Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Chinesische Touristen: Delle in
der Gästezahl zeichnet sich ab

Chinas Wirtschaft schwächelt. Dies dämpft vorübergehend die Reiselust der Bevölkerung. Zu spüren bekommen dies wiederum die Zentralschweizer Uhrengeschäfte und Bergbahnen.
Rainer Rickenbach
Nach den indischen Gästen sind die Chinesen die häufigsten Touristen auf dem Titlis. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, 31.Mai 2018)

Nach den indischen Gästen sind die Chinesen die häufigsten Touristen auf dem Titlis. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, 31.Mai 2018)

In der Zeit des chinesischen Neujahrs machten die auf Touristen spezialisierten Uhren- und Schmuckgeschäfte in der Stadt Luzern rund 10 Prozent weniger Umsatz als noch vor einem Jahr. Ursache dafür sei in erster Linie die Zurückhaltung der Gäste aus China, sagt der Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren. Die Februarzahlen der Hotel-Logiernächte liegen zwar noch nicht vor. Doch auch dort rechnen die Touristiker mit weniger Ausgaben für Übernachtungen durch Gäste aus Fernost. Die Neujahrsfeierlichkeiten im Reich der Mitte gingen in der ersten Februarhälfte über die Bühne. Sie haben als Reisesaison zwar nicht mehr die herausragende Bedeutung wie noch vor ein paar Jahren, doch gelten sie für das Tourismusgeschäft in der Volksrepublik noch immer als wichtiger Frühindikator.

Es war eine Delle mit Ansage. «Schon im Herbst warnten uns die chinesischen Reiseveranstalter, die Nachfrage nach Europareisen stagniere zurzeit», sagt Norbert Patt, Direktor der Titlisbahnen in Engelberg.

Wachstumsschwäche hemmt Konsumlust

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten gelten als Hauptgrund für die sich abflauende Reiselust. Der Handelszwist mit den USA und hausgemachte Probleme setzen der chinesischen Wirtschaft zu. Zumindest kurzfristig rechnet die Führung in Peking mit einem stagnierenden Wirtschaftswachstum und mit einer launenhaften Konsumlust. Es ist indes nicht das erste Mal, dass sich in China Europareisen weniger gut verkaufen als erwartet. Vor drei Jahren liessen die Furcht vor Terroranschlägen und neue, aufwendige Schengen-Visabestimmungen zahlreiche Chinesen Europa links liegen. Seither stagniert die Zahl der chinesischen Hotelgäste in der Zentralschweiz (inklusive Stadt Luzern) bei gut einer halben Million. Auch Auswertungen ohne die Stadt Luzern zeigen eine Stagnation an (siehe Grafik).

Eine halbe Million Touristen unternehmen zudem jährlich einen Tagesausflug in die Umgebung des Vierwaldstättersees von Zürich oder dem nahen Ausland aus. In der Region bilden die Chinesen die grösste ausländische Touristengruppe. Nur in der Stadt Luzern werden sie noch von den US-Amerikanern getoppt. Dass die Chinesen wie vor 25 Jahren die Japaner sich ab nun nur mehr spärlich in Europa sehen lassen, glaubt man bei den Tourismus-Fachleuten nicht. «Es handelt sich um eine vorübergehende Erscheinung, um ein Zwischentief», sagt Perren. Stefan Schulthess von der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) ergänzt: «Es gibt keinen Grund, nervös zu werden. Das Wachstum flacht sich nur vorübergehend etwas ab.» Dafür spricht vieles: Erst jeder zehnte der 1,4 Milliarden Chinesen in der Volksrepublik besitzt überhaupt einen Reisepass und nur 9 Prozent der Auslandreisenden zieht es nach Europa. Bemerkenswert sind auch die Veränderungen des Reiseverhaltens im bevölkerungsreichsten Land der Welt: Gruppen- und Einkaufstourismus gelten bei den chinesischen Reiseveranstaltern als Auslaufmodelle; Kleingruppen, Einzelreisen und Aktivferien als Angebote der Zukunft (siehe Kasten).

Titlisbahnen machen beim Dumpinggeschäft nicht mit

Den meisten Tourismusanbietern in Europa kommt diese Entwicklung gelegen. «Wir bleiben unserer Strategie treu und lassen uns nicht auf Dumpingpreise für Gruppen ein, wie es viele andere Bahnen tun. Das Bergerlebnis hat seinen Preis», sagt Patt von den Titlisbahnen. Etwa 15 bis 20 Prozent ihrer Passagiere stammen aus China. Noch grosser ist indes der Anteil an Indern.

«Der indische Markt verhält sich aber komplett anders als der chinesische. Sie lassen sich nicht vergleichen.»

Auf den Schiffen der SGV machen die Chinesen weniger als 10 Prozent der Passagiere aus. Vor allem die kurzen Fahrten im Luzerner Seebecken stehen bei vielen Gästen aus dem Fernen Osten auf dem Programm. Schulthess: «Der asiatische Markt bietet weiterhin grosse Wachstumschancen. Wenn die Chinesen vermehrt auch individuell unterwegs sind, ist das eine Chance für uns alle. Der schweizerische und viele andere europäische Märkte hingegen sind gesättigt.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.