Calida-CEO Reiner Pichler: «Wir sind sehr offen für Zukäufe»

Der Surseer Wäschehersteller steht vor Veränderungen im Portfolio. Der Online-Anteil wächst weiter.

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Auf Kurs: Calida-CEO Reiner Pichler.

Auf Kurs: Calida-CEO Reiner Pichler.

Bild: Manuela Jans-Koch (Sursee, 20. November 2018)

(sda/mim) Die Calida-Gruppe ist auf gutem Weg, ihre Ziele im laufenden Jahr zu erreichen. Der Start ins wichtige Weihnachtsgeschäft sei sowohl in den eigenen Geschäften als auch bei den Grosskunden «sehr gut» gewesen, sagte CEO Reiner Pichler im Interview mit der Agentur AWP.

Das Marktumfeld dürfte aber auch im kommenden Jahr anspruchsvoll bleiben. «Die Ausgaben der Endverbraucher für Kleidung, Wäsche und Schuhe stagnieren seit vielen Jahren», erklärt Pichler. Dank der Fokussierung auf Nachhaltigkeit und Innovation wolle er mit seiner Gruppe aber weiterhin Marktanteile gewinnen. Immer wichtiger wird für den Wäschehersteller aus Sursee die Rolle des Online-Absatzkanals, der zum Halbjahr knapp 12 Prozent der Umsätze generierte.

«Unsere Marken sind unterschiedlich weit. Bei Calida sind wir zum Beispiel bereits bei mehr als 15 Prozent angelangt. Die Millet-Mountain-Group ist aber weiterhin unter 10 Prozent. Alles in allem gehe ich davon aus, dass wir in unseren eigenen E-Commerce-Stores mittelfristig rund 20 Prozent des Umsatzes erwirtschaften werden», so Pichler. Wenn man die Verkäufe von Dritten wie Zalando oder Amazon mitberücksichtige, könnten weitere 10 bis 15 Prozent dazukommen. Das Marken-Portfolio der Gruppe wird laut dem CEO laufend geprüft: «Derzeit gibt es viele Käufer und wir erhalten regelmässig Angebote für unsere Marken.»

Noch kein Entscheid bezüglich Lafuma

Aus dem Portfolio von Lafuma hat Calida Ende Oktober von der südkoreanischen K2-Gruppe ein Angebot für die Marke Eider erhalten. Das weitere Vorgehen erklärt Pichler so: «Wir prüfen derzeit mit dem Management und dem Betriebsrat der Mountain-­Millet-Group das Angebot. Ein Entscheid soll in den kommenden Monaten gefällt werden.» 2013 hatte Calida die Mehrheit an Lafuma übernommen und die Beteiligung in der Folge stetig ausgebaut. Zuletzt lag der Anteil bei knapp 92 Prozent. Über eine mögliche Dekotierung wird schon lange spekuliert (wir berichteten). Pichler: «Um die Gruppe ganz übernehmen zu können, muss es auf der anderen Seite Verkäufer geben. Wir werden die Situation weiterhin prüfen, stehen dabei aber nicht unter Zeitdruck.»

Mit dem Überschreiten der Marke von 90 Prozent sei die Möglichkeit einer Dekotierung aus rechtlicher Sicht gegeben. «Wir haben diesbezüglich aber noch keine Entscheidung getroffen.» Die Calida-Gruppe sei zudem «sehr offen» für Zukäufe, sagte Pichler. Im Fokus stehe dabei insbesondere der Wäschebereich in Europa.

Geographische Hauptmärkte bleiben Deutschland, Schweiz und Frankreich. «Darüber hinaus bietet auch das übrige Europa noch grosse Chancen. Auch die USA und Asien wollen wir im zweiten Schritt entwickeln», so Pichler. So sei die Marke Millet beispielsweise bereits heute in Japan stark präsent und erziele dort 20 Prozent des Umsatzes. «Dies stimmt uns zuversichtlich, dass wir auch in Asien erfolgreich arbeiten können.» 

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