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CHINA: Für Uhrenhändler in Honkong sind die goldenen Jahre vorbei

Die Schweizer Uhrenindustrie wächst in ihren beiden wichtigsten Märkten China und Hongkong zwar wieder. Der Superboom wird aber nicht zurückkehren – die Konsumgewohnheiten haben sich geändert.
Felix Lee, Hongkong
Die Uhrenläden in Hongkong bleiben abends immer öfter ohne Kundschaft.Bild: Felix Lee (Hongkong, 20. März 2017)

Die Uhrenläden in Hongkong bleiben abends immer öfter ohne Kundschaft.Bild: Felix Lee (Hongkong, 20. März 2017)

Felix Lee, Hongkong

wirtschaft@luzernerzeitung.ch

Lilly Kwok findet die Entwicklung gut. «Endlich gibt es nicht mehr nur Uhrengeschäfte», sagt die 39-jährige Hongkongerin. Causeway Bay, das lebhafte Geschäftsviertel in der Nähe ihres Arbeitsortes, sei in den letzten Jahren besonders betroffen gewesen. Jedes zweite Geschäfte habe Luxusuhren, Schmuck oder Edelkosmetik verkauft – Läden, die mit ihren vielen funkelnden Schaufenstern zwar schön anzusehen waren, für ihren Alltag aber ohne Belang blieben. «Jetzt entstehen hier hoffentlich endlich wieder Geschäfte und Restaurants für Normalsterbliche», sagt Kwok.

Die Schweizer Uhrenindustrie verbuchte 2016 weltweit einen Umsatzrückgang. Die drittgrösste Exportindustrie der Eidgenossenschaft musste einen Einbruch um fast 10 Prozent auf 18,3 Milliarden Franken hinnehmen. Nirgendwo war der Einbruch jedoch so sehr zu spüren wie in der südchinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong – bis vor zwei Jahren einer der umsatzstärksten Märkte für Schweizer Luxusuhrenmarken. In der ehemaligen britischen Kronkolonie brach das Geschäft um mehr als 25 Prozent ein. Allein der Swatch-Konzern, mit Marken wie Breguet, Blancpain, Longines, Rado und Omega der Weltmarktführer, musste einen Gewinneinbruch um fast die Hälfte auf 593 Millionen Franken hinnehmen.

Läden schliessen abends früher

Zwar betonte Swatch-Konzernchef Nick Hayek im Vorfeld der am Donnerstag beginnenden Baselworld, dem wichtigsten Branchentreff der Schweizer Uhrenindustrie, dass sich der Markt seit Jahresbeginn erhole. Die Situation in Hongkong habe sich in den vergangenen Monaten normalisiert. Dort sind die Auswirkungen des Einbruchs aber auch weiterhin unmittelbar zu spüren.

In Hongkonger Geschäftsvierteln wie Causeway Bay oder Tsim Sha Tsui auf der gegenüberliegenden Hafenseite reihten sich vor kurzem noch ein Uhren- und Schmuckgeschäft an das andere. Vor allem an Wochenenden waren sie bis spätabends voll mit spendierfreudigen Einkaufstouristen vom chinesischen Festland. Nun sind viele dieser Geschäfte selbst an einem Samstag leer. Einige Läden haben schon in den frühen Abendstunden geschlossen. «Wir haben zwei harte Jahre hinter uns», bestätigt ein Hongkonger Uhrenhändler. In seinem Lagerraum türme sich unverkaufte Ware. Viele Uhren habe er bereits zurück in die Schweiz schicken müssen. Und er blickt auch wenig zuversichtlich in die Zukunft. «Die goldenen Jahre sind für uns vorbei.»

Allerdings jammern die Uhrenhändler auf hohem Niveau. In den 15 Jahren zwischen 1997 und 2013 hatte sich der Grossraum China zum weltweit umsatzstärksten Markt für die Schweizer Luxusuhrenindustrie entwickelt. Zweistellige Wachstumsraten waren die Regel, in einigen Jahren gar bis zu 80 Prozent. Die Geschäfte auf dem chinesischen Festland dienten vor allem als Showroom. Gekauft wurde in Hongkong. Denn in der südchinesischen Sonderverwaltungszone wird keine Mehrwertsteuer erhoben. Anders als in der Volksrepublik gibt es in Hongkong auch keine Luxussteuer. Die Kundschaft vom chinesischen Festland kam über die Grenze und kaufte meist nicht nur eine Luxusuhr, sondern verliess die Geschäfte oft mit Dutzenden Exemplaren. Dieses Kaufverhalten findet sich nur noch selten.

