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Chef der Luzerner Pensionskasse PKG hört auf – sein grösster Ausbau kostete 2 Franken

Jean Wey hat sich 29 Jahre lang für die Luzerner Gemeinschaftsstiftung PKG um Pensionskassengelder gekümmert. Jetzt geht er selber in Pension
Rainer Rickenbach
Geht nach fast drei Jahrzehnten bei der PKG in Pension: Jean Wey. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 16. Juli 2019)

Geht nach fast drei Jahrzehnten bei der PKG in Pension: Jean Wey. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 16. Juli 2019)

Als die Luzerner Pensionskasse PKG vor ihrem grössten Wachstumsschub stand, fehlte dem Geschäftsleiter Jean Wey das ­nötige Kleingeld dafür. Das ist wörtlich zu verstehen. Denn bevor die Luzerner Gemeinschaftsstiftung 2004 die Sammeleinrichtung Providentia übernahm, die sich aus dem BVG-Geschäft weitgehend zurückzog, war ein symbolischer Kaufpreis von einem Franken vereinbart worden. Bei der offiziellen Vertragsunterzeichnung in Basel geriet Wey indes in Verlegenheit, weil sich kein Einfränkler in seinem Portemonnaie fand. Also musste er den Übernahmepreis mit einem Zweifränkler begleichen.

Für die zwei Franken wechselten nicht weniger als 400 Firmen mit rund 5000 Versicherten und einem Anlagevermögen von rund 350 Millionen Franken von der Mobiliar-Tochtergesellschaft Providentia zur PKG. Zu einer Zeit, als die Schockwirkungen der geplatzten Internetblase die Finanzmärkte durchschüttelten. «Für uns kam der Deal einer Verdoppelung von Kunden und Versicherten gleich. Dafür habe ich gerne den doppelten Preis bezahlt», sagt Wey (65) heute schmunzelnd.

Heute sind der Gemeinschaftseinrichtung nahezu 40'000 Beitragszahler und Rentner angeschlossen, Letztere machen rund einen Achtel der Versicherten aus. Das Sparvermögen summiert sich auf 7,2 Milliarden Franken (siehe Kasten). Die PKG spielt mit diesen Zahlen in der höchsten Liga der gemeinschaftlichen Vorsorgeeinrichtungen der Schweiz mit.

Motorradtouren 
und Hochsee-Segeln

Wey begann 1990 als Geschäftsführer. Zu betreuen hatte er an seinem ersten Arbeitstag ein Vorsorgekapital von 100 Millionen Franken. 29 Jahre und ein paar Milliarden Vorsorgegeld-Zuflüsse später wird er in zwei Wochen sein Büro räumen und in den Ruhestand treten. Dann hat er mehr Zeit, sich für Motorradtouren auf seine Harley Davidson zu schwingen und für die Prüfung für Hochsee-Segelschiffe zu lernen, für die ihm seine Mitarbeitenden zum Abschied einen Gutschein geschenkt haben. Noch vor Motorradreisen und Segeltörns geht es aber in die Vereinigten Staaten.

Sein Nachfolger Peter Fries hat bereits vor einem Jahr die Geschäftsführung übernommen. Wey: «So gelang es uns, den Übergang fliessend zu gestalten. Ich konnte meine Kenntnisse und die historischen Besonderheiten der Stiftung einbringen. Doch nun ist es an der Zeit, endgültig Platz für die neuen Kräfte zu schaffen.» Es liegt nun an ­ihnen, die Reputation der Gemeinschaftsstiftung weiter zu pflegen. Wey hat als Mitglied des Vorstandes beim Schweizerischen Pensionskassenverband und verschiedener Stiftungs- und Verwaltungsräte sehr viel zum guten Ruf der PKG beigetragen. Seine Stimme hat bei den Akteuren der zweiten Säule schweizweit Gewicht.

Die PKG arbeitet, anders als die Sammelstiftungen der grossen Versicherungen, nicht gewinnorientiert. Die Mitglieder der Geschäftsleitung beziehen Löhne, Gewinnabschöpfungen gibt es keine. «Bei uns werden auch keine renditeabhängigen Boni ausbezahlt. Denn sie schaffen falsche Anreize», sagt Wey. Das käme bei den Versicherten vermutlich auch schlecht an. Sie arbeiten alle in kleinen und mittelgrossen Betrieben mit durchschnittlich 20 Mitarbeitenden.

