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BRÜSSEL/WASHINGTON: Agropoly wird Realität

Die Wettbewerbshüter der EU bewilligen die Übernahme von Syngenta durch Chem China, am Tag zuvor kam auch das Okay aus den USA. Beide Behörden machen jedoch Auflagen.
Daniel Zulauf
Pflanzenzucht im Syngenta-Forschungscenter in Stein AG. (Bild: Gaetan Bally/Keystone (10. Juni 2014))

Pflanzenzucht im Syngenta-Forschungscenter in Stein AG. (Bild: Gaetan Bally/Keystone (10. Juni 2014))

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch

Der grosse Fusionsreigen in der weltweiten Agrochemie-Industrie nimmt seinen Lauf. Gestern bewilligten die Wettbewerbsbehörden in Brüssel und Washington unter Auflagen den Kauf der Basler Syngenta durch die chinesische Staatsholding Chem China. Vor einigen Tagen hatten die gleichen Behörden bereits der Fusion der beiden US-Konzerne DuPont und Dow Chemical zugestimmt. Bis zur Fertigstellung des Agropoly-Fundamentes fehlt jetzt nur noch das grüne Licht für die Übernahme des US-Saatgut- und -Herbizidproduzenten Monsanto durch die deutsche Bayer.

Die EU-Kommissarin Margrethe Vestager begründete die Zustimmung ihrer Behörde zum Chem-China-Syngenta-Deal mit den «umfangreichen Abhilfemassnahmen», welche die Chinesen angeboten hätten, um die Wettbewerbsbedenken der Brüsseler Behörde aus dem Weg zu räumen. «Dank dem Verkauf von Firmenteilen können wir die Fusion gutheissen», liess die mächtige Dänin via Twitter verlauten.

Die permissive Haltung der Wettbewerbsbehörden stösst bei vielen Nichtregierungsorganisationen aber auf heftige Kritik. «Wir sind enttäuscht über den Entscheid der EU-Kommission. Anstatt die Macht der transnationalen Konzerne einzuschränken und die Demokratie zu stärken, lässt die EU-Kommission zu, dass das Oligopol der Agromultis weiter an Marktmacht gewinnt», sagt Ueli Gähler von der Organisation Multiwatch. Heute soll vor dem Syngenta-Hauptsitz in Basel eine Protestdemonstration stattfinden.

Die von der EU und von den US-Behörden verlangten Abhilfemassnahmen gehen fast ausschliesslich auf Kosten der in ­Israel ansässigen Chem-China-Tochter Adama. Die Firma produziert Herbizide, Insektizide und Fungizide nach bekannten Formeln von Konkurrenten, für die es keinen Patentschutz mehr gibt. Nach Angaben der EU-Kommission soll Chem China dem Verkauf «eines wesentlichen Teils des Geschäfts von Adama mit bereits auf dem Markt befindlichen Pflanzenschutzmitteln zugestimmt haben.

Abhilfemassnahmen für Syngenta «nicht materiell»

Die amerikanische Federal Trade Commission gab ihrerseits bekannt, dass Chem China dem Verkauf der Geschäfte mit den generischen Versionen der ­Syngenta-Produkte «Paraquat» (Herbizid), «Abamectin» (Insektizid) und «Chlorothalonil» (Fungizid) an den kalifornischen Mitbewerber Amvac zugestimmt habe. Aus Basel hiess es derweil, die verlangten Abhilfemassnahmen seien für Syngenta «nicht materiell».

Auch DuPont und Dow Chemical mussten ihren Businessplan nach den Zugeständnissen an die Wettbewerbsbehörden nicht ­ändern. Die beiden Konzerne kommen nach dem Zusammenschluss auf ein gemeinsames ­Jahresumsatzvolumen im Pflanzenschutz von rund 16 Milliarden Dollar. Davon müssen sie 1,4 Milliarden Dollar abtreten, um den Wettbewerb nicht zu gefährden. Syngenta und Adama kämen zusammen ohne Konzessionen auf rund 13 Milliarden Dollar Umsatz im Pflanzenschutz – etwa gleich viel wie Bayer und Monsanto zusammen.

Die deutsche BASF steht im Pflanzenschutz mit einem Umsatz von gut 6 Milliarden Dollar plötzlich ziemlich abgeschlagen da. Durch den Fusionsreigen dürften die vier grössten Agrochemiekonzerne der Welt künftig rund 60 Prozent aller Verkäufe von Pflanzenschutzmitteln auf sich vereinen. Bei der Saatgutherstellung könnte die Konzentration sogar mehr als 70 Prozent erreichen, nachdem sich vor zwanzig Jahren noch die zehn grössten Hersteller in nur 30 Prozent des Weltmarktes teilen mussten.

Wie sich der Konzentrationsprozess auf die Innovationsfähigkeit der Industrie auswirken wird, lässt sich aufgrund der langen Entwicklungs- und Lebenszyklen neuer Saaten und Pflanzenschutzmittel erst in einigen Jahren abschätzen. Auch für China ist die Rechnung der über 40 Milliarden Franken teuren Übernahme in der Schweiz noch lange nicht aufgegangen.

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