BRAUEREI: Brauer fürchten um Herkunftsbezeichnungen

In der Schweiz ist im Braujahr 2013/2014 wieder 1,4 Prozent mehr Bier getrunken worden. Auch die inländischen Brauereien legten nach langer Talfahrt leicht zu. Doch sie fürchten um die für ihr Geschäft wichtigen Herkunftsbezeichnungen.

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Ein Angestellter füllt in der Brauerei Baar Bier ab. (Bild: Keystone)

Ein Angestellter füllt in der Brauerei Baar Bier ab. (Bild: Keystone)

Die geplanten Swissness-Bestimmungen «hauen dem Fass den Boden raus», sagte Markus Zemp, Präsident des Schweizer Brauerei-Verbandes, bei der Jahresmedienkonferenz vom Dienstag in Baar ZG. Demnach könne Wasser nicht grundsätzlich als Schweizer Rohstoff für Lebensmittel angerechnet werden.

Da Bier zu 90 Prozent aus Wasser besteht, könnten in der Schweiz gebraute Biere damit nicht mehr als schweizerisch ausgelobt werden. Bei den restlichen Bier-Rohstoffen wie Hopfen und Malz liege der erforderliche Selbstversorgungsgrad der Schweiz nahezu bei null. So gebe es hierzulande beispielsweise gar keine Mälzerei.

Und wer darum das «Swiss Made» verliere, dürfe auch nicht mehr Schweizer Regionen oder Orte als Herkunftsangaben verwenden: «Wir hätten beispielsweise kein Baarer Bier mehr, kein Appenzeller Bier. Diese könnten durch einen administrativen Strich von der Landkarte verschwinden und müssten neue Fantasienamen suchen», sagte Zemp.

Dabei sei gerade Bier ein emotionales Produkt, bei dem Regionalität traditionell eine grosse Rolle spiele. Bundesbern habe es wohl gut gemeint mit der Swissness-Vorlage. Er verstehe das Anliegen, dass etwa Apfelsaft-Konzentrat aus China mit Schweizer Wasser ergänzt nicht als Schweizer Most solle verkauft werden können.

Verschiedene Wasser

Die Krux liegt im Detail, denn Wasser ist nicht gleich Wasser: Als Schweizer Rohstoff gelten nur hiesiges Mineralwasser und Quellwasser, nicht aber Grund- respektive Leitungswasser, wie Verbandsdirektor Marcel Kreber erläuterte.

Viele Brauereien verfügen zwar seit je über eigene Quellen, davon seien aber längst nicht alle behördlich anerkannte Quellwasser. Zudem gab Kreber zu bedenken, dass Brauer weiche Wasser bevorzugten und daher oft Grundwasser erschlossen hätten. Mineralwasser sei ungeeignet.

Der Brauerei-Verband zeigt sich zuversichtlich, dass die Ausführungsbestimmungen zur Swissness-Vorlage im Rahmen der anstehenden Auswertung der Vernehmlassung noch geändert werden. Neben der Herkunft der Rohstoffe sollten auch die Fertigung in der Schweiz ausreichend berücksichtigt oder Ausnahmen gewährt werden.

Der Verband vertritt 16 Unternehmen mit 18 Braustätten, die über 96 Prozent der inländischen Produktion abdecken. Der Inlandmarkt wird also weiterhin von wenigen Unternehmen dominiert. Deren Produktvielfalt nimmt aber zu, und auch die Zahl der kleinen und der Mikro-Brauereien ist weiter gestiegen.

Abflachung bei Bierimporten

Total sind in der Schweiz 473 Braustätten registriert. Das sind so viele wie seit hundert Jahren nicht mehr. Produktdiversifikation und Regionalität sind eine Gegenbewegung zur Globalisierung, wie der Brauerei-Verband festhält.

Die Konkurrenz aus dem Ausland ist aber weiterhin hart. Immerhin haben die Schweizer Brauereien den jahrelangen Abwärtstrend stoppen können. Ihr Ausstoss nahm 2013/2014 (per Ende September) um 0,3 Prozent zu. Der Marktanteil sank aber weiter von 73,9 auf 73,2 Prozent, weil die Bierimporte mit einem Plus von 4,3 Prozent erneut stärker zunahmen.

Denn während in Gaststätten seit längerem weniger Bier getrunken wird, findet eine Verlagerung zum Heimkonsum statt. So wird Bier vermehrt im Detailhandel gekauft, wo billige ausländische Biere locken. Gegenüber dem Vorjahr (+9,1 Prozent) scheine jedoch eine Abflachung des Wachstums der Bierimporte eingesetzt zu haben.

Das gesamte Marktvolumen wuchs um 1,4 Prozent auf gut 4,64 Millionen Hektoliter Bier. Das sind rund 57 Liter pro Kopf. Nach dem Einbruch in den 1990er-Jahren sind es seit 2002 zwischen 57 und 58 Liter. Angesichts der verregneten Sommermonate Juli und August sei die Zunahme positiv zu werten, sagte Zemp. Die Fussball-WM habe zwar die Nachfrage begünstigt, das Wetter sei aber viel wichtiger.

Julian Witschi, sda

Medienkonferenz des Schweizer Bierbrauer-Verbandes in Baar. (Bild: Keystone)

Medienkonferenz des Schweizer Bierbrauer-Verbandes in Baar. (Bild: Keystone)

Markus Zemp, Präsident des Schweizer Brauereiverbandes, zieht eine positive Bilanz trotz verregnetem Sommer. (Bild: Keystone)

Markus Zemp, Präsident des Schweizer Brauereiverbandes, zieht eine positive Bilanz trotz verregnetem Sommer. (Bild: Keystone)