Kapital zurückgestellt werden muss, um die laufenden Renten zu decken. Je tiefer der technische Zins festgelegt wird, desto mehr Kapital muss eine Kasse für die laufenden Verpflichtungen zur Seite legen. Der technische Zins ist in den vergangenen Jahren parallel zum sinkenden Zinsniveau gefallen und hat die Umverteilung im Rentensystem befeuert.

Doch der Handlungsspielraum im System wird enger. Ein mittlerer Bezüger eines Jahreslohns von 80 000 Franken konnte 2013 nach der ordentlichen Pensionierung noch mit einer kombinierten Rente aus der ersten und der zweiten Säule von 64 288 Franken rechnen. Inzwischen sind es noch 56 900 Franken oder 11 Prozent weniger. Diese Rente erreicht zwar immer noch 71 Prozent des letzten Jahreslohns und liegt somit weiterhin über jenen 60 Prozent, die der Gesetzgeber als Voraussetzung zur Fortsetzung des gewohnten Lebensstils erachtet. Doch es fragt sich, inwieweit diese informelle Vorgabe im Licht des trotz tiefer Inflationsraten ungebremsten Anstiegs von Mieten und Gesundheitskosten noch Gültigkeit hat.

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