Für den grossen Einbruch im Uhrengeschäft sorgte die Antikorruptionskampagne, die der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping kurz nach seinem Amtsantritt 2013 ausgerufen hatte. Schweizer Edeluhren wurden zum Inbegriff für Korruption.

Eine internetaffine Jugend machte es sich zum Volkssport, korrupte Beamte und Parteisekretäre zu entlarven. Die Kalkulation der selbst ernannten Korruptionsjäger: Das durchschnittliche Jahreseinkommen eines chinesischen Beamten selbst im gehobenen Dienst liegt bei unter 80000 Yuan (rund 11500 Franken). Wer trotzdem eine teure Uhr für 17000 Franken und aufwärts trägt, macht sich entsprechend verdächtig. Schätzungen zufolge wurden Tausende auf diese Weise der Korruption überführt. Hinzu kommen allerdings auch sich verändernde Konsumgewohnheiten in China. Nach Jahrzehnten des Steinzeitkommunismus und der Mangelwirtschaft schmückte sich die erste Generation der zu Geld gekommenen Elite gern mit hochpreisigen Statussymbolen. Für sie stand eine teure Schweizer Uhr dafür, es aus der Armut geschafft zu haben. «Die jungen Leute von heute haben aber eine völlig andere Vorstellung von Luxus als noch ihre Elterngeneration», sagt der Pekinger Konsumexperte Jesse Chang. Sie gibt lieber Geld aus für Weltreisen, eine gute Ausbildung ihrer Kinder oder eine teure Wohneinrichtung.

Zu lange Wartezeiten bei Reparaturen

Doch das sind nicht die einzigen Gründe, warum das einst boomende Luxusuhrengeschäft in China und Hongkong nicht mehr rund läuft. Ein Problem ist hausgemacht: Wie aus Kreisen des Verbands chinesischer Uhrenhändler zu hören ist, beklagen viele Uhrenhändler schon seit Jahren den aus ihrer Sicht «mangelhaften Kundendienst» der Schweizer Uhrenhersteller nach dem Kauf.

Der Armbandwechsel einer Schweizer Luxusuhr etwa dauere in China bis zu einem halben Jahr. In einem Land, in dem der Onlinehandel boomt und die Kundschaft es gewohnt ist, dass bestellte Ware schon wenige Stunden nach Bestellung eintrifft, stossen diese langen Bearbeitungszeiten auf Unverständnis. So hatte sich die Swatch Group jahrelang geweigert, die chinesischen Uhrenhändler ausreichend mit Ersatzteilen zu beliefern – angeblich, weil sie den Uhrmachern vor Ort nicht trauten und um die Qualität ihrer Marken fürchteten. Hauseigene Werkstätten richteten die Hersteller in China aber auch nicht in ausreichender Zahl ein. Nach Ansicht chinesischer Uhrenhändler haben es die Schweizer Uhrenunternehmer in den letzten Jahren fast allesamt versäumt, ausreichend Uhrmacher auszubilden. Die wenigen Werkstätten kommen den vielen Reparaturanfragen nicht hinterher.

Den Ärger der Konsumenten bekommen wiederum die chinesischen Uhrenhändler zu spüren. Denn auf Uhren von Omega, Breguet oder Rolex bestehen weltweite Garantien; die chinesischen Händler müssen die beanstandeten Exemplare also entgegennehmen. Dabei haben viele Kunden ihre Luxusuhren gar nicht bei ihnen gekauft, sondern wegen der günstigeren Preise bei Händlern in Hongkong, Japan oder gleich in Europa. «Andere machen den Gewinn, wir dürfen das Missmanagement ausbaden», beklagt sich ein Pekinger Uhrenhändler. «Und der Kunde wird immer unzufriedener.»

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