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CHEMIE: Die erste Angriffswelle ist verpufft

Der geplante Zusammenschluss der beiden Chemiekonzerne Clariant und Huntsman begeistert nicht alle Investoren. Die Opposition vermochte die Fusion bislang erstaunlich wenig zu behindern.
Daniel Zulauf
Clariant-CEO Hariolf Kottmann (links) und Huntsman-Präsident und CEO Peter R. Huntsman. (Bild: Siggi Bucher/Keystone (Zürich, 22. Mai 2017))

Clariant-CEO Hariolf Kottmann (links) und Huntsman-Präsident und CEO Peter R. Huntsman. (Bild: Siggi Bucher/Keystone (Zürich, 22. Mai 2017))

Daniel Zulauf

«Der perfekte Deal zur perfekten Zeit», schwärmte Clariant-Chef Hariolf Kottmann, als er am 22. Mai den Plan zur Fusion des Chemiekonzerns mit dem texanischen Mitbewerber Huntsman bekanntgab. «Ich könnte nicht enthusiastischer sein», schwelgte auch Peter Huntsman, der in dem Fusionskonzern als CEO vorgesehen ist und sich die Führungsarbeit mit dem für das Verwaltungsratspräsidium bestimmten Kottmann teilen will.

Doch bald keimte der Verdacht auf, dass viele Investoren die Vorfreude der beiden Ma­nager gar nicht teilen. Jedenfalls traten kurz nach der Heiratsankündigung zwei amerikanische Hedgefonds auf den Plan, die nichts Gutes an dem Vorhaben erkennen wollten. Die beiden in gegenseitiger Absprache handelnden Investoren vertreten die Auffassung, der Baselbieter Spezialchemiehersteller könne ohne Zusammenschluss mit Huntsman weit mehr Wert für seine Aktionäre schaffen.

Zwar lassen die Manager der beiden Fonds offen, wie dieser Shareholder-Value genau kreiert werden soll. Aber mit dem Kauf von gut 10 Prozent aller Clariant-Aktien, die aktuell einen Wert von mehr als 700 Millionen Franken aufweisen, haben sie ihrer Überzeugung doch ziemlich deutlich Nachdruck verschafft.

Aktie um 3 Prozent gestiegen

Doch im Finanzmarkt scheinen die Rufe der Hedgefonds-Manager trotz kräftiger Unterstützung hiesiger PR-Berater bislang kaum gehört zu werden. Die Clariant-Aktien sind seit dem 20. Mai, also unmittelbar vor der Fusionsmeldung, weniger als 3 Prozent gestiegen. Und gleichzeitig sind auch die an der New Yorker Börse gehandelten Huntsman-Titel nicht abgestürzt – die Papiere haben sich stattdessen um 3,5 Prozent verteuert.

Hedgefonds-Manager erhoffen sich mehr Hektik, wenn sie ihre Positionen aktiv in die Öffentlichkeit tragen. Nicht selten erreichen sie ihr Ziel. Oft ist in solchen Fällen ein sogenannter Trittbrettfahrer-Effekt zu beobachten: Drittinvestoren folgen dem Halali des «Leithammels» und kaufen in der Hoffnung auf eine überraschende Wendung selber mehr Aktien dazu. Als Folge davon steigt der Aktienkurs, was alle anderen Aktionäre erfreut. Das gestiegene Kursniveau bildet dann gleichsam eine neue Basis für eine Unternehmenstransaktion. Eine Rückkehr zum Ausgangspunkt ist in diesen Situationen für das Management kaum mehr möglich.

Im Fall von Clariant-Huntsman dürften die Hedgefonds-­Investoren in der Tat auf einen solchen Trittbrettfahrer-Effekt gehofft haben. Nach einem heftigen Kursanstieg, der die von den beiden Firmen versprochenen strategischen und kostenmässigen Vorteile der Fusion potenziell hätte verblassen lassen, hätte sich das Management nur noch schlecht gegen einen Shareholder-Value rettenden Befreiungsschlag stellen können.

Als «Befreiungsschlag» wäre in diesem Szenario insbesondere eine Übernahmeofferte von dritter Seite denkbar. Clariant wird in den einschlägigen Börsenkreisen schon seit zwei Jahren immer wieder als Übernahmekandidat gehandelt. Kottmann gab sich bisher aber alle Mühe, potenziellen Kaufinteressenten derlei Ideen schon im Frühstadium aus dem Kopf zu schlagen. In Interviews erklärte er mehrfach: «Wir wollen nicht übernommen werden.» Und feindliche Übernahmen unter Chemiefirmen seien höchst unüblich, da man sich gegenseitig gut kenne.

Andreas Heine, Chemieanalyst beim Frankfurter Wertschriftenmakler Mainfirst, hält das Vorpreschen eines Konkurrenten zumal aus Europa für wenig wahrscheinlich und, bezogen auf die schon mehrfach genannte deutsche Evonik, sogar für ganz unwahrscheinlich. «Clariant ist eine attraktive Braut, aber sie hat ein Portfolio, das in dieser Breite zu keinem europäischen Mitbewerber passt», sagt er. Eine Übernahme würde deshalb eine komplexe und nicht risikofreie Restrukturierung zwingend nötig machen.

«Diese Komplexität schreckt potenzielle Kaufinteressenten ab», sagt Heine. «Zudem liegt die aktuelle Clariant-Betriebsgewinnmarge mit 15 Prozent unter den Anforderungen von 18 bis 20 Prozent, die Evonik an sich selbst stellt.» Auch Lanxess-Chef Matthias Zachert zeigt sich von der Aussicht auf eine Clariant-Akquisition nicht gerade elektrisiert: Angesprochen auf die Möglichkeit eines solchen Deals, erklärte er kürzlich im Interview, Lanxess brauche keine Übernahme, um grösser zu werden.

Vorbehalt bei Huntsman-Aktionären

Nach dem aktuellen Fusionsplan sollen die Clariant-Aktionäre 52 Prozent und die Huntsman-Eigner 48 Prozent an der neuen Fusionsgesellschaft erhalten. Möglicherweise wären die oppositionellen Clariant-Aktionäre mit einem höheren Anteil zufriedenzustellen. Doch eine solche Forderung könnte das labile Gleichgewicht der Clariant-Huntsman-Formel stören.

Tatsächlich gibt es auch unter den Minderheitsaktionären von Huntsman Stimmen, die sich in der geplanten Transaktion übervorteilt vorkommen. Die Kritiker auf der Huntsman-Seite monieren, die Abspaltung eines Teils des Farbengeschäfts unter dem Namen Venator müsste vor dem Zusammenschluss vollständig umgesetzt werden, damit der Erlös allein den Huntsman-Aktionären zukomme.

Der Fusionsplan sieht aber vor, dass die Abspaltung erst nach der Fusion vollständig vollzogen wird, womit die Huntsman-Aktionäre einen Teil des Erlöses mit den Clariant-Aktionären teilen müssten. Mit Blick auf den hochkomplexen Interessenausgleich zwischen den beiden Chemiefirmen in Texas und in Muttenz sagt Philipp Gamper, ­Finanzanalyst der Züricher Kantonalbank: «Die Fusion ist viel besser aufgesetzt, als die oppo­sitionellen Clariant-Aktionäre glauben machen wollen.»

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