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Box: In Frankreich wächst der Widerstand

Saint-Gobain eme. Sie ist die wichtigste satirische Wochenzeitung Frankreichs und erscheint mit einer Auflage von 700 000 Exemplaren: «Le Canard enchaîné». Vor kurzem machte die Zeitung den Sika-Streit zum Thema. Im Text an prominenter Stelle schreibt der «Canard» vom «Coup, der scheitern wird», und zitiert den Sprecher von Sika-Aktionär Bill Gates, der zum anhaltenden Rechtsstreit meinte: «Das Gesetz muss über die Gier von Saint-Gobain siegen.» Im Artikel wird dem Saint-Gobain-Chef unterstellt, dass er trotz Widerstand an Sika festhält, um sich seinen Bonus zu sichern.

Erinnerungen an «Renault-Affäre»

Auf überrissene Managerlöhne reagiert man in Frankreich aktuell höchst empfindlich. Anfang Mai wurde bekannt, dass Renault-Chef Carlos Ghosn einen Jahreslohn von 15,5 Millionen Euro erhielt. Die Aktionäre liefen Sturm, selbst die Regierung Hollande prangerte «ein Versagen der Governance bei Renault» an.

Dass Saint-Gobain-Chef Pierre-André de Chalendar bei einer erfolgreichen Sika-Übernahme eine höhere Entlöhnung winkt, war in der französischsprachigen Wirtschaftspresse in den vergangenen Tagen Thema. «Les Echos» und «L’Agéfi» berichteten ausführlich. Im Online-Magazin «Wan­square» äusserte sich Colette Neuville, Präsidentin des Aktionärsrechtsvertreters l’Adam, deutlich. Sie kritisierte den Sika-Deal scharf. Unter anderem stellt sie die Logik des Zusammenschlusses und den Nutzen für die Aktionäre in Frage, «wenn Saint-Gobain Sika voll kontrolliert und in die Konzernrechnung integriert, aber nur 16 Prozent von deren Gewinn erhält». Colette Neuville warnt vor einem Konflikt bei der Berechnung der Bonuszahlungen an den Saint-Gobain-Chef.

Kritik an der Saint-Gobain-GV

Auch an der gestrigen Generalversammlung von Saint-Gobain in Paris waren Sika und die Managerlöhne ein Thema. De Chalendar wurde von Aktionären teils heftig kritisiert. Er wiederholte sein Festhalten am Sika-Kaufvertrag und bat um mehr Vertrauen in den Verwaltungsrat.

Das Vertrauen in Saint-Gobain ist bei den Grossaktionären bereits gesunken. Die französische Beteiligungsgesellschaft Wendel hat vor wenigen Wochen fast die Hälfte ihrer Saint-Gobain-Aktien verkauft. Wendel hält noch 6,4 Prozent am Pariser Mischkonzern. Offiziell heisst es, man wolle die Gelder besser diversifizieren. Unter Anlegern ist jedoch klar: Die Performance von Saint-Gobain ist ungenügend. Auch internationale Grossaktionäre (darunter Blackrock) haben kürzlich Saint-Gobain-Aktien verkauft.

Derweil gibt es aber auch positive Stimmen. Die Finanzanalyse der Luzerner Kantonalbank sieht Saint-Gobain «im Konkurrenzvergleich moderat bewertet». Saint-Gobain dürfte von der anziehenden Konjunktur in Europa, guten Absätzen in der Autoindustrie und der weltweiten Baudynamik profitieren, heisst es bei der LUKB.

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