Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Der Bund drängt auf eine Lösung im Stahlkonflikt

Die Schweiz exportiert jährlich Stahl für eine Milliarde Franken nach Europa. Auf diesen Stahl drohen nun aber hohe Zölle. Verhandlungen haben bislang nichts gebracht.
Maurizio Minetti
Einblick in die Produktion der Swiss Steel AG in Emmenbrücke. (Bild: Pius Amrein (6. Februar 2015))

Einblick in die Produktion der Swiss Steel AG in Emmenbrücke. (Bild: Pius Amrein (6. Februar 2015))

Es sind harte Zeiten für Stahlhersteller. Die von den USA Anfang Jahr erhobenen Strafzölle sorgen für grosse Verunsicherung in der Industrie. Mit den Massnahmen wollen sich die USA vor allem vor Billigstahl aus China schützen, doch auch die Schweizer Stahlindustrie bekommt allmählich den Handelskonflikt zu spüren.

Grund dafür sind nicht die US-Zölle an sich, sondern die Gegenmassnahmen der EU. ­Diese befürchtet nämlich, dass Billigstahl aus Ländern wie China nach Europa umgeleitet wird, weil die USA ihren Markt mit Zöllen abschotten. Darum hat die EU im Juli ihrerseits vorläu­fige Schutzzölle auf Stahl aus Drittstaaten wie China, Russland oder Indien erlassen.

95 aller Stahlexporte gehen nach Europa

Das Problem ist: Auch die Schweiz gilt für die EU als Drittstaat. Das bedeutet, dass Schweizer Stahl, der in die EU exportiert wird, mit einem Zoll in der Höhe von 25 Prozent belastet wird, sobald ein gewisses globales Kontingent erreicht wird (Ausgabe vom 30. August). Wann die Schweiz die von der EU gesetzte Quote ­erreicht, kann niemand genau ­sagen. «Wir haben Hinweise, dass auf gewissen Zollpositionen das Kontingent schon bald ausgeschöpft sein könnte und darum Zölle drohen», sagt Ivo Zimmermann vom Branchenverband Swissmem. Davon betroffen sind nicht nur die beiden Stahlkocher Swiss Steel in Emmenbrücke und Stahl Gerlafingen, sondern auch Verarbeiter. 95 Prozent aller Schweizer Stahlexporte gelangen nach Europa. Zimmermann schätzt, dass die EU-Massnahmen ein jährliches Exportvolumen von einer Milliarde Franken betreffen.

Seit Monaten laufen Gespräche auf höchster politischer Ebene, um eine Lösung für die Schweiz zu finden. Bundesrat ­Johann Schneider-Ammann hat mehrmals mit EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström darüber gesprochen. «Die EU ist sich bewusst, dass die Schweizer Stahlindustrie nicht Teil des Problems ist», sagt ein Branchenkenner. Trotzdem haben die Gespräche bislang nichts gebracht. «Die Schweiz fordert von der EU-Kommission entweder eine Ausnahme von den Schutzmassnahmen oder eine Umsetzung, welche den bilateralen Handel nicht beschränkt», teilte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) nach einem Treffen Ende September in Brüssel mit. Das Treffen sei «konstruktiv» gewesen. Eine Lösung des Konflikts brachte es aber nicht.

Nächstes Treffen in Thun im November

Die nächste Verhandlungsrunde steht nun kommende ­Woche auf der Agenda. Am 13. November wird das jährliche Treffen des Gemischten Ausschusses des Freihandelsabkommens zwischen der Schweiz und der EU in Thun stattfinden. Die Schweizer Delegation unter der Leitung von Botschafter Stefan Flückiger wird einmal mehr versuchen, eine Ausnahme zu erreichen. Viel Zeit bleibt ihr dabei nicht. Denn Ende Januar laufen die provisorischen Massnahmen der EU aus. Bis Ende Jahr will die EU entscheiden, ob die Massnahmen danach weitergeführt werden.

Bei Kunden und Lieferanten von Swiss Steel herrscht derweil «angesichts der weltweit eingeführten oder beabsichtigten protektionistischen Massnahmen eine gewisse Verunsicherung», sagt Ulrich Steiner, Sprecher des Mutterkonzerns Schmolz+Bickenbach. «Wir sind in Kontakt mit unseren Kunden, um mögliche Auswirkungen der EU-Massnahmen frühzeitig zu adressieren und entsprechende Lösungen zu finden. Insgesamt stellen wir jedoch kein irrationales Verhalten der Kunden fest», so Steiner.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.