Bye
Bye, bye Videothek - jetzt kommt Acetrax

Vergessen Sie die Videothek um die Ecke. Die gibt es nun zuhause im Fernsehen und im Internet. Dank einer Schweizer Jungfirma. Der japanische TV-Hersteller Panasonic hat schon zugeschlagen, noch grössere Anbieter stehen Schlange bei Acetrax.

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Acetrax

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Aargauer Zeitung

Das Fernsehprogramm war gestern, die Videothek wohl auch. In Zukunft wird der TV-Konsument Filme, die er sehen will, direkt am Fernsehen mieten oder vielleicht sogar kaufen. Mitten drin in diesem Zukunftsmarkt ist eine Schweizer Jungfirma Acetrax. Sie hat eine Art iTunes für Filme entwickelt.

Das revolutionäre an der Online-Videothek der Zürcher ist: Der Shop ist prallvoll mit allen möglichen Hollywood-Filmen. Über 2000 Streifen werden angeboten. Dazu kommen noch lokale Angebote, also Filme aus der Schweiz und Europa. Sie werden je nach Land zwischen 30 und 60 Prozent des Angebots ausmachen, erklärt Uwe Placzek, Chef von Acetrax. Damit hebt sich das Angebot deutlich von lokalen Konkurrenten ab.

Ab 3.95 Franken ist man dabei

Bei Acetrax kann man die Filme zudem nicht für 1.95 bis 6.95 Franken mieten. Oder aber kaufen. Das kostet je nach Film zwischen 10 und 20 Franken. Alle Filme - ob gekauft oder gemietet - werden in die private Library gestellt und mit PIN-Code geschützt.

Abspielen lassen sie sich nicht nur am TV, sondern auch am Computer, auf dem Handy oder auf dem Blue-Ray-Player. Der Kunde kann Acetrax vier Geräte angeben, mit denen er die Filme anschauen will.

Das System der Schweizer ist so gut, dass die Bigshots der TV-Industrie bei ihnen Schlange stehen. Mit Panasonic hat Acetrax den Vertrag bereits unterzeichnet, mit zwei weiteren Grossproduzenten stehen die Verhandlungen kurz vor Abschluss. «Zwei Drittel des Marktes dürften wir so abgedeckt haben», sagt Placzek. Der Rest werde sich dann von selbst ergeben.

Fernsehhersteller sind ganz scharf

Die Fernsehhersteller werden die Lösung der Schweizer auf TV-Geräte, die in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, Grossbritannien und Irland verkauft werden, vorinstallieren.

Wenn immer ein Fernsehgerät angestellt wird, erscheint das Angebot von Acetrax prominent auf dem Schirm. «Eine unglaublich gute Platzierung», findet das Walter Jucker, operativer Chef und Finanzchef des Startups. Sieben Millionen Geräte werden in den von Acetrax anvisierten Ländern dieses Jahr verkauft. Das Marktpotenzial schätzt Firmenchef Placzek auf rund 100 Millionen Haushalte.

Die Geräte-Industrie ist an Acetrax interessiert, weil ihnen die Lösung endlich neue Einnahmequellen verspricht. Bei jedem Film, den die Konsumenten runterladen, klingelt bei ihnen die Kasse. «Sie verdienen erstmals am Service-Umsatz mit», sagt Jucker.

Lohnendes Geschäft für alle

Auch Acetrax verdient dabei. Der Grossteil des Verkaufspreises geht aber an die Filmstudios. Über den Verteilschlüssel hüllt sich Placzek in Schweigen. Möglich sei es, über die Plattform künftig auch Merchandising-Artikel zu betreiben. Wer einen Harry-Potterfilm schaut, kann dann auch gleich Mützen, T-shirts oder Tassen mit Harry-Potter-Aufdrucken kaufen. Für die TV-Hersteller sind das sehr verlockende Aussichten.

Interesse an Acetrax hat auch die PC-Industrie. Ein Zusammenarbeitsvertrag mit Asus ist unterzeichnet, zwei weitere mit Grossanbietern werden in Bälde folgen.

Am Anfang standen «exzellente Beziehungen»

Doch wie kommt eine kleine Schweizer Firma, die erst 2006 gegründet wurde, überhaupt zu all den Filmrechten, die es braucht, um den Online-Verkauf bzw. -Miete zu lancieren? «Zufall», sagt Placzek. Der Jungunternehmer hatte dank einem früheren Job «exzellente Kontakte» zu Samsung. Und diese Kontakte und ein Empfehlungsschreiben hat er genutzt, um im Hollywood zu Verträgen zu kommen. Acetrax war so was wie die Filmeinkäuferin für Samsung. Mit den meisten grossen Studios hat Acetrax heute Rahmenverträge. Diese können im Bedarfsfall erweitert werden, heisst, auf neue Länder ausgedehnt werden.

Doch vorläufig will sich Acetrax auf Europa fokussieren. Eine Anfrage aus den USA liegt zwar auf dem Tisch. Der US-Markt sei mehr oder weniger schon vergeben im Gegensatz zum europäischen, wo das Business erst jetzt anrolle, sagt Placzek.

Möglich scheint vieles. Auch ein Verkauf des Unternehmens. «Wir wissen, dass wir auf dem Radar sind», sagt Jucker. Zuerst möchte man aber schwarze Zahlen schreiben. Mit einer Million Kunden soll das möglich werden.

Hinter der Jungfirma stehen private Geldgeber. Sie haben bis heute rund 10 Millionen Franken ins Unterfangen investiert. Auch die sieben Mitarbeiter von Acetrax sind am Unternehmen beteiligt. (rsn)

Weitere Infos: www.acetrax.com