Swisscom
Carsten Schloter: «Ich war noch nie in meinem Leben wirklich relaxed»

Der verstorbene Swisscom-Chef hat sich gegenüber der «Schweiz am Sonntag» und der «Medienwoche» zuletzt ziemlich persönlich geäussert. Er sei noch nie relaxed gewesen, sagte Schloter etwa. Und dass ihm die vielen Verpflichtungen zusetzen.

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Carsten Schloter ist tot

Carsten Schloter ist tot

Keystone

In einem Interview mit dem digitalen Medienmagazin «Medienwoche» gab der heute Vormittag tot aufgefundene Swisscom-CEO Carsten Schloter im vergangenen März Auskunft auch zu persönlichen Aspekten seines Berufes. «Man ist als Manager nicht unfehlbar, man ist nicht weniger von Gefühlen getrieben als jeder andere Mensch. Darüber in den Medien, gerade in den visuellen Medien offen reden zu können, das ist wichtig», sagte Schloter.

Leuthard «bestürzt»

Telekommunikations-Ministerin Doris Leuthard hat «mit grosser Bestürzung» vom unerwarteten Tod des Swisscom-CEO Carsten Schloter Kenntnis genommen. Der Familie des Verstorbenen sprach sie ihr Beileid und ihr grosses Mitgefühl in dieser schweren Situation aus. Mit Carsten Schloter verliere die Schweizer Wirtschaft eine prägende Figur.
«Carsten Schloter hat die Swisscom in einem heftig umkämpften und sich rasch wandelnden Markt erfolgreich positioniert und dabei den Service public weiter gestärkt», würdigte die Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) die Verdienste des Verstorbenen. Mit Carsten Schloter verliere das bundesnahe Unternehmen Swisscom einen herausragenden Chef und die Schweizer Wirtschaft eine prägende Figur. (rsn)

Der Deutsche äusserte sich auch zur Trennung mit seiner Frau: «Es war einfach etwas sehr Einschneidendes in meinem Leben passiert. (Pause) Es war ein reales Scheitern und in diesem Sinn eine einmalige Erfahrung. Ich habe mir überlegt, wie ich damit umgehe, und habe entschieden, offen darüber zu reden. Sonst versucht man, den Starken zu spielen - und glaubhaft ist das eh nicht.»

Schloter weiter zu seiner Familiensituation: «Ich weiss nicht, ob man bei mir in meiner Familiensituation die klassische Homestory machen kann. Mein privates Leben artikuliert sich um zwei Pole. Zunächst um meine Kinder, und die gehen die Öffentlichkeit nichts an. Und dann um den Sport, und das bekommt man am Rande mit. Das gibt ein gewisses Klischee, ein gewisses Image.»

Noch nie relaxed

Zu seinem Ruf, ein charismatischer, beliebter Chef zu sein: «Das hat ganz viele Schattenseiten und Risiken. Menschlich gesehen steckt ein sehr hohes Energieniveau dahinter, auch eine Leidenschaft für das Unternehmen. Das kann gefährlich sein. Ich laufe permanent Gefahr, andere damit zu überfordern.»

Giezendanner: «Schloter hat Lebensfreude ausgestrahlt»

Bundespolitiker, die mit Carsten Schloter beruflich zu tun hatten, reagieren betroffen auf die Todesnachricht. Schloter habe stets einen aufgestellten und fröhlichen Eindruck hinterlassen.

Grosse Konsternation nach Bekanntwerden des Todes von Swisscom-CEO Carsten Schloter. «Das ist eine sehr überraschende Nachricht», sagt der Solothurner FDP-Nationalrat Kurt Fluri, Mitglied der für die Swisscom zuständigen Parlamentskommission KVF. «Ich habe ihn in Kommissionwsitzungen immer aufgestellt und optimistisch erlebt. Probleme hat er als Herausforderung angesehen.» Fluri weiter: «Ich kann mir seinen Tod nicht erklären.» Auf SVP-Nationalrat Walter Wobmann hat Schloter stets einen «ruhigen und gelassenen» Eindruck gemacht. Tief betroffen ist der Aargauer SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner. «Wir verlieren einen der fähigsten Wirtschaftsführer des Landes», sagt Giezendanner. Schloter sei ein hochkompetenter Direktor der Swisscom gewesen, eine «ehrliche Persönlichkeit». Eine Erklärung für den Tod habe er keine: «Ich falle aus allen Wolken. Schloter hat Lebensfreude ausgestrahlt.»

Schloter wurde heute morgen tot in seiner Wohnung im Kanton Freiburg aufgefunden. Die Freiburger Kantonspolizeit geht zur Stunde von einem Suizid aus. Das eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation stellte für den späteren Nachmittag eine Medienmitteilung in Aussicht. (ssm)

Zur Frage, wann er das letzte Mal nicht souverän war: «Was bedeutet es, souverän zu sein? Wenn souverän bedeutet, relaxed zu sein, dann war ich das wahrscheinlich noch nie. Auch wenn ich vor Mitarbeitern spreche, egal, wie viele es sind. Ich habe immer ein enormes Mass an innerer Spannung. Wenn souverän bedeutet, möglichst authentisch und ehrlich zu bleiben - ich denke, das kann ich.»

Auch in der «Schweiz am Sonntag» gab Schloter in einem Interview im Mai Persönliches zu Protokoll: Zur Frage, ob er ein Workaholic sei, sagte Schloter damals: «Das Gefährlichste ist, wenn man in einen Modus der permanenten Aktivität verfällt. Wenn man auf seinem Smartphone dauernd nachschaut, ob neue Mails reingekommen sind. Das führt dazu, dass man zu keiner Ruhe mehr findet.» Er selbst komme nur noch schlecht zur Ruhe, das Handy einfach einmal auszuschalten: «Ich stelle bei mir fest, dass ich immer grössere Schwierigkeiten habe, zur Ruhe zu kommen, das Tempo herunterzunehmen.»

Zur Frage, ob er aus seiner gescheiterten Ehe Schlüsse gezogen habe: «Ich würde Ihnen gern sagen, dass ich Lehren daraus gezogen habe. Wenn es so wäre.» Es gehe um etwas Tiefes. Es gehe um Verpflichtungen. «Es kommt irgendwann ein Punkt, wo Sie das Gefühl bekommen, nur noch von einer Verpflichtung zur nächsten zu rennen. Das schnürt Ihnen die Kehle zu. Unter einem solchen Eindruck - dass es weniger Verpflichtungen sein könnten - stehe ich immer noch.»