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Chinas Handy-Offensive in Europa

Der Grosskonzern Huawei hat sich bereits unter den Topmarken etabliert. Nun kommt mit Oppo ein weiterer Hersteller nach Europa und in die Schweiz – mit grossen Plänen.
Raffael Schuppisser
Ein Anwender begutachtet ein Gerät des chinesischen Mobiltelefonherstellers Oppo. (Bild: Angel Garcia/Bloomberg)

Ein Anwender begutachtet ein Gerät des chinesischen Mobiltelefonherstellers Oppo. (Bild: Angel Garcia/Bloomberg)

In China ist der Name Oppo schon lange bekannt, nun soll er es auch hierzulande werden: Am Mittwoch präsentierte der Smartphone-Hersteller aus dem Reich der Mitte in Zürich seine Pläne für den europäischen Markt. Und diese sind alles andere als bescheiden: «Wir haben die Ambition, die beliebteste Handy-Marke Europas zu werden», verkündete Europa-Chef Vincent Huang vollmundig. Dass die Chinesen für ihre Marketingoffensive in Europa die Schweiz ausgewählt haben, ist mutig und zeigt, wohin das Unternehmen will. In kaum einem anderen Land gibt ein Kunde so viel Geld für ein Smartphone aus. Oppo will kein Billig-Handy-Anbieter sein, sondern mit den Topgeräten von Apple und Samsung mithalten.

Oppo schickt dafür das Modell Reno ins Rennen. Es zeichnet sich durch ein nahezu randloses Display aus. Vor zwei Jahren haben die Hersteller damit begonnen, auf der Front bloss noch ­einen kleinen Spickel, den sogenannten Notch, für die Selfie-Kamera auszusparen. Oppo lässt diesen ganz weg. Die Frontkamera kann per Knopfdruck aus dem Gehäuse gefahren werden. Innerhalb von 0,8 Sekunden ist sie da, wenn man sie braucht. Sonst bleibt sie unsichtbar und stört nicht. Ein Alleinstellungsmerkmal, über das weder Apple noch Samsung verfügt.

Eröffnung eines Schweizer Büros folgt

Einen ersten Coup in der Schweiz hat Oppo bereits vor ein paar Wochen gelandet: Als die Swisscom ihr 5G-Netz lancierte, wurde das Oppo Reno als erstes in der Schweiz erhältliches Gerät mit 5G-Chip vorgestellt. Seither ist klar, dass Oppo auch den Schweizer Markt erobern will. Bereits hat der Hersteller angekündigt, hier auch ein Büro zu eröffnen. Um wie viele Arbeitsplätze es geht, wollen die Verantwortlichen aber noch nicht verraten.

Die Zeit, in der China bloss die Produktionsstätte für Smartphones war, ist vorbei. Die chinesischen Hersteller treten aus dem Schatten von Apple und Samsung, die ihre Geräte ebenfalls dort produzieren, und entwickeln ihre eigenen Smartphones. Allen voran Huawei. Die Firma ist Apple mittlerweile dicht auf den Fersen, wie die folgende Grafik zeigt:

Kurzzeitig hat Huawei die Amerikaner als Nummer zwei in der Branche sogar verdrängt. Dahinter folgen Xiaomi, ebenfalls aus China, und Oppo. Dies, obwohl die Marke bisher fast ausschliesslich in Asien präsent war. Während Samsung und Apple an Marktanteil verlieren, legen die chinesischen Hersteller kräftig zu – teilweise um über 30 Prozent.

Huawei hat bewiesen, dass es möglich ist, als chinesische Firma in den westlichen Markt für Premium-Geräte vorzustossen. Als die Firma 2012 an der Internationalen Funkausstellung in Berlin auftauchte und in einem kleinen Raum in schlechtem Englisch auf Powerpoint-Folien ihre Smartphones präsentierte, wirkte das wie der Vortrag von ein paar unbedarften Schülern. Heute stellt Huawei neue Geräte in gigantischen Shows in New York, London oder Paris vor.

Mehrgleisige Strategie

Die Kooperation mit dem deutschen Traditionsunternehmen Leica wirkte sich nicht nur auf die technische Entwicklung der Kameras aus, sondern polierte auch das Image gehörig auf. Einen ähnlichen Weg wählt Oppo. Beim Design der Geräte arbeiten die Chinesen mit dem Royal College of Arts in London zusammen. Ausserdem sind sie eine Partnerschaft mit der Fotoagentur Magnum eingegangen.

Derzeit fährt Oppo in Europa eine zweigleisige Strategie. In Ländern wie Frankreich, Italien oder Spanien setzt man auf das Mittelklasse-Segment und bietet eine abgespeckte Version des Reno für 500 Euro. In der Schweiz gibt es nur die Deluxe-Variante mit 5G-Chip für stolze 999 Franken. Man wolle sich so der Diversität des europäischen Marktes anpassen, meinte Vincent Huang. Offenbar zählen die Chinesen auf die Schweizer Kaufkraft.

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