CKW: Aktionäre werden nicht angehört

Die Verabschiedung des Luzerner Stromversorgers von der Börse ist beschlossene ­Sache. Aktionärsrechtler kritisieren nun aber das Vorgehen des Verwaltungsrates.

Ernst Meier
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Der Stromversorger CKW sieht sich im Zuge der Börsendekotierung mit Kritik einer Aktionärsvereinigung konfrontiert. (Bild Pius Amrein)

Der Stromversorger CKW sieht sich im Zuge der Börsendekotierung mit Kritik einer Aktionärsvereinigung konfrontiert. (Bild Pius Amrein)

Ein hoher administrativer Aufwand und neue gesetzliche Bestimmungen, die steigende Kosten verursachen – der Verwaltungsrat der Centralschweizerischen Kraftwerke (CKW) hat genug von der Börse. Am 25. September gab der Stromversorger bekannt, dass die CKW-Aktien dekotiert werden. Will heissen, dass nach dem letzten Handelstag vom 30. Januar 2015 keine CKW-Aktien mehr über die Schweizer Börse SIX gekauft und verkauft werden können (wir berichteten).

Der Beschluss des Verwaltungsrates erfolgte unter Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften und ist in Anbetracht der genannten Gründe auch erklärbar. Die frei gehandelten CKW-Aktien kommen gerade mal auf einen Wert von 150 Millionen Franken, und über die letzten fünf Monate wurden im Schnitt täglich knapp 400 Aktien mit einem Tagesumsatz von etwas über 100 000 Franken gehandelt – bescheidene Zahlen also. Hinzu kommt, dass mit der Abzockerinitiative die Anforderungen an börsenkotierte Unternehmen nochmals gestiegen sind.

Aktienhandel wird teurer

Trotzdem stösst der eigenmächtige Beschluss des CKW-Verwaltungsrates auf Kritik. So zum Beispiel beim Zuger Aktionärsdienstleister zRating. «Die Publikumsaktionäre sind nicht zur beabsichtigten Dekotierung befragt worden», bemängelt Michael Otte, CEO von zRating. Dabei sei eine Schlechterstellung der Aktionäre durch die Dekotierung offensichtlich. Michael Otte: «Die Aktien können ab dem 1. Februar 2015 nicht mehr frei über die Schweizer Börse SIX gehandelt werden.» Wer seine Anteilsscheine weiter behält und sie später veräussern will, muss dies über die sogenannte OTC-Plattform der Berner Kantonalbank tätigen. «Der Handel solcher nicht kotierten Aktien ist sehr illiquid und wenig transparent. Ein Handelsauftrag kann teuer werden, wenn er für eine grössere Zahl von Aktien über mehrere Tage oder Wochen in kleinen Einzeltransaktionen abgewickelt werden muss», weiss Michael Otte. Die Dekotierung habe für den Aktionär also Nachteile und berge auch Risiken.

Abzockerinitiative wird umgangen

Der Aktienspezialist spricht noch ­einen anderen Aspekt als Folge der Dekotierung an. «Die Verordnung zur Minder-Initiative und die Bestimmungen des Börsengesetzes müssen von den CKW künftig nicht mehr angewendet werden.» Will heissen: Die vom Volk beschlossenen Massnahmen zur Stärkung der Aktionärsrechte und Kontrolle der «Chef-Saläre» fallen weg. «Die Mitbestimmung der Aktionäre bei den CKW wird geschwächt», ist Otte überzeugt.

Bei den CKW heisst es auf unsere Anfrage, dass beim Beschluss zur Dekotierung der Aktien alle rechtlichen Bestimmungen und Kompetenzen eingehalten wurden, wie CKW-Sprecherin Simona Gambini versichert. «Die Dekotierung ist auch eine Massnahme zur Kostenreduktion, was im Sinne aller Aktionäre sein sollte», erklärt Simona Gambini. Die CKW werden auch künftig einen Geschäftsbericht, inklusive Corporate-Governance-Teil, erstellen. «Die Transparenz bleibt somit gewahrt, was ebenfalls ein Anliegen der Minder-Initiative ist», sagt die CKW-Sprecherin.

Traktandum an der GV möglich

Trotz den Beteuerungen empfiehlt zRating-Chef Michael Otte den Aktionären, den Dialog mit der CKW-Führung zu suchen. «Die Aktionäre können ein Traktandierungsbegehren an den Verwaltungsrat stellen, damit die Meinung der Publikumsaktionäre zur Dekotierung widerspiegelt werden kann», sagt Otte. Damit das Thema auf die Traktandenliste der Generalversammlung vom 30. Januar 2015 gesetzt wird, braucht es die Unterschrift von 0,67 Prozent aller Aktionäre. Der Antrag muss bis zum 19. Dezember eingereicht werden. «Als Ultima Ratio könnte ein Aktionär eine Verantwortlichkeitsklage gegen den CKW-Verwaltungsrat prüfen», sagt Michael Otte.