Zug
Trotz turbulenten Jahres sieht sich Bossard auf Kurs – und verdoppelt die Dividende

Vor allem das starke vierte Quartal 2020 stimmt das Zuger Verbindungstechnik- und Logistikunternehmen zuversichtlich fürs laufende Jahr.

Christopher Gilb
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Das Verbindungsteilelager von Bossard in Zug.

Das Verbindungsteilelager von Bossard in Zug.

Maria Schmid (19. Februar 2020)

Auch das Zuger Verbindungstechnik- und Logistikunternehmen Bossard konnte sich, wie es Finanzchef Stephan Zehnder formulierte, «leider den Einflüssen der Pandemie nicht gänzlich entziehen». Und so sank der Umsatz von 876,2 Millionen Franken im 2019 auf 812,8 Millionen Franken im Coronajahr 2020. Dies entspricht einem Rückgang von 3,3 Prozent in Lokalwährung und minus 7,2 Prozent in Schweizer Franken. Die Ebit-Marge ging von 10,9 auf 10,6 Prozent zurück, lag damit aber innerhalb der langfristig anvisierten Bandbreite von 10 bis 13 Prozent.

Bossard-CEO Daniel Bossard.

Bossard-CEO Daniel Bossard.

Bild: PD

Die Verantwortlichen zeigten sich an der Medienkonferenz zum Jahresergebnis am Mittwoch trotzdem zufrieden, da sich das Geschäftsmodell als krisenresistent erwiesen habe. Das Unternehmen habe schnell mit Kostensenkungsmassnahmen auf Nachfragerückgänge reagieren und regionale Nachfrageunterschiede ausgleichen können. Als positiv habe sich erwiesen, dass Schlüsselprodukte jeweils bei Lieferanten aus verschiedenen Regionen eingekauft würden und man weder von einzelnen Kunden noch einzelnen Industrien abhängig sei. CEO Daniel Bossard betonte zudem:

«Entlassungen mussten keine vorgenommen werden.»

Bossard beschäftigt 2500 Mitarbeitende an weltweit 83 Standorten. Und bereits im dritten Quartal zog auch die Nachfrage wieder an, und der Umsatzrückgang verwandelte sich dann im Schlussquartal sogar in ein Umsatzwachstum. Gar mit einem Umsatzplus von 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr konnte Bossard zudem das Jahr in Asien beenden, wo sich die Wirtschaft durch die Lockerungen der Massnahmen bereits ab dem zweiten Quartal erholt habe.

CFO Stephan Zehnder.

CFO Stephan Zehnder.

Bild: PD

Profitieren konnte der Konzern insgesamt von dem durch die Pandemie beschleunigten Digitalisierungstrend und einer höheren Nachfrage im Bereich der Elektronik, aber etwa auch von einer starken Nachfrage in der Medizinaltechnikbranche. Auf die Frage, wie viel staatliche Unterstützungsleistungen Bossard während der Pandemie beansprucht habe, erklärte Finanzchef Zehnder, dass es gesamt rund 6,2 Millionen Franken aus verschiedenen Ländern gewesen seien.

Immer mehr Kunden aus dem Bereich der Elektromobilität

Der Zuger Konzern hilft seinen Kunden, ihre Verbindungstechnik zu optimieren. Denn die sichtbaren Kosten für die Schrauben und andere Teile betragen nur 15 Prozent. 85 Prozent, wie Daniel Bossard ausführte, seien versteckte Kosten. Damit gemeint ist zum Beispiel die richtige Auswahl der Elemente, das Design, die Logistik, die Wartung. Immer wichtiger wird für das Unternehmen auch der Bereich Elektromobilität. Wie CEO Daniel Bossard vor einigen Monaten in einem Interview mit der «Finanz und Wirtschaft» sagte, macht der Umsatz im Bereich E-Mobilität mittlerweile etwa 6 bis 7 Prozent des Konzernumsatzes aus. Bossard bediene etwa 20 Kunden im Bereich elektrische Fahrzeuge, darunter Hersteller von Bussen, Scootern, Motorrädern oder Pkw. Auch mit Tesla arbeitet Bossard nach wie vor eng zusammen.

Um bei den Verbindungslösungen auf der Höhe der Zeit zu sein, beteiligt sich Bossard auch immer wieder an Start-ups. Im November beispielsweise mit 40 Prozent am Bieler Start-up MultiMaterial-Welding. Dieses setzt im Verbindungsbereich unter anderem auf Ultraschallenergie, geeignet für den Einsatz in der Automobil-, Luftfahrt- und Bahnindustrie.

Dividende wird verdoppelt

Weil sich der Geschäftsverlauf besser als erwartet entwickelt habe, will Bossard nun statt der üblichen 40 Prozent des Konzerngewinns eine Ausschüttung von 50 Prozent an die Aktionäre vornehmen. Dies entspricht einer Dividende von 4.40 Franken nach 2 Franken im Vorjahr, nachdem der Verwaltungsrat die letztjährige Dividende wegen der grossen Unsicherheit rund um die Coronapandemie kurzfristig halbiert hatte. Für 2021 rechnet Bossard wieder mit einem Umsatz auf Vorkrisenniveau.

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