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Grossauftrag für Verteilzentrum: Coop lagert Kleider in Entlebuch

Das Verteilzentrum des Businessparks Entlebuch hat einen neuen Grosskunden und soll ausgebaut werden. Im alten Ackermann-Gebäude gegenüber sind verschiedenste Firmen zu Hause. Noch steht die Hälfte der Räume aber leer.
Rainer Rickenbach
Versandzentrum-Chef Martin Frei (links) und Businesspark-CEO Adrian Sfintesco im Lager von Ochsner Sport. (Bild: Pius Amrein (13. November 2018))

Versandzentrum-Chef Martin Frei (links) und Businesspark-CEO Adrian Sfintesco im Lager von Ochsner Sport. (Bild: Pius Amrein (13. November 2018))

Das Schweizer Versandzentrum (SVZ) in Entlebuch hat diese Woche einen neuen Grossauftrag an Land gezogen. Ab kommendem Jahr lagert und verwaltet es die Berufskleider von rund 30'000 Coop-Mitarbeitenden, die in den Läden, Restaurants und Supermärkten des Grossverteilers beschäftigt sind.

«Wir bekommen pro Jahr eine halbe Million Blusen, Hemden, Hosen, Gilets und Jacken angeliefert und lagern sie hier fachgerecht. Werden die Kleidungsstücke benötigt, liefern wir sie an eine der 3000 Verkaufsstellen aus. Wir führen für Coop auch die ganze Buchhaltung über die Arbeitsbekleidungen», sagt Martin Frei, CEO des Versandzentrums. Die Coop-Filialen bestellen über ein von den Entlebuchern bereitgestelltes Onlineportal.

Vom Hanfanlagenbetreiber bis zur Versicherung

Das Versandzentrum ist die Schwestergesellschaft und grösste Mieterin der Businesspark Aentlebuch AG. Es knüpft fast nahtlos an die lange Tradition des Kleider-Versandhauses Ackermann an, das 2006 seinen Betrieb einstellte (siehe Geschichte unten).

Seither halten der letzte Ackermann-Chef Corneliu Sfintesco (79) und sein Sohn Adrian Sfintesco (36), der später zur Firma gestossen ist, das Firmengelände beim Bahnhof Entlebuch in Schuss. Sie vermieten in den alten Ackermann-Gebäuden östlich der Bahngeleise Räumlichkeiten an kleine und mittelgrosse Gewerbebetriebe, Künstler, Architekten, eine Versicherung, Start-ups, die Biosphäre Markt AG, die regionale Kesb, den Discounter Otto’s, Naturheilkundler, Laboranten, einen Wirt sowie weitere Betriebe. 130 Personen sind dort beschäftigt. Weitere 20 Personen arbeiten für die Businesspark Aentlebuch AG selbst.

Auf der anderen Seite der Bahnschienen ist das Schweizer Versandzentrum angesiedelt, dort arbeiten 80 Angestellte. Es ist seit 21 Jahren in Betrieb und mit einem Hochregallager ausgerüstet.

Die beiden Unternehmensteile arbeiten weitgehend unabhängig voneinander. Vater Sfintesco ist Verwaltungsratspräsident der beiden Firmenteile, sein Sohn leitet seit vier Jahren als CEO das Tagesgeschäft. «Ich werde oft gefragt, wer unser Zielpublikum sei. Darauf antworte ich jeweils: Die Vielfalt ist unser Ziel», sagt Geschäftsführer Adrian Sfintesco. Unter den Mietern im Businesspark kommt es zuweilen zu überraschenden Kooperationen: Ein CBD-Hanfzüchter zum Beispiel arbeitet für seine Teemischungen mit der Kräutergenossenschaft der Unesco-Biosphäre zusammen.

Postuniformen und Fussballer-Leibchen

Der Businesspark in den alten Ackermann-Gebäuden umfasst 35'000 Quadratmeter Büro-, Produktions- und Gewerbefläche. Gut 50 Prozent davon ist vermietet, weitere 25 Prozent sind derzeit reserviert. Sfintesco: «Wir haben es uns zur Daueraufgabe gemacht, in die Räume zu investieren. Pro Jahr handelt es sich dabei um einen sechsstelligen Betrag. Die Auslastung steigt langsam, aber stetig.»

Seit dem Sommer arbeitet eine Verkaufs- und Marketingmanagerin für den Businesspark. Zu ihren Aufgaben gehört es unter anderem, Seminare, Tagungen und weitere Veranstaltungen ins Gebäude des ehemaligen Textilindustriebetriebes zu locken. «Mit der unmittelbaren Nähe zum Bahnhof und den Parkplätzen bieten wir dafür gute Voraussetzungen», so Sfintesco. Der Ausbau der dafür nötigen Infrastruktur mit grossem Saal für Veranstaltungen sei in Planung.

Fast voll ausgelastet ist hingegen das Versandzentrum. Nebst dem neuen Kunden Coop haben die Post und die Eidgenössische Zollverwaltung das Handling ihrer Arbeitskleider und Uniformen in das Schweizer Versandzentrum ausgelagert. Auch der Schweizerische Fussballverband hat seine Spielertenues den Entlebuchern anvertraut.

Das Geschäftsmodell basiert auf drei Standbeinen: Als Erstes nimmt das Versandzentrum ihren Kunden die Lagerung und Auslieferung von kleineren Alltagsartikeln wie Büromaterial, Werbeartikeln oder Firmengeschenken ab. Als Zweites besorgt es die Textillogistik für Berufskleider. Sfintesco: «Da wir aus unserer Tradition heraus Erfahrung in dieser Branche haben, können wir im Änderungsatelier auch Kleider bearbeiten, zum Beispiel mit Leibchen-Aufdrucken.» Das dritte Standbein bildet das Online-Geschäft. Wichtige Kunden in dieser Sparte sind Ochsner-Sport oder Geschenkparadies.

Bahntransport rechnet sich nicht

«Wir haben heute eine ausgeglichene Kundenstruktur und tragen kein Klumpenrisiko», sagt Martin Frei, Geschäftsführer des Versandzentrums. Das war nicht immer so: Als vor ein paar Jahren der Sportartikelhersteller Puma beschloss, die Waren für den Schweizer Markt von Deutschland aus zu organisieren, gerieten die Distributoren in Entlebuch vorübergehend in Schwierigkeiten. Inzwischen hat sich die Auslastung aber auf so hohem Niveau eingependelt, dass die Unternehmensleitung den Neubau eines weiteren Hochregallagers plant.

Im Verlaufe eines Jahres werden im Versandzentrum eine halbe Million Warenladungen an- und ausgeliefert. An Spitzentagen – etwa vor Weihnachten – können es bis zu 10'000 pro Tag werden. Trotz Bahnanschluss vor der Haustüre vollzieht sich der Transport in Lastwagen. Sfintesco: «Cargo lohnt sich für grosse Gegenstände, wie sie zum Beispiel Stahlwerke herstellen. Für die Waren unserer Kunden ist sie aber viermal teurer als der Transport über die Strasse.» Kommt hinzu, dass die Lastwagen schneller am Ziel ankommen, was vorab im Onlinegeschäft von zentraler Bedeutung ist.

Dass die Autobahnen ziemlich weit weg von Entlebuch verlaufen, sieht Sfintesco nicht als entscheidenden Standortnachteil. «Wir sind ja kein reiner Lagerbetrieb, sondern bieten unseren Kunden eine Rundum-Sorglos-Logistik. So rufen wir bei Bedarf beispielsweise unsere Textilkompetenz ab. Und in der kleinen Schweiz sind die Wege ohnehin nicht lang.»

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