Bund stoppt Nachfolgefirma der Zuger Crypto AG

Mehrere Ausfuhrgesuche der Crypto International AG in Steinhausen sind hängig. Der neue Besitzer wehrt sich.

Maurizio Minetti
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Der Hauptsitz der Crypto International AG in Steinhausen.

Der Hauptsitz der Crypto International AG in Steinhausen.

Bild: Alexandra Wey, Keystone, 18. Februar 2020

Die Crypto International AG mit Sitz in Steinhausen ist von einem Exportstopp des Bundes betroffen. Wie die NZZ am Montag berichtete, sind beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) mehrere Ausfuhrgesuche der Firma derzeit hängig. Diese Situation bringe die Firma in existenzielle Probleme, heisst es in dem Bericht. Die Crypto International AG produziert Verschlüsselungstechnik sowie Produkte für die Cybersicherheit und beschäftigt etwa 100 Personen, davon rund drei Viertel in Steinhausen. Umsatzzahlen gibt das Unternehmen nicht bekannt.

Hintergrund der Massnahme des Seco ist die Tatsache, dass die Crypto International AG vor zwei Jahren aus der ehemaligen Crypto AG hervorgegangen ist. Wie verschiedene Medien vor einem Monat aufgedeckt haben, verkaufte die Crypto AG im Auftrag des US-Geheimdienstes CIA und des deutschen Bundesnachrichtendienstes Jahrzehnte lang manipulierte Chiffriergeräte an diverse Staaten.

Mittlerweile existiert die Crypto AG aber nicht mehr; sie hatte Anfang 2018 ihr nationales und internationales Geschäft in zwei neue Gesellschaften aufgeteilt. Beide Firmen haben ihren Sitz aber weiterhin in Steinhausen: Die CyOne Security AG kümmert sich seither um Schweizer Kunden, die Crypto International AG übernahm das globale Geschäft. Die beiden Nachfolgefirmen haben in den letzten Wochen wiederholt betont, nichts mit der ehemaligen Crypto AG zu tun zu haben.

Laut dem NZZ-Bericht hat Wirtschaftsminister Guy Parmelin im Dezember die Generalausfuhrbewilligungen für die Crypto International AG sistiert, bis die offenen Fragen rund um die Crypto AG geklärt sind. Gegenwärtig untersucht die Geschäftsprüfungsdelegation die Affäre. Ein Bericht soll bis Ende Juni vorliegen. Diese Woche soll es zu einer Aussprache zwischen dem Seco und Vertretern der Crypto International AG kommen.

Markenrechte, Adresse und Verkaufsteam übernommen

Die Crypto International AG gehört seit der Abspaltung dem schwedischen Unternehmer Andreas Linde. Er wehrt sich dagegen, mit der Vorgängerfirma und deren Geschäftspraktiken gleichgesetzt zu werden. Die Arbeit seiner Firma sei von der Schweizer Regierung blockiert worden, «weil diese zeigen will, dass sie etwas tut».

«Wir haben eine neue Strategie, die sich vollkommen von dem unterscheidet, was die Crypto AG einst gemacht hat. Es geht nicht mehr um Chiffriergeräte, Hardware ist heute weniger wichtig. Wir möchten für unsere Kunden umfassende Sicherheitslösungen anbieten. Verschlüsselung ist nur ein kleiner Teil davon», sagte er kürzlich in einem Interview. Gleichzeitig räumte er aber auch ein: «Ich habe geistiges Eigentum übernommen. Weiter habe ich mir Markenrechte gesichert. Ich habe den Namen Crypto und den Domain-Namen crypto.ch übernommen. Ich habe die Verkaufsmannschaft grösstenteils übernommen und auch den Mietvertrag für das Bürogebäude. Man sieht: Einige dieser Dinge sind heute belastend. Auch wenn wir heute eine völlig andere Firma sind, sind wir noch immer in den alten Büros tätig, mit demselben Namen, mit derselben Internetadresse. Das ist problematisch.»

Dem Bericht zufolge will Linde demnächst neue Büros beziehen und die Firma umbenennen. Das Unternehmen bestätigte auf Anfrage diese Pläne, ohne aber Details zu nennen.