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China steht im Gegenwind

Chinesische Unternehmen drosseln ihre Kauflust in Europa. In der Schweiz kauften sie seit Jahresbeginn sieben Unternehmen oder erwarben namhafte Beteiligungen daran.
Rainer Rickenbach
Ist seit Anfang Jahr in chinesischen Händen: die Schweizer Traditionsmarke Bally. (Bild: Jacobo Raule/Getty

Ist seit Anfang Jahr in chinesischen Händen: die Schweizer Traditionsmarke Bally. (Bild: Jacobo Raule/Getty

Am liebsten langen die chinesischen Firmen in Deutschland und Grossbritannien zu. Dort sind sie schon seit vielen Jahren auf Einkaufstour (Grafik). Von Januar bis Juni dieses Jahres lag vor allem Deutschland im Fokus der Investoren aus dem Reich der Mitte: Von den 15 Milliarden Dollar (14,96 Milliarden Franken), die im ersten halben Jahr in europäische Firmenübernahmen und -beteiligungen flossen, entfielen zwei Drittel auf Deutschland. Der grösste Deal dabei war der Einstieg des Autobauers Geely beim renommierten Daimler-Konzern. Trotzdem: Die Investitionen aus der Volksrepublik in Europa haben sich im Vorjahresvergleich mehr als halbiert. Der Umfang sackte von 32 auf 15 Milliarden Dollar ab. Der Rückgang setzte bereits vor zwei Jahren ein.

Nicht so in der Schweiz: Hier gingen im ersten halben Jahr 7 Übernahmen und Beteiligungen auf das Konto chinesischer Firmen, das sind gleich viele wie im Vorjahr. Diese Zahlen stammen aus einem Report des Unternehmensdienstleisters EY Schweiz.

Bally-Schuhe, Schule und Medizinaltechnologie

Die Chinesen kaufen in der Schweiz quer durch Industriebranchen und Dienstleistungszweige ein. In der Zeit von Januar bis Juni investierten sie in Bally International (Schuhe und Luxusaccessoires), Mercuria Energy Group (Mineralölhandel), Swiss Education Group (Hotelfachschulen), Takeda Chromo (Beteiligungsgesellschaft), Granite Capital (Investments) und Med Alliance (Medizinaltechnologie). Mit 200 Millionen Dollar war der Thurgauer Schubladensystem- und Arbeitsplatzkomponentenhersteller Lista der volumenstärkste Zukauf in der Schweiz. Zahlen zu den andern Engagements liegen noch nicht vor. Einen Anhaltspunkt geben die 773 Millionen Franken, welche die Chinesen im ersten halben Jahr 2017 für damals ebenfalls 7 Transaktionen ausgaben.

Den Abwärtstrend bei den Investitionen in Europa insgesamt führt Yi Sun, Leiterin der China Business Services bei EY, auf verschiedene Ursachen zurück: «Der Gegenwind hat eindeutig zugenommen. Es gibt in der EU teilweise politische Bedenken und die Sorge vor einem Ausverkauf von Know-how.» Die Skepsis blieb nicht ohne Folgen: Der portugiesische Energieversorger EDP zum Beispiel wies ein chinesisches Übernahmeangebot ab, und in Deutschland kam der Einstieg des chinesischen Staatskonzern State Grid bei einem Berliner Stromnetzbetreiber nicht zustande. Umgekehrt wächst bei europäischen Firmen, die in China tätig sind, der Unmut über Marktbarrieren für Ausländer und erzwungenen Technologietransfer. Ihre Klagen sind aktuell auch Thema beim EU-China-Gipfel in Peking.

Chinas Wirtschaft ist im Umbruch

Die Strategie der fernöstlichen Unternehmen ist indes nicht mehr die gleiche wie noch vor ein paar Jahren. «Die chinesische Regierung will die Wirtschaft umbauen. Das Land soll nicht länger die Werkbank der Welt sein, sondern will auch selber Dinge entwickeln und vorantreiben», sagt Brian Mandt, Makroökonom bei der Luzerner Kantonalbank. Die Folge: China investiert kräftig in Informations- und Kommunikationstechnologie oder in die Automatisierung (Robotertechnologie). Der Fokus bei den Zukäufen in Europa und Amerika richtet sich in der Folge mehr auf Firmen, die in diesen Wirtschaftsbereichen angesiedelt sind, und weniger auf herkömmliche Industrieunternehmen wie früher.

Ob der Wandel von «Made in China» zu «Created in China» in kurzer Zeit gelingt, hängt indes auch davon ab, ob sich der von den USA ausgelöste Handelsstreit zu einem veritablen Handelskrieg ausdehnt. Er wirft jetzt schon seine Schatten voraus. «Die Streitigkeiten stellen eine Gefahr für die Investitionsbereitschaft der Unternehmen dar. Sie beeinträchtigen die Stimmung. Das ist bereits sehr gut bei den Unternehmen Europas zu erkennen. Ihre Zuversicht in die künftige konjunkturelle Entwicklung ist getrübt», so Mandt. «Die Verunsicherung führt dazu, dass die Firmen ihre Investitionen zurückschrauben oder verringern – egal, ob es sich um chinesische, amerikanische oder europäische Unternehmen handelt.»

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