Die PKG ist dem Wettbewerb ausgesetzt. Darum arbeitet sie mit Maklern zusammen, welche für Dienstleistungen und neue Kunden entschädigt werden. Die PKG ist aber seit vielen Jahren wählerisch bei der Aufnahme von Unternehmen. Abschlägigen Bescheid erhalten unter anderem Firmen mit hohem Rentneranteil, ungünstiger ­Altersstruktur oder schlechtem Risikoverlauf. Wey: «Nein zu ­sagen ist zwar oft schmerzlich und brachte uns zuweilen den Vorwurf ein, Rosinenpicker zu sein. Doch die Absagen geschahen mit Rücksicht auf unsere bestehende Kundschaft. Wir wollen die gemeinsame, stabile Struktur nicht verwässern.»

Auch bei der PKG gibt es künftig weniger Rente

So stabil die PKG auch dasteht – die historische Tiefzinsphase gepaart mit der steigenden ­Lebenserwartung hinterlassen auch bei ihr schmerzhafte Spuren. Zurzeit ist die Gemeinschaftseinrichtung dabei, mit der Senkung des technischen Zinssatzes den Umwandlungssatz schrittweise von 6,2 Prozent (2018) auf 5,4 Prozent (2022) zu senken. Konkret bedeutet das für die Neurentner: Statt 6200 Franken pro 100'000 Franken gespartes Kapital erhalten sie als Jahresrente in drei Jahren nur noch 5400 Franken für die gleiche Summe. Nur die wenigsten von ihnen bekommen von ihren Arbeitgebern zusätzliches Geld auf das Sparkapital einbezahlt, um die Abwärtsbewegung etwas abzufedern. «Das können sich viele KMU gar nicht leisten», so Wey. «Wir haben die Senkungen aber aus Gründen der Fairness und des Vertrauens jeweils frühzeitig angekündigt, damit sich die Versicherten darauf einrichten und entsprechend planen können. Negative Reaktionen blieben weitgehend aus.»

An den tieferen Neurenten habe kein Weg vorbeigeführt. «Nur so gelingt es uns, die systemfremde Umverteilung von den Berufstätigen zu den Rentnern auf ein erträgliches Mass einzuschränken», so Wey.

Sollte aber der Kompromissvorschlag des Arbeitgeberverbandes und des Gewerkschaftsbundes in drei Jahren Tatsache werden, wird die Umverteilung in den Pensionskassen sogar ­institutionalisiert. Denn er sieht vor, Neurentnern einen Zustupf von 200 Franken als Ausgleich zur Senkung des Mindestumwandlungssatzes zu gewähren. Der befristete Rentenzuschlag wird zum Teil über höhere AHV-Lohnabzüge bei den ­Berufstätigen finanziert. «Die Reform widerspricht dem Drei-Säulen-Prinzip. In der zweiten Säule sparen die Versicherten für sich selbst. Die Abkehr von diesem Prinzip kommt einem Dammbruch gleich und wird das erfolgreiche Drei-Säulen-Prinzip vermehrt in Frage stellen», ärgert sich Wey.

Gleichzeitig bringt er aber mit Blick auf die zwei gescheiterten BVG-Reformen Verständnis für die Akteure auf. «Zum andern stellt die Reform immerhin einen Fortschritt dar. Denn ein Verharren im Status quo wäre wegen der Dringlichkeit neuer Lösungen die noch schlechtere Lösung.»

Stiftungskapital von 7,2 Milliarden Franken

(rr) Der 1972 in Luzern gegründeten Gemeinschaftsstiftung PKG sind 1684 kleinere und mittelgrosse Unternehmen mit 34605 angestellten Beitragszahlern angeschlossen. 4763 Personen beziehen ihre Rente bei der PKG. Ihr Stiftungskapital beziffert sich auf 7,2 Milliarden Franken. Sie zählt zu einer der grössten Sammelstiftungen der deutschsprachigen Schweiz. Der Deckungsgrad lag im März bei 110,3 Prozent. Inzwischen dürfte er höher liegen, denn nach dem schlechten Anlagejahr 2018 erzielte die PKG im ersten Semester dieses Jahres eine Rendite von 7,78 Prozent. 31 Prozent des Sparkapitals sind in Frankenobligationen ­angelegt, 16 Prozent in Fremdwährungsobligationen. Der Aktienanteil beträgt 29 Prozent, die Immobilien real und in Fonds machen 19 Prozent aus. Auf ­alternative Anlagen entfallen 5 Prozent. 90 Prozent der Anlagen sind in Franken abgesichert. Im vergangenen Herbst zog die PKG von der Zürichstrasse in Luzern an die Ringstrasse 37 in Kriens um. In der Geschäftsstelle sind 30 Mitarbeitende beschäftigt.

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