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CHAM: Aussage gegen Aussage bei den Zalando-Löhnen

Laut Angaben aus dem Umfeld der Gewerkschaft Unia werden in Zalando-Retourenzentren von Drittunternehmen zu tiefe Löhne bezahlt. Das Chamer Unternehmen Ingram Micro widerspricht.
Die Retouren von Zalando-Päckli werden von Schweizer Subunternehmen abgefertigt. (Archiv) (Bild: KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER)

Die Retouren von Zalando-Päckli werden von Schweizer Subunternehmen abgefertigt. (Archiv) (Bild: KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER)

Der boomende Onlinehandel hat seine Schattenseiten. Vor allem in Deutschland protestieren Gewerkschaften regelmässig wegen schlechter Arbeitsbedingungen in den Logistikabteilungen von Amazon oder Zalando. In den letzten Wochen sorgte der Onlinekleiderhändler Zalando auch hierzulande für Schlagzeilen. Grund: Gemäss der Gewerkschaft Unia bezahlt die MS Direct AG in Arbon TG, die für Zalando Retouren bearbeitet, tiefe Stundenlöhne von unter 20 Franken. Bei MS Direct werden Retouren gebündelt, bevor sie zurück in die Logistikzentren von Zalando gehen.

Es gibt auch eine Verbindung zur Zentralschweiz: Den gleichen Vorwurf muss sich nämlich auch der Logistikdienstleister Ingram Micro von den Gewerkschaften gefallen lassen. Die ursprünglich US-amerikanische Firma mit Schweizer Hauptsitz in Cham gehört seit 2016 zur chinesischen HNA-Gruppe. Ingram wickelt seit rund einem Jahr in Rothrist AG ebenfalls Retouren für Zalando ab. Gemäss Gewerkschaftsangaben werden auch dort zum Teil Löhne unter 20 Franken pro Stunde bezahlt.

Ingram widerspricht dem allerdings auf Anfrage unserer Zeitung. Ein Sprecher sagt, man arbeite mit einem Personalvermittler für Temporärkräfte zusammen. «Dieser hat einen entsprechenden Gesamtarbeitsvertrag unterschrieben und bezahlt den Mindestlohn von 22 Franken», sagt der Sprecher. Ingram überweise dem Vermittler einen fixen Betrag pro Mitarbeiter.

Zalando pocht auf Sozialstandards

Der Ingram-Sprecher verweist zudem darauf, dass festangestellte Mitarbeitende im Bereich der Zalando-Retouren auch wesentlich mehr als 22 Franken pro Stunde verdienen können. Abgesehen davon ist Ingram Micro auch im IT-Grosshandelsgeschäft tätig, das in keinem Zusammenhang steht mit dem noch jungen Zalando-Retourengeschäft. Angesprochen auf das Dementi aus Cham verweist die Gewerkschaft Unia auf einen Beitrag auf der Website der «Bewegung für den Sozialismus», wo man unter anderem nachlesen kann, dass der Lohn für Temporärmitarbeitende bei Ingram in Rothrist «ungefähr 17 Franken pro Stunde» betragen soll. Viele Temporäre würden deshalb «nach der ersten Arbeitsschicht frustriert resignieren und keine weiteren Einsätze mehr annehmen», heisst es da unter Berufung auf eine ehemalige Ingram-Mitarbeiterin.

Eine Zalando-Sprecherin sagt zum ganzen Sachverhalt auf Anfrage, man habe «Sozialstandards etabliert, die für unsere eigenen Logistikzentren und die unserer Partner gleichermassen gelten». Diese Standards basierten auf den Grundsätzen von Wertschätzung, Fairness, Respekt und Offenheit und würden unterschiedliche Aspekte regeln. «Dazu gehören die Bereitstellung von ergonomischen Arbeitsplätzen, gleiche Bezahlung für Angestellte und Zeitarbeiter und Möglichkeiten zur Mitbestimmung für die Mitarbeiter.» Die Einhaltung dieser Standards werde regelmässig von einem unabhängigen Zertifizierungsunternehmen überprüft, so die Zalando-Sprecherin.

Maurizio Minetti

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