Bossards Ingenieure kosten jetzt

Der Schraubenspezialist aus Zug muss die Kosten senken und setzt auf eine neue Einnahmequelle.

Christopher Gilb
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Das Jahr 2019 war für Bossard harzig. Das Zuger Verbindungstechnik- und Logistikunternehmen weist einen Gewinn von 76 Millionen Franken aus. Das sind 11 Prozent weniger als im Vorjahr. Finanzchef Stephan Zehnder bezeichnete das Resultat am Mittwoch an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich als solide – «trotz herausforderndem Marktumfeld».

Blick in das Logistikzentrum der Bossard AG in Steinhausen.

Blick in das Logistikzentrum der Bossard AG in Steinhausen.

Maria Schmid (19. Februar 2020)

Einflüsse wie der Handelsstreit, der Brexit und der starke Franken belasten die Margen der Branche bekanntlich stark. Zudem hätten sich gestiegene Personalkosten, Marktexpansionen und Investitionen in den Ausbau des Dienstleistungsangebots auf der Kostenseite ausgewirkt. Der Betriebsgewinn Ebit ist im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent auf 95,7 Millionen Franken gefallen. Die Marge lag damit mit 10,9 Prozent im unteren Bereich der anvisierten Bandbreite von 10 bis 13 Prozent.

Einiges verspricht sich der Konzern von einem neuen Dienstleistungsangebot. Ingenieurdienstleistungen sollen nicht mehr gratis sein. Bisher hätten diese für Bossard eher eine Schuhlöffelfunktion gehabt, um darüber die Verbindungsteile verkaufen zu können, sagte CEO und Mitglied der Gründerfamilie, Daniel Bossard. Nun soll damit Geld verdient werden.

Er nannte das Beispiel eines Kaffeemaschinenherstellers: Bossard wurde beauftragt zu prüfen, ob die Teile der Kaffeemaschinen optimiert werden könnten. Das Ergebnis: Die Produktvielfalt konnte von 170 auf 90 Teile reduziert werden. Der Hersteller spare somit jährlich 150000 Franken an Beschaffungs-, Zulieferungs- und Montagekosten. Auch bei einem Eisenbahnprojekt in China erstellt der Konzern eine Testdokumentation für 32 Verbindungslösungen.

Der Wandel hin zum Dienstleistungskonzern veranschaulicht auch ein weiteres Beispiel: Ein Start-up von Bossard, Smart Factory Assembly, hat eine Optimierung für die Montagelinie von Kunden entwickelt. Die Arbeitsanweisung wird auf einem Bildschirm angezeigt und mittels Lichtpunkten wird dem Monteur der Reihe nach angezeigt, welche Schraube aus welcher Box er verwenden muss. Selbst der Akkuschrauber ist mit dem System verbunden.

Wette auf E-Mobilität

Leicht gewachsen ist im vergangenen Jahr der Umsatz des Konzerns: um 0,6 Prozent auf 876,2 Millionen Franken, was einen Höchstwert darstellt. Ohne den Währungseffekt und ohne den Einfluss von Akquisitionen rutschte der Umsatz aber um 2,1 Prozent ab. Gelitten hat gerade das Amerikageschäft, wo der Umsatz um 9,3 Prozent zurückging. Hier setzt Bossard vor allem zu, dass der Elektrofahrzeughersteller Tesla bei der dritten Modellreihe mehr schweisst, als schraubt.

Trotzdem verspricht sich Bossard von dieser Sparte weiterhin viel. So setzt der Konzern beispielsweise auf den Elektrofahrzeughersteller Lucid Motors, der gegen Ende Jahr in Produktion geht. Doch nicht immer sind diese Unternehmen von Erfolg gekrönt. So war Bossard auch in die Entwicklung beim Tesla-Herausforderer Faraday Future involviert; inzwischen ist das Start-up bankrott.

Hauptwachstumsregion für Bossard ist Asien, hier legte der Konzern um 9,4 Prozent zu und will weiter ausbauen. 10 Prozent des Gesamtumsatzes macht Bossard bereits in China, doch die chinesische Wirtschaft ist derzeit vom Corona-Virus gehemmt. Dies und die sowieso schon angespannte Konjunktur haben Bossard veranlasst, für dieses Jahr keine Wachstumsprognose abzugeben.

Dass sich Bossard trotz «trübem wirtschaftlichen Umfeld» auch 2020 profitabel entwickelt, dafür sollen Kostensenkungsmassnahmen wie ein Personalstopp sorgen, sagte CEO Daniel Bossard. Für die kommende Aktionärsversammlung wird eine Dividende von 4 Franken beantragt, 50 Rappen weniger als im Vorjahr.

Zuger Schraubenspezialist Bossard spürt Gegenwind

Der Zuger Industriezulieferer Bossard ist im dritten Quartal 2019 zwar gewachsen. Dennoch macht sich der konjunkturelle Gegenwind beim als frühzyklisch geltenden Unternehmen bemerkbar. Wie schon im zweiten Quartal ist der Umsatz ohne Akquisitionseffekte leicht zurückgegangen.