BOSSARD: «Wir schliessen einen Fall Sika aus»

Weltweit erfolgreich und familiengeführt: Der Zuger Schraubenkonzern hat einiges mit Sika gemeinsam. Bossard-Präsident Thomas Schmuckli sagt, wieso seine Familie zum Unternehmen hält.

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Bossard-Präsident Thomas Schmuckli im Interview. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Bossard-Präsident Thomas Schmuckli im Interview. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Der Schraubenhändler und Spezialist für Verbindungstechnik Bossard hat gestern das beste Unternehmensergebnis in seiner Geschichte präsentiert (siehe Box). Die Wurzeln des Konzerns gehen bis auf das Jahr 1831 zurück. Heute wird Bossard in siebter Generation geführt. Deren Interessen sind in der Kolin-Holding vereint. Die Familienholding kontrolliert dank Stimmrechtsaktien mit 28 Prozent des Aktienkapitals rund 56 Prozent aller Bossard-Stimmen – eine ähnliche Situation also wie bei Sika, wo die Erbenfamilie Burkard die Schenker-Winkler-Holding besitzt. Sie vereint mit 16 Prozent des Aktienkapitals rund 52 Prozent der Stimmen auf sich. Dies ermöglichte der Familie den Verkauf der Sika-Mehrheitsrechte an Saint-Gobain.

Bei Sika tobt der Übernahme-Krieg. Droht Bossard das gleiche Schicksal?

Thomas Schmuckli: Nein, denn die Familie Bossard hat eine klare Eignerstrategie. Wir wollen das Unternehmen als kotierte Familiengesellschaft an die nächste Generation übergeben. Ein Verkauf kommt für uns nicht in Frage.

Ähnlich tönte es im November bei den Burkards. Dann folgte der Verkauf.

Schmuckli:Bei uns ist die Situation definitiv anders. Fünf Familienmitglieder engagieren sich mit Leib und Seele in der Bossard-Gruppe; zwei Personen sind im Verwaltungsrat, drei Familienmitglieder arbeiten im Management. Die Familie lebt eine Kultur, in der das Firmeninteresse über den Einzelinteressen steht, nach dem Motto «Business First».

Und wenn plötzlich jemand nicht mehr mitziehen will?

Schmuckli: Die Kolin-Gruppe ist finanzstark und kann abwanderungswillige Familienmitglieder ausbezahlen. Dieser Fall ist bei uns bereits vorgekommen. Eine Familie der siebten Generation ist ausgestiegen und hat verkauft – ohne Misstöne.

Was passiert, wenn ein lukratives Übernahmeangebot kommt und die Familie trotzdem verkauft?

Schmuckli: Wir wollen nicht verkaufen. Unsere Statuten kennen keine Opting-out-Klausel. Das bedeutet, dass bei einem Verkauf der Stimmrechtsaktien durch die Familie, der Käufer auch allen Publikumsaktionären ein Angebot machen müsste – zu den selben Konditionen. Wir haben schon mehrmals Übernahmeangebote erhalten und alle abgelehnt. Wir haben begonnen, den Wechsel von der siebten zur achten Generation zu planen. Dieser wird nach 2025 stattfinden.

Kriegt man als Familienmitglied automatisch einen Führungs-Job bei Bossard?

Schmuckli: Nein, wie für alle Mitarbeiter gilt auch für Familienmitglieder, dass die Anforderungen an den Job erfüllt – ja noch mehr, übertroffen werden müssen. Wer eine Aufgabe übernimmt, muss die Qualifikationen dazu mitbringen. Bossard braucht starke Führungskräfte, die wir auch aus dem Kreis der Belegschaft rekrutieren wollen und müssen. Mit David Dean führt seit über zehn Jahren zum ersten Mal in der Firmengeschichte eine Persönlichkeit die Bossard-Gruppe, die nicht aus der Familie stammt.

Sie selber kamen durch ihre Heirat zur Familie. Gab das nie Reibereien?

Schmuckli: (lacht) In neun von zehn Unternehmen kommt es zum Krach, sobald ein zugeheiratetes Familienmitglied sich einmischt, heisst es. Bei uns ist das zum guten Glück nicht passiert. Im Unternehmen Bossard besteht eine lange Tradition, nach der zugeheiratete Familienmitglieder sich in der Firma engagieren können.

Der Fall Sika hat viele Anleger verunsichert. Braucht es besseren Schutz der Publikumsaktionäre im Gesetz?

Schmuckli:Die Vorfälle bei Sika haben auch bei uns zu Anfragen von verunsicherten Investoren geführt. Wir konnten sie aber schnell beruhigen und aufzeigen, dass dies bei uns nicht passieren kann. Eine Anpassung des Aktiengesetzes erachte ich als übereilt. Die Erfahrungen zeigen, dass sich viele Familienfirmen besser als der Markt entwickeln.

Interview Ernst Meier