Chat-App Telegram will nach Zug ziehen: Das sagt Platzhirsch Threema dazu

Die Messenger-App Telegram plant, den Sitz nach Zug zu verlegen. Der Schwyzer Mitbewerber Threema sieht sich dadurch aber nicht bedroht.

Maurizio Minetti
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Chat-Apps wie Whatsapp und Threema sind beliebt. (Bild: Thomas Trutschel/Getty)

Chat-Apps wie Whatsapp und Threema sind beliebt. (Bild: Thomas Trutschel/Getty)

Sie sind die Totengräber der SMS: Chat-Apps wie Whatsapp, Viber oder Line. Der Messenger-Markt ist hart umkämpft und die App-Hersteller überbieten sich ständig mit Erweiterungen und Sicherheits-Merkmalen, die eine Chat-Konversation so sicher wie möglich machen sollen. Einer der grossen Player im Geschäft mit verschlüsselter Kommunikation ist die von den russischen Brüdern Nikolai und Pawel Durow im Jahr 2013 gegründete Telegram-App mit Hauptsitz in Dubai. Insbesondere in autoritär geführten Ländern wie Iran ist der Messenger beliebt.

Nun berichtete die «Handelszeitung» am Donnerstag, dass sich Telegram «stufenweise in der Schweiz niederlassen» wolle. Im Fokus stehe dabei der Kanton Zug, wo Räumlichkeiten geprüft worden seien. Man sei mit kantonalen Wirtschaftsförderern im Gespräch über Arbeitsbewilligungen. Laut den Plänen könnten sowohl der Hauptsitz als auch die Forschung und Entwicklung in der Schweiz angesiedelt werden. Mit der Finanzmarktaufsicht Finma habe es bereits Sondierungsgespräche gegeben, weil Telegram einen Bezahldienst anbieten will. Es gehe offenbar zunächst um rund 35 Stellen.

Bernhard Neidhart, Leiter des Zuger Amts für Wirtschaft und Arbeit, bestätigt auf Anfrage, dass man mit Telegram in Kontakt stehe. Details nennt er allerdings nicht. Laut der «Handelszeitung» sind die Pläne jüngst jedoch ins Stocken geraten, weil die US-Börsenaufsicht SEC eine umstrittene Finanzierungsrunde von Telegram blockiert hatte. Telegram hat sich nicht zum Bericht geäussert.

Auch Wire und Sasera haben ihren Sitz in Zug

Telegram wäre nicht die erste Chat-App aus Zug. So wurde vor drei Jahren die App Sasera in Zug lanciert. «Der Bedarf nach gesicherter Kommunikation nimmt laufend zu, und wir haben insbesondere von Regierungen und grossen globalen Unternehmen eine grosse Nachfrage nach sicheren Kommunikationsmitteln, welche auf der eigenen, firmeninternen Serverinfrastruktur betrieben werden können», sagt Sasera-CEO Davide Pulver.

Auch der von ehemaligen Skype-Mitarbeitern gegründete Messenger-Dienst Wire hat seinen Sitz in Zug. Allerdings sitzt das Wire-Entwicklerteam in Berlin, und die Server stehen ebenfalls nicht in der Schweiz. Befinden sich die Daten im Ausland, gilt gemäss Territorialprinzip das Datenschutzrecht des jeweiligen Landes. Für Kritiker ist Wire deshalb nicht wirklich eine Chat-App mit schweizerischem Sicherheitsstandard.

Ein Vergleich der unabhängigen Plattform Secure Messaging Apps zeigt, dass von zwölf untersuchten Chat-Apps tatsächlich nur eine einzige vollständig unter Schweizer Datenschutz steht: Threema. Die App ist 2012 von den drei Schweizern Martin Blatter, Silvan Engeler und Manuel Kasper lanciert worden. Für Mitgründer Blatter wäre eine Ansiedlung von Telegram keine Bedrohung, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagt: «Im Gegensatz zu Telegram sind wir zu 100 Prozent schweizerisch. Ausserdem fokussieren wir uns mit Threema Work auch besonders auf die Bedürfnisse von Unternehmen, Behörden und Organisationen.»

Threema: «Wir wollen die sichersten sein»

Threema beschäftigt aktuell am Hauptsitz im schwyzerischen Pfäffikon 17 Personen: «Wir betreiben zwei eigene Serverstandorte im Grossraum Zürich», sagt Blatter. «Die gesamte Entwicklung und der Betrieb erfolgen durch uns selbst in Pfäffikon. Threema befindet sich vollständig im Besitz der Gründer und ist unabhängig und selbstfinanziert», sagt er. Einnahmen generiert Threema mit App-Verkäufen und Abonnementen.

Die Firmen-Version von Threema zählt derzeit zwei Millionen Nutzer. Zu den Kunden gehören Konzerne wie Daimler oder Bosch, aber auch Spitäler, Schulen, Nichtregierungsorganisationen oder Behörden wie die Schweizerische Bundesverwaltung. Privatnutzer zählt Threema aktuell rund sechs Millionen. Zum Vergleich: Telegram hat mehr als 300 Millionen Nutzer, die Nummer eins Whatsapp gar 1,6 Milliarden. Für Blatter ist der Grössenvergleich aber nicht entscheidend, wie er sagt: «Wir wollen nicht die Grössten, sondern die Sichersten sein.»

Kein Whatsapp für geheime Inhalte

Der Bund setzt künftig für vertrauliche Kommunikation auf den Schweizer Messenger-Dienst Threema. Dennoch bleibt Whatsapp teilweise auch für Bundesangestellte erlaubt.
Yann Schlegel