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Chinas Wirtschaft leidet

Im Handelsstreit zwischen China und den USA könnte es Bewegung geben. Seit gestern befindet sich eine US-Delegation in Peking. Für China ist eine Einigung bitter nötig.
Felix Lee, Peking
Auf die US-Strafzölle reagierte China seinerseits mit Gegenzöllen auf amerikanische Produkte im Wert von 120 Milliarden Dollar. (Bild: Andy Wong/AP; Peking, 24. September 2018)

Auf die US-Strafzölle reagierte China seinerseits mit Gegenzöllen auf amerikanische Produkte im Wert von 120 Milliarden Dollar. (Bild: Andy Wong/AP; Peking, 24. September 2018)

Wanderarbeiterin Huang Yi traf es wie ein Schlag. Noch vor einem halben Jahr musste sie Überstunden schieben. Sie arbeitet für eine Textilfabrik in der südchinesischen Stadt Dongguan. Die Gegend rund um das Perlflussdelta ist wegen seiner vielen Fabriken als «Werkband der Welt» bekannt. Vor zwei Wochen hat ihr Chef sie in den Zwangsurlaub geschickt, sechs Wochen vor dem chinesischen Frühlingsfest – also genau dann, wenn chinesische Arbeitnehmer normalerweise ihren Jahresurlaub nehmen, um nach Hause aufs Land zu fahren.

Diese persönliche Geschichte verdeutlicht: Der Handelskrieg zwischen der Volksrepublik und den USA hinterlässt seine Spuren. Auch wenn der 27-jährigen Huang Yi keine Gründe genannt wurden, weiss sie doch auch, dass es mit dem Export in China nicht mehr rund läuft.

Bei dem seit Monaten anhaltenden Handelsstreit blickt die Wirtschaftswelt nun auf Peking. Gestern ist eine Handelsdelegation der US-Regierung in der ­chinesischen Hauptstadt eingetroffen, um China mehr Zugeständnisse abzuringen. Offiziell handelt es sich um «Vorgespräche». Die US-Delegation wird denn auch nicht von Robert Lighthizer geleitet, dem eigentlichen Handelsbeauftragten, sondern lediglich von seinem Stellvertreter Jeffrey Gerrish.

Nervöse Finanzmärkte

Auf chinesischer Seite hingegen empfing Vizepremier Liu He, der Chefunterhändler, die US-Vertreter. Chinas Führung will offenbar demonstrieren, welche Bedeutung sie dem Treffen beimisst. Die Unterhändler wollten «aktiv und konstruktiv» diskutieren, teilte das chinesische Handelsministerium in Peking mit. Konkrete Ergebnisse gab es gestern aber noch keine.

Sollte es heute Fortschritte ­geben, könnte es bereits nächste Woche in Washington ein Folgetreffen geben, dann mit Lighthizer. Wie die Hongkonger Zeitung «South China Morning Post» berichtet, würde US-Präsident Donald Trump auf dem Weltwirtschaftsforum in zwei Wochen in Davos «wahrscheinlich» auch mit Chinas Vizepräsidenten Wang Qishan zusammentreffen.

Die Zeit drängt. Donald Trump und sein chinesischer Amtskollege, Staats- und Parteichef Xi Jinping, hatten sich Anfang Dezember am Rande des G20-Gipfels in Buenos Aires auf einen lediglich 90 Tage andauernden «Waffenstillstand» geeinigt. Für eine Einigung bleiben somit nur noch rund 50 Tage. Sollte sie ausbleiben, will Trump auf sämtliche Einfuhren aus China Strafzölle erheben. Das würde einen Warenwert in Höhe von über einer halben Billion Dollar betreffen. Das hätte Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft. Die Finanzmärkte sind bereits sehr nervös.

Trump wirft den Chinesen unfaire Handelsmethoden vor. China würde seine Unternehmen subventionieren, damit sie global die Konkurrenz ausstechen. In der Volksrepublik würden ausländische Unternehmen bei Ausschreibungen hingegen benachteiligt. Auch würden Chinesen das geistige Eigentum nicht achten.

Unsicherheit auf beiden Seiten gross

Der Unterschied zwischen dem, was Amerikaner an China verkauften und was sie einkauften, belief sich allein 2017 auf fast 340 Milliarden Dollar. Trump hat im Sommer bereits Strafzölle auf chinesische Importwaren im Wert von über 200 Milliarden US-Dollar verhängt. Die chinesische Seite reagierte mit Gegenzöllen auf US-Waren im Wert von 120 Milliarden Dollar. Sie sind momentan nur vorübergehend ausser Kraft gesetzt.

Die Unsicherheit in der Wirtschaftswelt ist zwar auf beiden Seiten des Pazifiks gross. Zuletzt mehrten sich aber vor allem in China die Hinweise auf eine Konjunkturabkühlung. So schrumpfte die exportabhängige Industrie der Volksrepublik im Dezember erstmals seit zwei Jahren. Das Bruttoinlandprodukt dürfte 2018 nur noch um rund 6,5 Prozent gewachsen sein, nachdem es 2017 noch zu 6,9 Prozent gereicht hatte. Als Gegenmassnahme hat die chinesische Zentralbank vergangenen Freitag den Mindestreservesatz der Banken gesenkt, um Unternehmen die Kreditaufnahme zu erleichtern. Zudem kündigte Ministerpräsident Li Keqiang Steuersenkungen an.

Donald Trump hingegen zeigte sich am Wochenende siegesgewiss. Die Sonderzölle seien sehr schmerzhaft für China. «Ihre Wirtschaft läuft nicht gut», befand Trump. Das gebe der chinesischen Seite viel Anreiz zu Verhandlungen. Dagegen kassiere der US-Zoll Milliarden Dollar an Abgaben für Importe aus China. Dass diese Einnahmen jedoch letztlich auf Kosten der Verbraucher in den USA gehen, erwähnte er nicht.

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