Wegen der US-Steuerreform zügeln amerikanische Firmen Gelder aus dem Kanton Zug ab

US-Konzerne zügeln Milliarden aus der Schweiz ab. Das trifft auch den Kanton Zug. Mögliche Folgen bei den Steuereinnahmen würden aber frühestens in zwei Jahren spürbar sein, meint Regierungsrat Heinz Tännler.

Maurizio Minetti
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Der Campus von Johnson & Johnson an der Gubelstrasse in Zug. (Bild: PD)

Der Campus von Johnson & Johnson an der Gubelstrasse in Zug. (Bild: PD)

Drei Zuger Regierungsräte, diverse Parteivertreterinnen, Stadträte, Kantonsräte und Verwaltungsangestellte waren am Donnerstag zu Besuch auf dem Campus von Johnson & Johnson (J&J) in Zug. Grund für das grosse Interesse: Der US-Konzern informierte erstmals über sein lokales Engagement in der Region. Mit seinen 900 Angestellten in Zug gehört J&J zu den grössten Arbeitgebern der Region.

Auch finanziell ist J&J ein Schwergewicht. Man sei wohl «kein unbedeutender Steuerzahler», sagte Unternehmenssprecher Thomas Moser fast beiläufig.

Verlagerung von Kapital von Zug in die USA

Allerdings haben US-Firmen wie J&J wegen der US-Steuerreform in den letzten Monaten Milliarden von der Schweiz in die USA transferiert. Die Reform habe zu «deutlichen Abflüssen von Steuersubstrat aus der Schweiz geführt», sagte Martin Naville, Direktor der Handelskammer Schweiz–USA, im Juni zur NZZ.

J&J selbst hat Anfang Jahr eine Rückstellung von über 13 Milliarden Dollar gebildet, mit der man die Steuern auf den bisher im Ausland parkierten Gewinnen bezahlen will. Ein grosser Teil der zu repatriierenden Gewinne von J&J dürfte derzeit noch in der Schweiz – beziehungsweise in Zug – liegen. Finanzdirektor Heinz Tännler äussert sich zwar nicht zu einzelnen Firmen. In allgemeiner Weise bestätigte er aber, «dass einige US-Unternehmen sich tatsächlich mit dem Gedanken tragen, einen Teil ihrer finanziellen Mittel und möglicherweise auch gewisse operative Tätigkeiten von der Schweiz zurück in die USA zu verlegen». Der Kanton Zug als «ausgesprochen international orientierter Unternehmensstandort mit vielen US-Unternehmen» werde davon «sicher auch betroffen sein, was wir sehr bedauern», so Tännler.

Es sei im Moment aber noch nicht möglich, das Ausmass solcher Verlagerungen und deren Folgen für die Wertschöpfung und die Steuererträge im Kanton Zug zuverlässig abzuschätzen. Tännler: «Erfahrungsgemäss benötigen internationale Verlagerungsschritte immer eine gewisse Planungs- und Vorlaufzeit, zudem können neue geopolitische Entwicklungen plötzlich wieder ganz neue Entwicklungen auslösen.»

Folgen werden frühestens in etwa zwei Jahren wirklich spürbar sein

Und selbst wenn es dann tatsächlich zu einer Verlagerung von finanziellen Mitteln oder operativen Tätigkeiten in die USA komme, würden die Folgen bei den Zuger Steuererträgen «frühestens in etwa zwei Jahren wirklich spürbar sein», meinte Tännler.

Der Zuger Regierungsrat hofft, dass viele internationale Firmen sich weiterhin im Kanton Zug betätigen oder sogar neu niederlassen werden und so allfällige Abflüsse in Grenzen halten oder ganz wettmachen. Laut Naville haben US-Konzerne bisher kaum wertschöpfungsintensive Aktivitäten und Arbeitsplätze ins Heimatland zurückverschoben.

Fokus auf Gesundheit

Vertreter von J&J äusserten sich am Donnerstag nicht zu den Kapitalabflüssen. Einen besonderen Fokus legten sie dafür auf das Thema Gesundheit: 81 Prozent der Zuger Angestellten beteiligen sich an Programmen zur Gesundheitsförderung. So werden sie unter anderem motiviert, sich mehr zu bewegen und sich gesund zu ernähren. Zum Angebot gehören unter anderem Gratisfrüchte, Trainingskurse, Massagen oder höhenverstellbare Pulte. Selbst die Luft ist mit negativ geladenen Ionen behandelt. Damit fühle es sich an, als sei man in einem Bergdorf auf 1800 Metern, sagte der Projektleiter des Gebäudes, das 2012 errichtet worden ist.

Schweizweit Schlagzeilen machte J&J letztes Jahr mit der Ankündigung der Einführung eines achtwöchigen Vaterschaftsurlaubs. Dieser werde von den Mitarbeitenden geschätzt und wirke sich positiv auf die Teams aus, hiess es. Darüber hinaus engagiert sich der Konzern schweizweit bei diversen gesellschaftlichen Projekten. So unterstützt J&J unter anderem das Zug Sports Festival am kommenden Wochenende und ist auch Partner der Zuger Gesundheitstage.

Der Konzern ist heute in drei Divisionen aufgeteilt: Pharma, Medizintechnik und Konsumprodukte. Johnson & Johnson ist finanziell äusserst gesund. Analysten stufen die Aktie regelmässig als «solide» ein; alle drei grossen Ratingagenturen geben J&J die Bestnote AAA. Vor einem Jahr hat J&J für 30 Milliarden Dollar die Baselbieter Biotechfirma Acte­lion übernommen. Abgewickelt wurde der Kauf über die Zuger Cilag GmbH International.