Coop feilt an seinem Preisimage

Im vergangenen Jahr hat Coop weniger Gewinn erzielt. Dies jedoch wegen eines misslungenen Projekts. Nun will der Detailhandelsriese seine Billiglinie massiv ausbauen.

Benjamin Weinmann
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Coop-Chef Joos Sutter gibt nicht auf. Jahr für Jahr bemüht sich die Basler Genossenschaft, die eigenen Preissenkungen in Millionenhöhe hervorzuheben und so das teure Image, das Coop anhaftet, zu korrigieren. Dennoch wird dem Händler in Umfragen regelmässig ein teureres Image im Vergleich zur Konkurrenz zugeschrieben. So sagt ein ranghoher Coop-Vertreter: «Es ist uns bis heute nicht gelungen, dass wir als günstig wahrgenommen werden.»

Und so bläst Sutter nun zur nächsten Offensive. Bei der gestrigen Präsentation der Jahreszahlen gab der Bündner bekannt, dass die «Prix Garantie»-Billiglinie ausgebaut wird. Dazu gehören zum Beispiel ein 600-Gramm-Mozzarella-Käse für 3 Franken oder ein Kilo Bananen für 2 Franken. Zuletzt kamen 50 neue Produkte hinzu. Aktuell sind es 500 «Prix Garantie»-Produkte – und dieses Jahr sollen rund 100 weitere Günstigartikel das Sortiment ergänzen, zum Beispiel Backpulver und Rindshackfleisch.

Coop-Chef Joos Sutter an der Medienkonferenz vom Dienstag in Muttenz. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone)

Coop-Chef Joos Sutter an der Medienkonferenz vom Dienstag in Muttenz. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone)

Sutter erachtet den Ausbau der Linie als nötig, da die Discounter stetig expandieren. Denner, Aldi und Lidl kommen zusammen auf einen Umsatz von 6,5 Milliarden Franken und die deutschen «Harddiscounter» wagen sich zunehmend in die Innenstädte vor. Um sich ein günstigeres Preisimage zu verschaffen, setzt Joos Sutter zudem bei einem zweiten Punkt den Hebel an: den Eigenmarken, die in der Regel deutlich günstiger als Markenprodukte sind. Der Anteil der Eigenmarken liegt heute bei 55 Prozent. Künftig sollen es 60 Prozent sein.

Insgesamt zeigen sich Sutter und sein Stellvertreter Philipp Wyss mit dem Resultat von 2018 zufrieden. Denn: Der Umsatz ist um 5 Prozent auf das Rekordhoch von 30,7 Milliarden Franken angestiegen. Zum Vergleich: Die Migros konnte ihren Umsatz nur um 1,3 Prozent auf 28,4 Milliarden Franken steigern. Zum starken Coop-Wachstum beigetragen hat unter anderem die Übernahme des Fleischverarbeiters Hügli durch die Tochter Bell. Im klassischen Detailhandel, der etwas mehr als die Hälfte des Umsatzes ausmacht, beträgt das Plus 1,9 Prozent, der Nettoerlös stieg auf 17,7 Milliarden Franken, wobei insbesondere der Umsatz mit Bioprodukten zulegte. Total zählte Coop in seinen Supermärkten im letzten Jahr 500 Millionen Kunden.

Experiment Siroop hinterlässt Spuren

Der Gewinn des Detailhandelsriesen hingegen schrumpfte um 2,6 Prozent auf 473 Millionen Franken, auch aufgrund des Aus des Onlineportals Siroop. Das Projekt, das Ende 2015 zusammen mit der Swisscom gestartet und vergangenen April beendet wurde, hat einen Schaden von 70 Millionen Franken verursacht – die Hälfte davon zu Lasten von Coop. Ohne den Siroop-Flop wäre der Gewinn gestiegen.