Coop stampft Möbelmarke Toptip ein und startet mit neuem Konzept

Der Grossverteiler Coop wagt im Geschäft mit Möbeln einen Neustart. Am Montag hat er dazu seine neue Möbelmarke Livique lanciert. Der Name Toptip verschwindet, bis Ende Monat werden alle Filialen entsprechend umbenannt.

Rebekka Balzarini
Drucken
Teilen
Blick in das neugestaltete Möbelhaus Livique in der ehemaligen Toptip-Filiale in Oberentfelden. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone (3. September 2018))

Blick in das neugestaltete Möbelhaus Livique in der ehemaligen Toptip-Filiale in Oberentfelden. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone (3. September 2018))

Wie sieht Ihr Traumsofa aus? Schwarz, lautet die Antwort möglicherweise. Oder grau. Vier Personen sollen darauf Platz haben und aus Leder soll es sein. Aber versuchen Sie, es sich noch genauer vorzustellen: Welche Füsse soll das Sofa haben, und welche Armlehnen? Und wie soll es gepolstert sein?

Vielleicht hat es auf Anhieb geklappt mit der Visualisierung des Sofas, vielleicht auch nicht. Nicht alle potenziellen Sofakäufer haben eine detaillierte Vorstellung von ihrem Traumsofa. Einige aber schon, und diesen will Coop in Zukunft entgegenkommen: Der Detailhändler richtet deshalb das Möbelgeschäft neu aus.

Livique soll es richten

Im aargauischen Oberentfelden wurde am Montag das erste Einrichtungshaus unter der Marke Livique eröffnet. Das neue Konzept soll die Marke Toptip ersetzen, bis auf drei Filialen werden alle Toptip-Standorte unter der neuen Marke geführt.

Die Namensänderung sei nötig gewesen, erklärte Coop-Chef Joos Sutter. Die Möbelfilialen hätten ihr Sortiment in den vergangenen Monaten modernisiert und angepasst, allerdings hätten die Konsumenten das zu wenig wahrgenommen. «Livique ist der Startschuss in eine neue Phase», so Sutter an der Medieninformation in der ersten Filiale mit der neuen Marke in Oberentfelden. «Der grosse Trumpf gegenüber den anderen Möbelhäusern ist die Individualisierbarkeit».

Coop-Chef Joos Sutter (rechts) bei der Enthüllung der neuen Marke Livique. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone)

Coop-Chef Joos Sutter (rechts) bei der Enthüllung der neuen Marke Livique. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone)

Was damit gemeint ist, erklärte Olivier Roth, der bisherige Leiter der Division Toptip. Er zeigt auf einem Bildschirm, wie ein Sofa selber zusammengestellt werden kann. Farbe, Material, Polsterung und Armlehnen sind nur ein Teil der Merkmale, welche die Kunden selber bestimmen können. Nach dem gleichen System werden etwa auch Stühle, Tische oder Bettgestelle zusammengestellt.

Digitalisierung und Kerzen

Um den Kunden die Auswahl zu erleichtern, hat Coop einen Konfigurator entwickelt. Mit diesem können die Kunden auf Tablets selber ausprobieren, wie die fertigen Möbelstücke aussehen. Im Onlineshop von Livique ist das ebenfalls möglich, allerdings noch nicht für alle Modelle. Wem das alles zu anstrengend ist, der kann sich auch ein fertiges Möbelstück kaufen.

Das neue Einrichtungsgeschäft will Kunden aber nicht nur mit Möbeln anlocken, sondern auch mit Wohnaccessoires. Das Dekosortiment wurde stark vergrössert, das Angebot erinnert an Anbieter wie Zara Home. «Möbel werden nur einmal gekauft, Dekoartikel immer wieder», erklärt Roth die Überlegung hinter dem neuen Sortiment. «Wir haben vor allem Kundinnen, die jede Woche Wohnaccessoires kaufen», so Roth.

Individualisierung, Digitalisierung und ein neues Sortiment: Coop will sich einen grösseren Anteil am Schweizer Möbelmarkt sichern. Toptip liegt momentan auf Platz vier der grössten Schweizer Möbelgeschäfte. Mit Livique soll sich die Marktstellung verbessern, langfristig will Coop unter die ersten drei vorzustossen. Allerdings ist der Markt stark umkämpft. Mitbewerber wie Migros investieren ebenfalls in neue Konzepte (siehe Kasten).

Der Möbelmarkt bleibt schwierig

Wie andere Branchen hat auch der Möbelmarkt in den letzten Jahren unter dem starken Franken sowie dem Einkaufstourismus gelitten und die Akteure zu Anpassungen gezwungen. Die Migros hat bereits 2016 ihr Möbelgeschäft mit den beiden Marken Micasa und Interio neu ausgerichtet.

Nun positioniert sich auch der Rivale Coop neu. Davon verspricht sich Coop Marktanteils­gewinne. Eine Strategie, auf die viele Möbelhäuser setzten – denn der Markt dürfte auch in den kommenden Monaten stagnieren. Laut Coop liegt Toptip mit einem Umsatz von 192 Millionen Franken im Jahr 2017 in der Schweiz an vierter Stelle, Marktführer ist Ikea. Im Jahr 2017 erzielte der Bausatzmöbelspezialist aus Schweden einen Umsatz von 1,05 Milliarden Franken. Die Migros erzielte nach Angaben des Marktforschungsinstituts GfK ­einen Umsatz von 154 Millionen Franken mit Interio und von 261 Millionen mit Micasa. Conforama und Lipo kamen auf 332 respektive 218 Millionen Franken Umsatz im Jahr 2017. Pfister veröffentlicht keine Daten. Nach Schätzungen des Schweizerischen Verbandes der Möbelindustrie und des Möbelhandels erreichte der Gesamtwert des hiesigen Möbelmarktes im vergangenen Jahr 3,81 Milliarden Franken und lag damit 1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Im Januar meldete der Verband einen «leichten Optimismus» der Hersteller und Händler für 2018.

Obwohl der Möbelmarkt rückläufig ist, tauchen sogar noch neue Mitbewerber auf: Diesen Frühling hat die österreichische Kette XXXLutz hierzulande ihre erste Filiale eröffnet. (sda)