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Calida lanciert das Holz-Shirt

Tencel heisst der Stoff, aus welchem die neueste Kollektion des Luzerner Wäscheherstellers genäht ist. Das Spezielle daran: Dieser ist komplett biologisch abbaubar. Calida setzt damit weiter auf eine Strategie der Nachhaltigkeit.
Raphael Bühlmann
Calida-Produktmanager Harald Lenzinger präsentiert das kompostierbare «I love Nature»-Shirt.Bild: Eveline Beerkircher (Sursee, 20. Juli 2018)

Calida-Produktmanager Harald Lenzinger präsentiert das kompostierbare «I love Nature»-Shirt.Bild: Eveline Beerkircher (Sursee, 20. Juli 2018)

Nein, es mahnt wirklich nichts an kantig-sperriges Holz. Bei dem glänzend-weiss schimmernden Shirt vermutet man eher eine edle Seide verstrickt. Samtig weich fühlt sich der Stoff auch an, lässt man ihn durch die Finger gleiten. Und doch. «Dieses Shirt besteht zu 100 Prozent aus Holz.» Harald Lenzinger ist Herren-Designer und Product Manager bei Calida und mitverantwortlich für die neueste Kollektion, die Ende Juli unter dem Namen «I love Nature» in die Verkaufsläden kommt.

Lyocell nennt sich die Faser aus dem Wald, die aus Zellulose gewonnen wird. «Durch ein spezielles Verfahren wird der Zellstoff aus dem festen Holz herausgelöst – ähnlich wie bei der Papierherstellung», erklärt Product Manager Lenzinger, der sogleich betont, dass die bei diesem Prozess verwendeten Chemikalien für Mensch und Umwelt völlig unbedenklich seien.

Nach sechs Monaten ist vom Shirt nichts mehr zu sehen

Calida allerdings ist bei der Herstellung des Rohmaterials nicht direkt involviert. Denn hergestellt wird Lyocell im österreichischen Lenzing von der gleichnamigen Firma. Die Lenzing-Gruppe produziert und vertreibt die Holzfaser unter dem Markennamen Tencel. Dabei wird die aus dem Holz gewonnene viskose Masse durch eine Düse zu einem dünnen Faden geformt. Zu ganzen Stoffrollen gestrickt, ist die Textile heute auf der ganzen Welt gefragt. Aufgrund seiner Besonderheiten wird der Stoff bereits seit längeren mit anderen Textilien wie Wolle oder Baumwolle verstrickt. «Tencel ist widerstandsfähig, saugfähig, reissfest und trotzdem sehr weich», erklärt Lenzinger weiter.

Nach sechs Monaten ist nichts mehr zu sehen: Harald Lenzinger kompostiert das Shirt von Calida. (Bild: Eveline Beerkircher (Sursee, 20. Juli 2018))

Nach sechs Monaten ist nichts mehr zu sehen: Harald Lenzinger kompostiert das Shirt von Calida. (Bild: Eveline Beerkircher (Sursee, 20. Juli 2018))

Eigenschaften, die Calida nun dazu bewogen haben, eine erste Kollektion auf den Markt zu bringen, die ausschliesslich mit der Holzfaser hergestellt wird. Für das Surseer Wäscheunternehmen dabei nicht minder wichtig ist, dass durch die Verwendung von Tencel ein «geschlossener und besonders ressourcenschonender Kreislauf aus nachhaltiger Forstwirtschaft» gewährleistet werden könne. «Da der Stoff vollständig aus Zellulose und damit aus einem reinen Naturprodukt besteht, ist dieser zu 100 Prozent biologisch abbaubar – die I-love-Nature-Shirts sind kompostierbar», sagt Lenzinger. Man habe dazu selbst den Versuch gemacht und im Januar ein Oberteil auf dem betriebseigenen Kompost vergraben. Nach sechs Monaten sei dieses vollends zersetzt gewesen. Der Konsument könne also – wenn das Shirt einst seinen Zweck erfüllt habe – das Shirt einfach auf seinem Garten-Kompost entsorgen. Auch eine Rückgabe an ­Calida selber ist möglich. Ein ähnliches Konzept hat Freitag lanciert. Auch das «F-abric-Sortiment» des Zürcher Taschen- und Kleiderherstellers löst sich auf dem Kompost vollständig auf.

«Bei uns gibts keine Shirts für 2.50 Franken»

Mit der Innovation setzt Calida nach eigenen Angaben seine Strategie einer nachhaltigen Produktion fort. «Wir wollen und können keine Shirts für 2.50 Franken das Stück anbieten», sagt Lenzinger weiter. Auch renne man nicht jedem Trend in der schnelllebigen Branche hinterher. Man produziere ein Kleidungsstück, woran sich der Kunde möglichst lange erfreuen soll und das er nach dem Gebrauch mit gutem Gewissen in den Ressourcenkreislauf zurückgeben könne. 49.90 Franken soll das Damen- und Herrenshirt kosten. Tencel sei deutlich teurer als Baumwolle, merkt Lenzinger an.

Dafür sei das Shirt auch mit den Labeln «Made in Green» von Oeko-Tex sowie dem Zertifikat «Cradle to Cradle» ausgezeichnet. Dieses bezeichnet kreislauffähige Produkte, die als Verbrauchsgüter so konzipiert werden, dass die enthaltenen Rohstoffe im biologischen Kreislauf immer wieder verwendet werden können. Bedingung dafür ist, dass die Produktionsverfahren, der Gebrauch und die Wiederverwertung der Produkte – im Unterschied zum konventionellen Recycling – so gestaltet werden, dass die Qualität der Rohstoffe über mehrere Lebenszyklen erhalten bleibt.

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