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Novartis-Chefjurist nimmt den Hut

Beim Pharmakonzern Novartis kommt es nach der Zusammenarbeit mit einem Anwalt von US-Präsident Donald Trump zu personellen Konsequenzen. Topmanager Felix Ehrat tritt zurück – er hat den Deal mitverantwortet.
Andreas Möckli
Felix Ehrat (links) während der Novartis-Generalversammlung im Frühjahr. (Bild: Anthony Anex/Keystone (Basel, 2. März 2018))

Felix Ehrat (links) während der Novartis-Generalversammlung im Frühjahr. (Bild: Anthony Anex/Keystone (Basel, 2. März 2018))

Die Affäre rund um die Zahlung von Novartis an Trump-Anwalt Michael Cohen fordert ein erstes Opfer. Chefjurist Felix Ehrat tritt per Ende Monat zurück. Er zieht damit die Konsequenzen aus dem peinlichen Fall, den Novartis seit einer Woche in Atem hält. Der Vertrag mit Cohen, obwohl juristisch nicht zu beanstanden, sei ein Irrtum gewesen, lässt sich der 61-Jährige in einer Mitteilung zitieren. «Als Mitunterzeichner mit unserem damaligen CEO Joe Jimenez übernehme ich mit diesem Entscheid persönlich Verantwortung, um die öffentliche Debatte darüber zu beenden.»

Ehrats Nachfolgerin ist die Amerikanerin Shannon Klinger. Dies ist insofern brisant, weil sie in der Zeit, als der Vertrag mit Cohen abgeschlossen wurde, Chefin der Bereiche Ethik, Risiko und Compliance war. Bei Letzterem wird in einem Unternehmen vor allem überwacht, ob Gesetze, Regulierungen und interne Richtlinien eingehalten werden. Die Aktionärsvereinigung Actares ­reagierte enttäuscht auf die ­Ernennung Klingers. Die Amerikanerin sei selber ins Zwielicht geraten, da sie Berichten zufolge bei der Zahlung an Cohen an vorderster Front gewesen sei.

Novartis bezeichnet dies als Fehlinformation. Der Pharmakonzern betont, dass Klinger in keiner Weise in die Entscheide rund um das Engagement Cohens involviert gewesen sei. Die 46-Jährige habe eine ausgewiesene Erfolgsbilanz als starke Vordenkerin, auch dank ihres Engagements für Ethik und Integrität.

Ex-Chef äussert sich

Auch wenn Klinger nicht in den Entscheid involviert war, wirft dies doch die Frage nach der Rolle der obersten Ethik- und Risikochefin auf. Für Monika Roth, Rechtsprofessorin und Compliance-Spezialistin ist es zwar glaubhaft, dass Klinger nicht einbezogen wurde. Dass dies beim Basler Konzern nicht geschah, erachtet Roth aber als Fehler. «Für mich ist klar, dass es sich hier nicht einfach um einen ­gewöhnlichen Beratervertrag ­gehandelt hat.» Ganz offensichtlich habe sich Novartis Zugang zu Trump und seinen Plänen ­sichern wollen.

Möglicherweise sei es den Verantwortlichen nicht bewusst gewesen, dass es sich hier um einen heiklen Deal handle, obwohl das eigentlich offensichtlich sei. «Denkbar ist aber auch, dass Klinger bewusst nicht einbezogen wurde, weil man kritische Fragen zum Vertrag vermeiden wollte», sagt Roth. Inzwischen hat sich auch Ex-Chef Joe Jimenez zum Fall geäussert. Cohen sei ihm zunächst nicht bekannt gewesen, sagte er in einem Interview mit Bloomberg TV. Er sei Novartis als eine Person vorgestellt worden, die «uns helfen kann». Wer Cohen vermittelt hatte, sagte Jimenez nicht. Nachdem sein Team Cohen persönlich getroffen habe, sei klar ­geworden, dass er seine Fähigkeiten zu teuer verkauft habe. Novartis hätte Cohen vertiefter überprüfen sollen, sagte Joe ­Jimenez weiter.

Es sei ein Fehler gewesen, dass man den Vertrag mit ihm nach dem ersten Treffen nicht gleich gekündet habe. Eigentlich war dies ursprünglich der Plan gewesen, doch fürchtete Novartis, die Rechtskosten aufgrund der Vertragsauflösung wären höher gewesen als die vereinbarte Summe von 1,2 Millionen Dollar.

Der letzte Schweizer geht

Der neue Novartis-Chef Vas ­Narasimhan ging an einer Konferenz mit Investoren in Basel ebenfalls auf den Fall ein. «Wir haben uns auf eine Reise begeben, um das Vertrauen der Gesellschaft zurückzugewinnen», sagte er. Es dürfe nie der Fall sein, dass Novartis seine finanziellen Ergebnisse erreiche, weil man bei den ethischen Werten Kompromisse eingegangen sei.

Novartis habe bereits verschiedene Schritte unternommen und werde diese jetzt noch konsequenter verfolgen. Dazu gehören etwa ein unabhängiger Ethikrat und eine neue Chefin für die interne Aufsicht, die von Roche zu Novartis wechselt.

Mit Ehrat verlässt der letzte Schweizer die Konzernleitung von Novartis. Im März ging bereits André Weiss, der die Sparte Novartis Business Services leitete und als Schweiz-Chef amtete. Ehrat, der seit 2011 in der Konzernleitung sass, vertrat Novartis in verschiedenen Wirtschaftsverbänden wie Economiesuisse oder SwissHoldings. Wer den Pharmakonzern künftig in diesen Gremien vertrete, werde zu gegebener Zeit kommuniziert, sagt ein Sprecher.

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