Super Bowl
Bünzliger Bob Marley provoziert Rassismus-Debatte vor Super Bowl

Über 100 Millionen Amerikaner werden am Sonntag die Super Bowl am Bildschirm verfolgen. Die Werbung in den Pausen ist dabei so wichtig wie das Spiel. Die Spots von VW und Coca Cola haben in den USA eine breite Rassismus-Debatte ausgelöst.

Christoph Zehnder
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Weisser Durchschnittstyp macht auf Bob Marley

Weisser Durchschnittstyp macht auf Bob Marley

Keystone

Firmen bezahlen ein halbes Vermögen, um in den Spielpausen des Super Bowl ihren Werbespot zu zeigen. 30 Sekunden kosten 3,5 Millionen Dollar, wie die «New York Times» weiss. Die Clips werden eigens für die Super Bowl produziert oder zumindest dann erstmals gezeigt.

Kein Wunder: Der Super Bowl ist eines der grössten Sportereignisse des Jahres und wird weltweit von bis zu 800 Millionen Menschen verfolgt. Glaubt man den Umfragen, schalten bis zu einem Drittel nur wegen der Werbespots ein.

2011 schaffte es VW mit seinem Darth-Vader-Clip die Herzen der Zuschauer zu erobern. Der diesjährige Werbespot des deutschen Autoherstellers ruft jedoch schon im Vorfeld die Kritiker auf den Plan: Er sei rassistisch, heisst es.

Gutelaune-Werbung mit dem schwarzen Mann

Der Feelgood-Spot dreht sich um den weissen Büroangestellten Dave, der im breitesten Jamaika-Slang seine Arbeitskollegen aufmuntert. Als bünzliger Bob Marley mit Hemd und Krawatte verbreitet er im ganzen Betrieb lockere Karibikstimmung.

Die Werbung impliziere, dass alle Schwarzen glücklich seien, finden Kritiker. Ausserdem bediene er das Klischee des kiffenden Inselbewohners. In den sozialen Netzwerken sind die Kritiker allerdings in der Minderheit. Viele Schwarze und auch viele Jamaikaner folgen der Botschaft des Clips und sagen sich «no worries, man». Im Gegegenteil: Vielen finden Gefallen daran und tun dies in den sozialen Netzwerken auch kund.

Rückständige Kameltreiber

Doch mittlerweile hält schon ein zweiter Super-Bowl-Spot die Debatte im Gang. Coca-Cola zeigt einen Wettlauf von allerlei Wüstenbewohnern hin zu einer riesigen Cola-Flasche, darunter auch Araber mit Kamelen. Bereits haben sich amerikanische Exil-Araber zu Wort gemeldet. Der Vorwurf: Araber würden als rückständige Kameltreiber dargestellt, die ohnehin keine Aussicht auf Erfolg hätten.

Fast könnte man den Eindruck erhalten, den Konzernen sei die Rassismus-Debatte um ihre Clips gar nicht so unangenehm. Die Klickzahlen im Internet, wo die Super-Bowl-Clips bereits zirkulieren, steigen umso schneller, je mehr Leute sich in die Diskussion einmischen.