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Boxprojekt des FCB-Präsidenten: Burgener holt sich eine blutige Nase

Eine der Firmen von Bernhard Burgener hat im Boxgeschäft über 50 Millionen Franken Verlust gemacht – nun klagt auch noch ein Boxer.
Christian Mensch
Der US-Boxer Regis Prograis siegt in der World Boxing Super Series – und klagt, da er um seine Gagen fürchtet. Bild: USA Today Sports

Der US-Boxer Regis Prograis siegt in der World Boxing Super Series – und klagt, da er um seine Gagen fürchtet. Bild: USA Today Sports

Bernhard Burgener, Präsident und Eigentümer des FC Basel, weiss die Champions League zu schätzen. Für seinen Fussballverein hängen deren Sterne mittlerweile zwar zu hoch, doch Burgener ist auch Vermarkter des finanzstarken Sportwettbewerbs. Damit fährt der Medienunternehmer lukrative Gewinne ein. Und was im Fussball funktioniert, das sollte auch in anderen Sportarten möglich sein. Vor vier Jahren startete er deshalb das Projekt «World Boxing Super Series» (WBSS). Mit einem Preisgeld von 50 Millionen Dollar sollten sie die Champions League des Boxsports werden. Doch es will nicht richtig funktionieren.

Bernhard Burgener, Medienunternehmer und Eigentümer des FC Basel. Bild: Keystone

Bernhard Burgener, Medienunternehmer und Eigentümer des FC Basel. Bild: Keystone

Der US-Boxer Regis Prograis hat die Nase jedenfalls voll vom neuen Box-Format, in dem je acht Kämpfer pro Gewichtsklasse sich im Knock-out-Verfahren für den Final qualifizieren. Der Spitzenboxer im Superleichtgewicht sollte das Aushängeschild sein, um auf dem wichtigen US-Markt zu punkten. Plangemäss siegte er in den ersten Runden und steht im Final gegen den Schotten Josh Taylor. Doch nun haben Prograis und sein Management eine Klage gegen die Schweizer Comosa AG eingereicht. Sie ist die Veranstalterin der WBSS und gehört mehrheitlich zu Burgeners verschachteltem Medien- und Entertainment-Konzern Highlight.

Der Boxer klagt, Comosa habe vertragliche Abmachungen nicht oder zu spät eingehalten. Es geht um Prämien, die angeblich nicht oder zu spät ausbezahlt worden seien. Prograis ist schon zum Halbfinal nur angetreten, nachdem die Antritts- und Siegprämie zuvor auf ein Treuhandkonto überwiesen wurden. Comosa, so behauptet der Boxer, habe nun im Hinblick auf den Endkampf die abgemachten Fristen verstreichen lassen. Mit der Klage will er erreichen, dass er aus dem Vertrag aussteigen und wieder Kämpfe organisieren kann, die für ihn rentabler sind. Ein direktes Statement ist von Burgener nicht erhältlich. Auf Anfrage verweist ein Sprecher lediglich auf den Tweet eines englischen Sportjournalisten, wonach Gespräche über eine Einigung liefen und der Kampf am 26. Oktober in London stattfinden soll.

Burgener bleibt als Boxpromoter unsichtbar

Burgener hält sich als Boxpromoter im Hintergrund und war bisher kaum öffentlich mit den Comosa-Problemen konfrontiert. An der Front agiert der deutsche Promoter Kalle Sauerland. Er ist der Sohn des legendären Wilfried Sauerland, dem Begründer des Boxstalls Sauerland.

Recherchen zeigen nun, dass die Probleme aber längst bei Burgener angekommen sind. Seine Firmengruppe, die mittlerweile 90 Prozent der Comosa hält, hat weitgehend die Verluste zu tragen, die sich in den ersten zwei Kampfsaisons aufgetürmt haben. Die kumulierten Defizite betragen gemäss publizierten Geschäftsberichten über 50 Millionen Franken. Im Juni kam es zur überfälligen Sanierung der überschuldeten Comosa. Das Aktienkapital wurde abgeschrieben, die Firma mit neuem Kapital ausgestattet. Es flossen allerdings nur gerade 3 Millionen Franken an neuen Mitteln. Gleichzeitig wurden Darlehen in Höhe von 33 Millionen Franken verrechnet, die Burgeners Firmen gestemmt hatten.

Kanal «Sport 1» musste mit 6 Millionen einspringen

Mit diesen Massnahmen sei die Basis für den Ausbau der WBSS gelegt, heisst es. Das Neugeld reicht offensichtlich nicht aus. Bereits im Mai besorgte sich Burgener 6 Millionen Euro, um Comosa mit einem kurzfristigen Kredit zu versorgen. Er bediente sich bei der Firma Constantin Medien, die ebenfalls zum Konzern gehört. Dessen bekanntes Produkt ist der Kanal «Sport 1». Der Geldfluss, wie er an der Generalversammlung offengelegt werden musste, führte zu Stirnrunzeln der übrigen Aktionäre: Constantin Medien hatte das Geld an die Muttergesellschaft Highlight Event and Entertainment (HLEE) zu überweisen, die es der Comosa zur Verfügung stellte. Abgesichert wird der Kredit aber über die Zwischenholding Highlight Communications (HLC). Diese verfügt im Gesamtkonstrukt über die meisten liquiden Mittel, da die Champions-League-Vermarkter Team Marketing zu diesem Firmenteil gehören.

Bereits im November muss Comosa den Kredit zurückzahlen. Falls dies nicht möglich ist, kann das Guthaben in Comosa-Aktien umgewandelt werden. Die beteiligten Verwaltungsräte sind der Ansicht, Comosa-Aktien seien dafür werthaltig genug.

Ein «Lucky Punch» kann genügen

Der Boxring ist nicht die einzige Kampfzone, in der Burgener sich aus einer Umklammerung zu befreien hat. Dazu ist zu wissen: Im vergangenen Jahr ist es Burgener zwar gelungen, seinen Konkurrenten Dieter Hahn aus dem Unternehmen zu drängen. Er bezahlt dafür einen hohen Preis. Er holte Investoren in den Ring, die mit kurzfristigen Krediten zu stolzen Zinsen aushalfen. Per Mitte 2019 bestehen Gesellschafterdarlehen von 77 Millionen Franken, die kurzfristigen Verbindlichkeiten der HLEE betrugen Anfang Jahr 174 Millionen Franken. Eine Umschuldung wird zur Herausforderung, da die Aktien der Firmen bereits zu einem hohen Anteil verpfändet sind.

Burgener hat jedoch Erfahrung, auf schmaler Kapitalbasis und aus der Defensive heraus zu geschäften. Mit dem Boxen hat er dabei auf den richtigen Sport gesetzt: Ein «Lucky Punch» kann genügen, um auch aus einer schwierigen Position heraus zu siegen. Die Herausforderung, den FC Basel wieder näher an die Champions League heranzuführen, rückt in dieser Konstellation in den Hintergrund.

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