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BRUNNEN: «Wir haben uns das lange überlegt»

Ruag-CEO Urs Breitmeier rechtfertigt die geplante Schliessung des Standorts. Am liebsten möchte er alle Mitarbeiter am neuen Ort weiterbeschäftigen.
Urs Breitmeier bei der Bilanzmedienkonferenz vergangenes Jahr in Emmen. (Bild Manuela Jans)

Urs Breitmeier bei der Bilanzmedienkonferenz vergangenes Jahr in Emmen. (Bild Manuela Jans)

Interview Jürg Auf der Maur

Der Entscheid der Ruag, in Brunnen 110 Stellen aufzuheben, schockt die ganze Region. Wieso kam der Entscheid so unverhofft und so schnell?

Urs Breitmeier: Man kann nicht von einem unverhofften und schnellen Entscheid sprechen. Wir haben uns das lange überlegt und viele Optionen, auch in Brunnen, geprüft. Schliesslich haben wir entschieden, uns auf die Regionen Zürich und Thun zu fokussieren. Die Ruag hat in der Schweiz 32 Standorte, mit dem Entscheid vom Donnerstag reduzieren wir diese auf 29, das ist immer noch viel.

Was gab den Ausschlag?

Breitmeier: Der definitive Entscheid konnte jetzt gefällt werden, weil heute die Grundzüge der Weiterentwicklung der Armee inklusive dem Standortkonzept bekannt sind. Die Schweizer Armee wird in Zukunft kleiner und gerade im Kommunikations- und Führungsbereich technologischer. Zudem konzentriert sie ihre Ausbildungsplätze für die Führungsunterstützung im Grossraum Zürich. Damit war für uns klar, dass wir unsere Aktivitäten in diesem Bereich auch bündeln müssen.

Das bedeutet für die betroffenen Mitarbeitenden?

Breitmeier: Wir geben uns bewusst zwei Jahre Zeit, um die Massnahmen sorgfältig zu planen und umzusetzen. Wir wollen unseren Mitarbeitenden Zeit geben, sich auf die neue Situation einzustellen und die für sie beste Lösung zu finden. Diese kann innerhalb oder ausserhalb der Ruag sein. Aus wirtschaftlichen Gründen werden wir niemanden entlassen müssen, wir werden die Mitarbeitenden in jedem Fall unterstützen, erwarten aber auch die notwendige Offenheit, sich mit der neuen Situation zurechtzufinden.

Gab der Eurokurs den Ausschlag?

Breitmeier: Nein. Der Entscheid wurde in den letzten zwei Jahren vorbereitet. Ausschlaggebend ist die Weiterentwicklung der Armee, der technologische Fortschritt, der uns dazu zwingt, in grösseren Zentren zu arbeiten, und der kontinuierliche Kostendruck, dem wir in der Schweiz und international ausgesetzt sind.

Wie zuverlässig ist denn die Ruag als Arbeitgeber noch?

Breitmeier: Gerade dieses Beispiel zeigt, dass die Ruag ein zuverlässiger Arbeitgeber ist. Wir werden während zweier Jahre intensiv mit jedem Mitarbeiter eine Lösung suchen. Am liebsten würden wir alle Mitarbeitenden an den vorgesehenen Standorten weiter beschäftigen. Dazu würden wir sie auch bei einem Umzug unterstützen. Dort, wo dies nicht möglich ist, aus welchen Gründen auch immer, sind wir bei der Suche einer neuen Stelle behilflich. Aber eine gewisse Flexibilität muss auch von der Seite der Mitarbeitenden kommen.

Was passiert mit den Lehrlingen, wenn Sie 2017 von Brunnen weg wollen?

Breitmeier: Die fünf Lernenden am Ruag-Standort Brunnen geniessen eine hervorragende Berufsbildung bei der Ruag. Wir sind überzeugt, dass wir für die Lernenden in der Region eine passende Weiterführung finden. Dazu werden wir auch mit den entsprechenden Ämtern zusammenarbeiten.

Es gab einen Vorvertrag, respektive Pläne, dass die Ruag in die Industriezone Brunnen Nord ziehen könnte. Weshalb klappte das nicht?

Breitmeier: Den Standort Brunnen haben wir seriös als eine der Möglichkeiten in unsere Überlegungen miteinbezogen. Deshalb haben wir die Planungsvereinbarung mit der Hertipark AG abgeschlossen. Aus den oben genannten Gründen haben wir uns jedoch jetzt für eine andere Option entschieden.

War die Ruag auch mit dem Kanton/der Regierung im Gespräch, bevor die Stellen abgebaut wurden?

Breitmeier: Wir haben die Kantons- und Gemeindebehörden persönlich über unseren Entscheid vorinformiert.

Das Ruag-Areal sollte umgezont werden, eine Volksabstimmung war schon terminiert. Will sich die Ruag den Landbesitz am See auf Kosten der Arbeitsplätze vergolden?

Breitmeier: Die beiden Dinge haben nichts miteinander zu tun. Es war uns deshalb wichtig, dass wir vor der Volksabstimmung über den Schliessungsentscheid informieren. Wir wollen hier absolut transparent sein, auch wenn sich das allenfalls negativ auf die Volksabstimmung auswirken könnte.

Urs Breitmeier

Porträt adm.Urs Breitmeier steht der Ruag seit 2012 vor. Der 52-jährige diplomierte Physiker ETH und Diplomingenieur HTL trat vor elf Jahren als Geschäftsleitungsmitglied bei Ruag Land Systems ein und war für Marketing, Verkauf und Systemmanagement zuständig. 2006 wurde er Leiter der Division Ruag Land Systems und Mitglied der Konzernleitung. 2011 übernahm er auch die Leitung der Division Ruag Electronics und führte beide Einheiten zu Ruag Defence zusammen. Das Interview wurde schriftlich geführt.

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