CO2-Ausstoss
Elektroautos gewinnen Marktanteile – doch die Schweizer Neuwagenflotte ist klimaschädlicher als im Rest Europas

Mittlerweile fährt fast jedes zehnte hierzulande verkaufte Auto elektrisch. Doch im europaweiten Vergleich schneidet der hiesige Neuwagenpark schlecht ab.

Stefan Ehrbar
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In der Schweiz werden viele schwere Autos verkauft.

In der Schweiz werden viele schwere Autos verkauft.

Sandra Ardizzone

Mit 9 Prozent Marktanteil erreichten Elektroautos im April einen neuen Rekordwert an den Neuzulassungen. Das zeigt die Statistik des Verbands Auto Schweiz. Noch vor vier Jahren hatte dieser Anteil bei erst gut einem Prozent gelegen. Ähnlich stark gewachsen ist der Marktanteil der Plug-In-Hybride, also der Autos, die sowohl einen konventionellen Verbrennermotor als auch einen Akku beinhalten, der mit einem Stecker aufgeladen werden kann. Ihr Anteil betrug im April knapp 8 Prozent.

Antriebsarten neuer Autos

Januar bis April 2021, Anteil in Prozent
01020304050BenzinHybrid/Mild-HybridDieselElektrischPlug-in-HybridCNGWasserstoffAntriebsart

Obwohl die Zahl der Autos mit alternativen Antrieben wächst, ist der Schweizer Neuwagenpark im europaweiten Vergleich noch immer jener mit dem höchsten CO2-Ausstoss. Das zeigen Daten von 2019 – und auch die für Juli erwarteten Zahlen des letzten Jahres dürften an diesem Bild nichts ändern. Mit ein Grund ist, dass Schweizer deutlich schwerere und grössere Autos kaufen als der Rest Europas, und mit einem Anteil von etwa 50 Prozent sind überdurchschnittlich viele Autos mit einem Allradantrieb ausgestattet.

Bei den Elektroautos lag die Schweiz zuletzt im vorderen Mittelfeld. In einigen Ländern Europas wie Norwegen, den Niederlanden oder Schweden war der Anteil der Elektrofahrzeuge deutlich höher als hierzulande, in anderen wie Deutschland, Italien oder Frankreich hingegen tiefer.

CO2-Emissionen der Neuwagenflotte

Gramm CO2 pro Kilometer, 2019
020406080100120140SchweizPolenDeutschlandSlowakeiUngarnUKTschechienÖsterreichRumänienSlowenienEU21+CH+NOBelgienSpanienItalienSchwedenKroatienGriechenlandFinnlandIrlandFrankreichDänemarkNiederlandePortugalNorwegenLand

Allerdings haben viele Länder Europas reagiert und fördern den Kauf von Elektroautos mit hohen Subventionen. Mit umgerechnet bis zu 10'000 Franken wird der Kauf von Elektroautos mit einem Listenpreis von unter 40'000 Euro (umgerechnet 44'000 Franken) in Deutschland angekurbelt. Selbst der Kauf von Plug-In-Hybriden wird mit umgerechnet bis zu 7400 Franken gefördert.

In Frankreich schoss der Staat letztes Jahr beim Kauf eines Elektroautos bis zu 7000 Euro zu, Geringverdiener konnten mit weiteren Zuschüssen auf Summen von bis zu 12'000 Euro hoffen. Österreich wiederum zahlt 5000 Euro an den Kauf eines Elektrofahrzeugs. In der Schweiz gibt es eine solche Förderung nur vereinzelt: Im Kanton Tessin erhalten Käufer von Elektroautos und die Hersteller eine Prämie von je 2000 Franken.

Wenig Förderung in der Schweiz

Der Kanton Thurgau spricht 2000 Franken für Käufer eines Elektroautos, der Kanton Wallis 3500 Franken. Diverse Kantone schütten zudem Prämien an Unternehmen aus, die Elektrofahrzeuge beschaffen oder Ladestationen installieren. Einen anderen Weg geht die Stadt St. Gallen: In Zusammenarbeit mit dem Auto-Abo-Anbieter Carify vergibt sie Förderbeiträge von 100 Franken pro Monat für Einwohner, welche über das HSG-Spinoff ein Elektroauto beziehen.

Neben der geringen Förderung kommt erschwerend hinzu, dass Hersteller in der Schweiz eine grosszügigere Übergangsregelung erhalten haben. Sie müssen für den gleichen CO2-Ausstoss ihrer Flotte weniger Sanktionen bezahlen als in der EU. Das führt derzeit dazu, dass viele Hersteller ihre Elektroautos lieber im umliegenden Ausland verkaufen. In der Schweiz führt das zu Lieferproblemen. «Die Herausforderung bei Elektroautos ist momentan die Verfügbarkeit. Die Nachfrage in Europa ist gross und wir spüren, dass die Schweiz bei grossen Marken nicht immer Priorität hat», sagte etwa die Co-Gründerin des Auto-Anbieters Carvolution Léa Miggiano, kürzlich in einem Interview.

Zuletzt ist der Anteil der Elektroautos an den Neuzulassungen denn auch schwächer gestiegen als in der Vergangenheit. In den ersten vier Monaten betrug ihr Anteil kumuliert 8,5 Prozent – nur 0,3 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2020. Unter den meistverkauften 10 Modellen war kein rein elektrisches Fahrzeug.

Die meistverkauften Autos der Schweiz

Januar bis April 2021
Modell Stückzahl
Škoda Octavia 1654
Mercedes-Benz A-Klase 1497
Volkswagen Tiguan 1454
Škoda Karoq 1350
Audi Q3 1341
Toyota Yaris 1317
Volvo XC40 1292
Mercedes-Benz GLC-Klasse 1224
Seat/Cupra Ateca 1190
Fiat 500 1184
BMW X1 1108
BMW X3 1051
BMW 1er 1046
Volkswagen Golf 1024
Volkswagen Polo 972
Škoda Kodiaq 959
Hyundai Tucson 944
Škoda Fabia 872
Volkswagen ID.3 863
Mercedes-Benz GLA-Klasse 821
Tesla Model 3 808
Audi A3 807
Seat/Cupra Formentor 795
Dacia Sandero 791
Volkswagen T6 787