Video-Poker, Blackjack und «Super Cherry»: Wie das Casino Luzern verlorenes Terrain zurückgewinnen will

Das Casino Luzern ist mit dem Start ins Onlinegaming zufrieden. Es hofft, die Spieleinnahmen um einen Drittel zu steigern.

Rainer Rickenbach
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Den Klassiker «Super Cherry» gibt es nun auch online. (Bild: PD)

Den Klassiker «Super Cherry» gibt es nun auch online. (Bild: PD)

Doch, die Onlinespiele hätten in der Startphase die Erwartungen erfreulichweisweise übertroffen, sagt Guido Egli. Der Verwaltungsratspräsident der Grand Casino Luzern AG gibt sich zuversichtlich, dass es in diesem Stil weitergeht. «Wir haben im August als zweites Casino der Schweiz mit Glückspielen auf Mobiltelefonen, Computern und Tablets begonnen. Ich gehe davon aus, dass sich der frühzeitige Beginn mittelfristig auszahlt.» Ähnlich tönt es auch aus Baden. Das Casino dort spannt mit Davos zusammen. Vom Zürcher Verbund Swiss Casinos ist bereits Pfäffikon im Netz präsent. Weitere Schweizer Casinos folgen.

Schon vor zehn Jahren – also acht Jahre, bevor die Stimmberechtigten überhaupt grünes Licht für Onlinegaming gaben – hatten sich die Luzerner mit dem digitalen Spielkanal beschäftigt. Heute sind sie mit 192 amtlich genehmigten Spielen im Internet präsent – Tendenz fast täglich weiter steigend. Den Löwenanteil bei Mycasino.ch machen die Slotspiele aus. Doch auch Video-Poker, Tischspiele wie Blackjack und Roulette stehen zur Verfügung. Voraussichtlich ab Dezember schickt sich die Spielstätte an, quasi als Königsdisziplin virtuell mit real zu verbinden: Ab dann können sich Kunden über ihr Elektronikgerät von zu Hause aus an einem real existierenden Roulettespiel im Casino beteiligen.

Der Kirschen-Automat erlebt eine Renaissance

Eine der neusten Attraktion im virtuellen Spielautomatenpark ist «Super Cherry». Eine Kultmaschine, die schon vor dem Spielautomatenverbot in den Beizen zum Glücksspiel lockte. «Der Klassiker kommt bei den Spielern gut an», sagt Casino-­Direktor Wolfgang Bliem. Das Casino Luzern bewirbt seine digitalen Angebote vor allem in den sozialen Medien und mit Plakaten, während Baden TV-­Werbespots schaltet.

Einnahmen aus Onlinespielen kann die Schweizer Casino-­Branche gut brauchen. Lockere Regeln in den Spielstätten entlang der Landesgrenze und seriöse sowie weniger seriöse internationale Onlineglücksspielanbieter machen ihr schon seit über zehn Jahren das Leben schwer. Seit dem Jahr 2007 war ihr Bruttospielertrag mit einer Ausnahme stets rückläufig. Beim Grand Casino Luzern hielt sich der Abwärtsgang in Grenzen, es hat in den letzten drei Jahren in Folge immerhin Zuwächse zu verzeichnet.

Mit den Netzsperren für die ausländischen Anbieter winken den Schweizer Spielstätten zusätzliche Millionengewinne. Für schätzungsweise 250 Millionen Franken zockten und wetteten nämlich die Schweizer jährlich auf ausländischen Webseiten. Etwa die Hälfte davon entfällt auf Sportwetten, von denen aber die Schweizer Casinos kaum profitieren werden.

Doch die übrigen 125 Millionen dürften zu einem grossen Teil ihnen zugutekommen – und könnten dazu beitragen, ihre Ertragsschwäche der zurückliegenden Jahren zu beenden. Die Möglichkeitsform «könnte» dar­um, weil es sich heute noch schwer abschätzen lässt, wie viele Schweizer Gambler weiterhin im Ausland ihr Glück ver­suchen und in der Lage sind, die Netzsperren auszuhebeln. «Unser Ziel ist es, dass rund 10 Prozent der 125 Millionen Franken in den kommenden Jahren den Weg zu uns finden», sagt Verwaltungsratspräsident Egli. Heute nimmt das Casino ohne Internet vor den Abzügen knapp 37 Millionen Franken bei den Spielen ein. Mit dem anvisierten Onlinegaming-Marktanteil würde diese Summe gegen 50 Millionen Franken tendieren. Davon gingen etwa 20 Millionen an die AHV.

Schweizer Casinos wähnen sich im Vorteil

Anders als die Casino-Führung in Baden vertrauen die Luzerner darauf, dass es der Spielbankenkommission gelingt, einen schönen Teil der ausländischen Anbieter vom Schweizer Markt zu verdrängen. «Seriöse ausländische Anbieter sind bereits von sich aus gegangen, weil sie es sich als meist börsenkotierte Unternehmen nicht leisten können, gegen Gesetze zu verstossen. Für die vielen unseriösen Anbieter, von denen die meisten von der Karibik aus tätig sind, wird das Geschäft hier nun schwieriger, weil die Schweizer Onlinekonkurrenz viel mehr Sicherheit bietet, wenn es um die Auszahlung von hohen Gewinnen und die Spielsicherheit geht. Wir befinden uns in einer Position, um die uns die Glücksspielbranche, aber vor allem die Regierungen vieler anderer europäischer Länder beneiden», sagt der Luzerner Casino-Direktor Wolfgang Bliem.

Spieler werden in zwei Schritten registriert

Die Lagebeurteilung ist neu, denn bisher störte sich die Schweizer Glücksspielbranche stets an den ungleich langen Spiessen im Wettbewerb mit der ausländischen Konkurrenz. Das scheint sich mit der Erlaubnis der Onlineglücksspiele geändert zu haben.

Der Zahlungsverkehr zwischen Spieler und Luzerner Casino ist einfach, die Auswahl der Anbieter ist gross. Unkompliziert geht in Luzern auch die Anmeldung vor sich. So lange sich die Spieler kein Geld auszahlen lassen oder mehr als 1000 Franken einzahlen wollen, haben sie 30 Tage nach Eröffnung ihres Spielkontos Zeit, mit einem amtlichen Dokument (Pass, Identifikationskarte, Führerausweis) und einer Adressbescheinigung ihre Personalien zu be­legen. Ein auf einen Monat ­beschränktes Paradies für Spielsüchtige, die an realen Casino-­Eingängen abgewiesen werden? «Wir prüfen die Spielerkonten sorgfältig. Bereits bei der Registrierung findet ein automatischer Abgleich mit dem nationalen Sperrregister statt», entgegnet Bliem.