COOP: Coop-Chef Joos Sutter: «Die Preise werden weiter sinken»

Der Detailhandelsriese wächst trotz Frankenstärke und Einkaufstourismus – vor allem Zukäufe im Grosshandel und das Online­geschäft tragen dazu bei. Coop-Chef Joos Sutter setzt 2017 auf neue Verkaufskonzepte und «kochende Kunden».

Ernst Meier
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Joos Sutter, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Coop und Leiter Direktion Retail, bei der gestrigen Bilanzmedienkonferenz. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone (Muttenz, 14. Februar 2017))

Joos Sutter, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Coop und Leiter Direktion Retail, bei der gestrigen Bilanzmedienkonferenz. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone (Muttenz, 14. Februar 2017))

Interview: Ernst Meier

ernst.meier@luzernerzeitung.ch

Joos Sutter, die Coop-Gruppe hat 2016 zwar beim Gesamtumsatz und beim Gewinn zulegen können. In Ihren Kerngeschäften herrscht jedoch Stagnation, teilweise gingen die Nettoerlöse zurück.

Im Schweizer Detailhandel sinken die Preise bereits seit sechs Jahren. Es herrscht Deflation. Die gesamte Branche hat rund 2 Milliarden Umsatzvolumen verloren, obwohl man mengenmässig – unter anderem wegen der Zuwanderung – zulegen konnte. Auch im Jahr 2016 gingen die Preise weiter zurück. Ohne unsere Preisreduktionen liegen die Verkaufserlöse unserer Supermärkte leicht über dem Vorjahr. Die tieferen Preise führten jedoch zu 0,2 Prozent weniger Umsatz.

Neben den sinkenden Preisen drücken neue Mitbewerber und der Einkaufstourismus auf den Umsatz.

Alle hiesigen Mitbewerber sind von der Deflation betroffen, ebenso wie von den Folgen des wachsenden Einkaufstourismus. Mittlerweile fliessen dadurch rund 11 Milliarden Franken ins Ausland. Trotz diesem herausfordernden Umfeld konnten wir 2016 Marktanteile und neue Kunden gewinnen. Die Kundenfrequenz in den Coop-Supermärkten stieg um 2,6 Prozent.

Werden die Preise weiter sinken?

Ja, das werden sie. In diesem Jahr haben wir die Preise von rund 1700 Produkten gesenkt. Wir kommunizieren die Preisveränderungen in der «Coop-Zeitung». Die Preissensibilität spielt auch 2017 eine grosse Rolle bei den Kunden.

Sie haben per 1. Januar die Aperto-Gruppe übernommen. Wie sehen Ihre Pläne mit Aperto aus?

Wir wollen im Bereich Convenience-Food weiterwachsen. Hier sind wir sehr gut aufgestellt mit unseren Produzenten wie Hilcona, Bell oder Betty Bossi. Dazu brauchen wir auch gute Verkaufskonzepte wie zum Beispiel Coop Pronto oder die neuen Take-away-Konzepte «Coop to go» oder «Zopf & Zöpfli». Wir sind auch laufend am Entwickeln von neuen innovativen Lösungen.

Wird der Name verschwinden?

Ende Monat werden wir die Tankstellenshops von Aperto an die Firma Oelpool verkaufen und uns auf die verbleibenden 30 Filialen in den Bahnhöfen konzentrieren. Wir werden jeden Standort genau analysieren und dann die passende Lösung aus unseren Verkaufskonzepten wählen.

Man konnte lesen, Sie hätten einen sehr hohen Preis für Aperto bezahlt. Waren es tatsächlich 100 Millionen Franken?

Über den Verkaufspreis haben wir Stillschweigen vereinbart. Ich kann Ihnen aber versichern, dass wir die Übernahme sehr genau gerechnet haben. Wir sind überzeugt, dass Aperto für Coop ein rentables Investment wird. Wir haben die Produkte und die Ladenkonzepte für die Standorte.

Gibt es weitere entsprechende Anbieter im Schweizer Detailhandel wie Aperto, die für Coop dank ihren Standorten interessant wären?

Nein, ich denke, es hat nicht mehr sehr viele entsprechende unabhängige Anbieter – vor allem nicht an Hochfrequenzlagen, wie sie Aperto besetzt. An diesen Standorten sind meistens grosse Player wie Valora, Coop oder Migros vertreten. Vereinzelt gibt es vielleicht noch kleinere spannende Gastrokonzepte.

Sie führen Coop seit sieben Jahren. Neben den erwähnten Herausforderungen war diese Zeit geprägt von Zukäufen und der Entwicklung neuer Verkaufskonzepte. Was steht für Sie 2017 im Vordergrund?

Zentral sind für uns zwei Themen: Nachhaltigkeit und Convenience. 2017 wird auch stark geprägt sein durch die Kulinarik. Nachhaltigkeit ist unser grösstes Differenzierungsmerkmal. Unsere nachhaltigen Marken wie Naturaplan, Naturafarm, Fairtrade, Max Havelaar, Miini Region oder Oecoplan haben im Jahr 2016 alle zulegen können. Neben dem Ausbau der Convenience-Schiene investieren wir weiter in die Onlineangebote, allen voran der Online-Marktplatz Siroop. Mit Fooby haben wir im Bereich Kulinarik eine neue Marke lanciert, von der wir uns viel versprechen.

Sie haben im letzten Jahr ein neues Filialkonzept vorgestellt: den Supermarkt der Zukunft (wir berichteten). Wie sieht es mit der Umsetzung aus?

Wir bauen in diesem Jahr rund 45 Filialen entsprechend um, und zwar in der ganzen Schweiz verteilt. Als erste Verkaufsstelle in der Zentralschweiz wird Coop Dagmersellen nach dem neuen Ladenkonzept umgebaut. Geplant ist die Eröffnung im April 2017. In Seewen SZ eröffnen wir im Herbst den ersten «New Coop-Megastore». Darin geben wir den Themenwelten wie Metzgerei, Bäckerei oder Bier und Wein noch mehr Platz. Besonders die Bedienung und die Beratung werden noch stärker gewichtet als in kleineren Filialen.