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BRUTTOINLANDPRODUKT: Rätselhafte Wirtschaftsflaute

Ökonomen räumen mit ihren anfänglich optimistischen Wachstumsprognosen für das laufende Jahr auf. Man hofft aber weiter auf 2018.
Daniel Zulauf
Die Konsumentenstimmung war dieses Jahr überdurchschnittlich gut – die Schweizer Wirtschaft wächst aber langsam. (Bild: Marcel Bieri/Keystone)

Die Konsumentenstimmung war dieses Jahr überdurchschnittlich gut – die Schweizer Wirtschaft wächst aber langsam. (Bild: Marcel Bieri/Keystone)

Daniel Zulauf

Viele ökonomische Statistiken suggerieren eine Genauigkeit, die sie tatsächlich nicht haben. Dazu gehören insbesondere Daten zum Wirtschaftswachstum. Die Berechnung des Bruttoinlandproduktes (BIP) ist eine komplexe Sache, und der Bund muss regelmässig seine Quartalsschätzungen nachbessern. Solche Revisionen erfolgen teilweise mit zweijähriger Verspätung.

Auch die Schätzungen der vergangenen drei Quartale erwiesen sich im Rahmen einer ersten Revision als fehlerhaft und wurden teilweise kräftig nach unten angepasst. Zum Beispiel ist die Schweizer Wirtschaftsleistung den aktuellen Zahlen zufolge im zweiten Quartal nur mit 0,3 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal des Jahres 2016 gewachsen. Das ist sowohl absolut wie auch relativ gesehen ein sehr schwacher Wert. Absolut gesehen liegt der Wert weit unter dem sogenannten Potenzialwachstum, das sich aus dem Bevölkerungswachstum und aus dem Produktivitätswachstum ergibt. Das Potenzialwachstum der Schweiz wird von Ökonomen auf rund 1,5 Prozent pro Jahr geschätzt. Grob gesagt stammen zwei Drittel davon aus der Bevölkerungszunahme und ein Drittel aus den Produktivitätsgewinnen.

Über Gründe wird gerätselt

Die Schweizer Wirtschaft bewegt sich in jenem Sommerquartal aber auch relativ gesehen in einem Schneckentempo. Sogar die italienische Wirtschaft, die seit geraumer Zeit zu den langsamsten Volkswirtschaften in der Eurozone gehört, kam mit einer Expansionsrate von 0,4 Prozent schneller voran als die Schweiz. Inzwischen haben die hiesigen Ökonomen ihre Prognosemodelle mit den neuen, revidierten BIP-Schätzungen für die letzten drei Quartale gefüttert, und rein rechnerisch spucken deren Computer nun ernüchternd tiefe Werte für das Gesamtjahr aus.

Die Nationalbank gab vorige Woche einen Rückgang ihrer Wachstumsschätzung für das Schweizer BIP von 1,5 Prozent im laufenden Jahr auf nur mehr «knapp 1 Prozent» bekannt. Exakt im gleichen Ausmass passte gestern auch die Credit Suisse ihre Prognose 2017 an (siehe Tabelle). Über die tieferlegenden Gründe für diese enttäuschende Entwicklung wird aber auch in Ökonomenkreisen gerätselt.

Die meisten der sogenannten vorauslaufenden Konjunktur­indikatoren signalisieren schon seit dem letzten Dreimonatsabschnitt im Vorjahr, dass es mit der Wirtschaft vorwärtsgehen sollte. Die Konsumentenstimmung war überdurchschnittlich gut, das Wirtschaftsbarometer der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, das aus 400 Einzelindikatoren besteht und als verlässliches Prognoseinstrument gilt, liess immerhin eine durchschnittliche Konjunkturentwicklung erwarten. Nur die Einkaufsmanager zeigten sich Ende Jahr noch pessimistisch. Inzwischen aber sind sie so optimistisch wie selten. Hätte man im zweiten Quartal 2017 ihre Voraussagen direkt in eine BIP-Prognose übersetzt, wäre ein Wert von 3 Prozent herausgekommen.

Den Indikatoren zufolge war die Stimmung zwischen April und Juni in allen statistisch vermessenen Bereichen der Wirtschaft überdurchschnittlich gut. Herausgekommen ist dennoch ein ernüchterndes BIP-Wachstum. Vom Aussenhandel kamen keine Impulse, die Ausfuhren entwickelten sich im Gegenteil enttäuschend. Im Unterschied zum EU-Raum nimmt die Beschäftigung in der Schweiz kaum zu, was für den Konsum wenig hilfreich ist.

Das alles soll im nächsten Jahr viel besser aussehen. Die Konjunkturauguren, die ihre Prognosen für das laufende Jahr drastisch senken, bleiben für das kommende Jahr unverändert optimistisch. Die Credit Suisse rechnet 2018 mit einem BIP-Wachstum von 1,7 Prozent, das BAK Basel erwartet sogar ein Wachstum von 2,3 Prozent. Aber damit diese Projektionen wahr werden können, muss das Wachstum bereits jetzt beginnen. Spätestens Ende November, wenn der Bund die BIP-Schätzung für das dritte Quartal 2017 veröffentlicht, wird sich zeigen, ob die Hoffnungen in Erfüllung gehen.

Das sich beschleunigende Wachstum in der Eurozone war bislang kein ausreichender Impuls für die Schweizer Konjunktur. Immerhin scheint sich der Euro-Franken-Wechselkurs tatsächlich dauerhaft auf einem deutlich tieferen Niveau zu etablieren. Gestern kostete 1 Euro 1.153 Franken – so viel wie seit Anfang 2015 nicht mehr. Die Credit-Suisse-Ökonomen erwarten, dass die Europäische Zentralbank Anfang 2018 eine Drosselung ihrer Politik einleitet. Eine erste Zinserhöhung sei aber erst für Ende 2018 zu erwarten.

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