CKW-Chef Martin Schwab: «Wir konnten die Netzkosten senken»

Ein durchschnittlicher Haushalt im CKW-Gebiet zahlt 2019 jährlich rund 120 Franken weniger für den Strom. Den Kunden bietet sich zudem die Wahl zwischen drei verschiedenen Stromprodukten.

Interview: Rainer Rickenbach
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Martin Schwab, neuer CEO der CKW, im Gespräch mit unserer Zeitung. (Bild: Pius Amrein)

Martin Schwab, neuer CEO der CKW, im Gespräch mit unserer Zeitung. (Bild: Pius Amrein)

Martin Schwab, Sie sind seit gut vier Monaten CKW-Chef und senken schon die Preise. Ein durchschnittlicher Haushalt zahlt ab dem kommenden Jahr jährlich etwa 120 Franken weniger für den Strom. Welche Überlegungen stecken hinter der Preissenkung?

Die CKW haben in den zurückliegenden Jahren ihre Kosten gesenkt und die Investitionen angepasst. Die Einsparungen, die sich unter anderem daraus ergeben, wollen wir an unsere Kunden weitergeben. Sie sollen an den Vorteilen der Effizienzsteigerung ihres Stromversorgers teilhaben.

Kommen auch die Kunden der CKW-Tochtergesellschaften in den Genuss von tieferen Strompreisen?

Das entscheiden die Tochtergesellschaften in den Kantonen Uri und Schwyz selber. Unser Versorgungsgebiet umfasst im Wesentlichen den Kanton Luzern ohne die Stadt Luzern.

Wir geben nächstes Jahr den Endkunden 23 Millionen Franken durch tiefere Preise weiter.

Tiefere Strompreise überraschen, da die Branche seit einigen Jahren mit schwindenden Margen zu kämpfen hat. Können sich die CKW das leisten?

Wir konnten die Netzkosten bei sehr hoher Verfügbarkeit senken. In Kombination mit Effizienzsteigerung und tieferen Swissgrid-Kosten geben wir nächstes Jahr den Endkunden 23 Millionen Franken durch tiefere Preise weiter.

Auch Unternehmen werden weniger für den Strom bezahlen. Hatten die Industriefirmen doch recht, die sich vor ein paar Jahren über die Strompreise beschwerten?

Die Auseinandersetzung drehte sich nicht um den Strompreis, sondern in erster Linie um die Frage des Markt­zugangs der Unternehmen. Seit der Strommarkt liberalisiert ist, können Unternehmen mit einem Jahresbedarf von mehr als 100 000 Kilowattstunden ihren Strom bei jedem beliebigen Anbieter in Europa beziehen. Sie bewegen sich seit 2009 im freien Markt. Die Netzkosten hingegen fallen am Standort der Firma an.

Die CKW kündigen für das kommende Jahr zudem auch ein neues Produktportfolio an. Was hat es damit auf sich, und was haben die Kunden davon?

Die CKW vereinfachen das Produktportfolio und die Tarife. Diese sind heute recht kompliziert und für die Kunden nur mit einem gewissen Aufwand nachvollziehbar. Für Privathaushalte bieten wir drei verschiedene Produkte an. Das Standardprodukt ist Classic Strom aus Wasserkraft. Budgetstrom enthält Kernenergie, und Regiostrom beinhaltet Solarstrom aus der Zentralschweiz.

Wie unterscheiden sich die Preise der verschiedenen Stromquellen?

Der Regiostrom ist für einen durchschnittlichen Haushalt rund 15 Prozent teurer als das Standardprodukt Classic Strom. Die Preisunterschiede zeigen wir transparent auf.

Heute reicht der regional produzierte Solarstrom für etwa 7500 Durchschnittshaushalte.

Woher nehmen die CKW den Solarstrom aus der Region, und für wie viele Haushalte reicht er?

Der Solarstrom stammt zum Beispiel von der neuen Fotovoltaikanlage des Fussballstadions Kleinfeld in Kriens. Aber es gibt natürlich zahlreiche andere Anlagen. Je nach Nachfrage lassen die CKW weitere erstellen. Heute reicht der regional produzierte Solarstrom für etwa 7500 Durchschnittshaushalte.

Kritiker lehnen solche Wahlangebote als modernen Ablasshandel ab. Sie sagen, sie würden bloss dem guten Gewissen des Kunden und der Kasse des Energieunternehmens dienen, am Strommix aber änderten sie nichts.

Diese Kritik trifft auf unser Modell nicht zu. Wir produzieren und liefern wirklich erneuerbare Energie aus der Region und erwerben nicht einfach als Feigenblatt Herkunftsnachweise aus dem Ausland. Die Kunden können sogar auswählen, von welchem Panel des Krienser Kleinfeldes sie Strom beziehen. Sie erhalten das zugeteilt, was sie gewählt haben.

Doch aus den Steckdosen der Regio-strom-Kunden kommt der gleiche Strommix wie bei den anderen Kunden.

Physikalisch ja. Doch der Anteil an regionalem Strom erhöht sich mit dem Anteil der Regiostrom-Kunden. Wenn zum Beispiel 10 Prozent der Kundinnen und Kunden sich für Regiostrom entscheiden, müssen auch 10 Prozent der gesamten CKW-Strommenge aus Fotovoltaikanlagen stammen. Wir produzieren davon so viel, wie es die Kunden verlangen. Der Internetvergleichsdienst www.mynewenergy.ch macht zudem deutlich, dass wir den Strom aus den Solaranlagen schweizweit am günstigsten anbieten.

Sie sind nun seit gut vier Monaten Chef der CKW. Was hat Sie am neuen Job am meisten beeindruckt?

Ganz klar das Engagement und die Professionalität der Mitarbeitenden. Das Unternehmen ist sehr gut aufgestellt und verfügt über ein breites Dienstleistungs- und Produktangebot.

Zur Person: Martin Schwab (51) ist seit April Chef des Energieunternehmens Centralschweizerische Kraftwerke (CKW). Zuvor war er Finanzchef bei der CKW-Muttergesellschaft Axpo. Der dreifache Familienvater ist gebürtiger Berner und wohnt im Kanton Luzern.

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