Cham
Toshiba-Deal aus dem Jahr 2011 lässt Landis+Gyr tief ins Minus rutschen

Der Zuger Hersteller von smarten Stromzählern litt letztes Jahr unter der Covid-Krise. Im laufenden Jahr erwartet der Konzern Aufholeffekte in Europa – und wieder schwarze Zahlen.

Maurizio Minetti
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Der neue Hauptsitz von Landis+Gyr in Cham.

Der neue Hauptsitz von Landis+Gyr in Cham.

Bild: PD

Das erste Geschäftsjahr von Landis+Gyr (L+G) unter der Leitung des neuen CEO Werner Lieberherr war ein verlustreiches. Der traditionsreiche Zuger Hersteller von intelligenten Stromzählern präsentierte am Mittwoch für die Periode vom 1. April 2020 bis zum 31. März 2021 einen massiven Nettoverlust in der Höhe von 392,4 Millionen US-Dollar. Ein Jahr zuvor hatte L+G noch einen Gewinn von 113 Millionen Dollar ausgewiesen. Auch der um Sondereffekte bereinigte Betriebsgewinn auf Stufe Ebitda lag mit 139,6 Millionen Dollar deutlich unter dem Vorjahreswert von 237,2 Millionen Dollar.

Der Konzern will trotz des Verlustes die Dividende gegenüber dem Vorjahr um 10 Rappen auf 2,10 Franken je Aktie erhöhen. Vor einem Jahr hatte L+G zunächst die Dividende aufgrund der Unsicherheiten wegen der Coronakrise gestrichen, im Herbst dann aber beschlossen, 2 Franken pro Titel auszuschütten.

Der CEO von Landis+Gyr, Werner Lieberherr.

Der CEO von Landis+Gyr, Werner Lieberherr.

Bild: PD

Grund für das Minus ist ein Abschreiber auf einen Goodwill in der Höhe von 396 Millionen Dollar. Der Goodwill bezog sich auf die Übernahme durch Toshiba im Jahr 2011. «Das musste korrigiert werden», sagte CEO Werner Lieberherr dazu an einer Videokonferenz. Zwar befindet sich in den Büchern von L+G nach wie vor ein Goodwill aus dem damaligen Toshiba-Deal, doch Lieberherr erwartet diesbezüglich keine weiteren Abschreibungen. Im laufenden Jahr werde man voraussichtlich unter dem Strich wieder schwarze Zahlen schreiben, sagte der Ostschweizer.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr sank auch der Umsatz um 20,1 Prozent auf 1,36 Milliarden US-Dollar und damit ungefähr so stark wie Anfang Jahr angenommen. Im zweiten Halbjahr lag das Umsatzminus noch bei etwas mehr als 12 Prozent, was von L+G als Hinweis gedeutet wird, dass sich die Situation im Lauf des Jahres gebessert hat. Während das Unternehmen im asiatischen Raum umsatzmässig leicht zulegen konnte, sanken die Umsätze in den Regionen EMEA (Europa, Naher Osten, Afrika) und in Amerika um jeweils über 20 Prozent.

Sparprogramm abgeschlossen

Landis+Gyr hat Ende 2020 seinen Sitz von der Theilerstrasse in Zug in den Gebäudekomplex Helix nach Cham verlegt. Zum Ende des Geschäftsjahres hat L+G zudem das Restrukturierungsprogramm «Hermes» abgeschlossen. Infolgedessen wurde die Mitarbeiterzahl um über 12 Prozent reduziert, was 697 Mitarbeitenden auf allen Ebenen und in allen Regionen des Unternehmens entspricht. Im Rahmen dieses Programms hatte L+G 30 Stellen in Zug gestrichen. CEO Werner Lieberherr gab am Mittwoch zu verstehen, dass bei einem 125 Jahre alten Unternehmen auch ohne Coronakrise von Zeit zu Zeit eine Optimierung nötig ist. Covid-19 habe den Restrukturierungsbedarf beschleunigt. Weitere Sparprogramme seien derzeit nicht vorgesehen.

Für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen einen Umsatzanstieg zwischen 7 und 11 Prozent. Das Wachstum werde vor allem von der Region EMEA getrieben. Lieberherr sprach von einem Aufholeffekt in Europa. In dieser Region habe man letztes Jahr unter den diversen Lockdowns gelitten; zum Teil seien Projekte monatelang blockiert gewesen, insbesondere in dem für das Unternehmen wichtigen britischen Markt. Dieses Jahr will L+G zudem weiter durch Firmenzukäufe wachsen. Bereits in den letzten Tagen und Monaten hat der Industriekonzern mit den Zukäufen der Cybersecurityfirma Rhebo, des Softwareherstellers True Energy und des Anbieters von Elektroauto-Ladestationen Etrel das anorganische Wachstum vorangetrieben.