Coop trennt sich von Melanie Winiger

Die Schauspielerin Melanie Winiger wirbt nicht mehr für die Öko-Mode von Coop. Der Detailhändler will die Eigenmarke Naturaline neu ausrichten.

Benjamin Weinmann
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Die langjährige Coop-Werbebotschafterin Melanie Winiger (Mitte) auf einem Kampagnenbild der Modemarke Naturaline. (Bild: Coop/PD)

Die langjährige Coop-Werbebotschafterin Melanie Winiger (Mitte) auf einem Kampagnenbild der Modemarke Naturaline. (Bild: Coop/PD)

Ihr Lächeln war Gold wert: Jahrelang war Ex-Miss-Schweiz und Schauspielerin Melanie Winiger das Öko-Aushängeschild von ­Coops Modemarke Naturaline. Zehn Jahre, um genau zu sein. Eine Seltenheit in der schnell­lebigen Marketingwelt. Bis 2013 stand sie auch selber als Model für die Marke vor der Kamera, mit Kleidern aus fairer Bio-Baumwolle – einmal sogar abgelichtet von Starfotograf Michel Comte. Und von 2014 bis 2017 verkaufte Coop eine Naturaline-Kollektion, die von Winiger kreiert wurde und ihren Namen trug.

Doch nun haben sich der Detailhändler und die Tessinerin getrennt, wie ein Sprecher bestätigt. Als Markenbotschafter habe sich Winiger in den vergangenen zehn Jahren eingesetzt für die Bekanntmachung der nachhaltigen Anbaumethoden, der sozialen Arbeitsbedingungen sowie der CO2-neutralen Wertschöpfungskette der Naturaline-Textilien, und dabei auch mehrmals Bio-Baumwollbauern in Indien und Tansania besucht.

Coop habe die Eigenmarke neu ausgerichtet, das Angebot stärker auf Basics wie Shirts oder Socken ausgerichtet und weniger auf Mode, sagt der Sprecher. Deshalb habe man beschlossen, die Kooperation nicht weiterzuführen. Wie viel die 40-Jährige mit dem Deal verdient hat, verrät er nicht. Vertragsdetails würden nicht öffentlich kommuniziert. Auch das Management von Melanie Winiger schweigt diesbezüglich. Ihre Sprecherin sagt aber, der Trennungsentscheid sei von Coop aus gekommen. Für Winiger sei das Engagement mehr als ein klassischer Werbedeal gewesen angesichts des sozialen und ökologischen Gedankens von Naturaline.

Ebenfalls keine Zahlen nennt Coop zur Grösse des Textilgeschäfts in den Coop-City-Geschäften, die in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich stark an Umsatz verloren, so wie fast alle Warenhäuser. Dennoch sei man mit der Entwicklung der Textilumsätze sehr zufrieden, sagt der Sprecher. Kunden würden vor allem die Naturaline-Wäsche kaufen.

Galaxus von Migros mit grossem Vorsprung

Allerdings ist bei Coop nicht alles öko, was am Kleiderständer hängt. 2013 nahm die Genossenschaft die Marke F+F ins Sortiment auf, eine Linie des britischen Detailhandelsriesen Tesco. Die F+F-Artikel sind deutlich billiger und erfüllen nicht derart strenge Standards wie jene von Naturaline. Unter der F+F-Marke verkauft Coop auch Pseudo-Lederjacken aus China für 50 Franken sowie Billig-T-Shirts für 12 und Jeans für 30 Franken aus Bangladesch – eines der Länder, die immer wieder von Menschenrechtsorganisationen für ihre Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion kritisiert werden. Damit will Coop die Kunden, die auf den Preis schauen müssen, nicht an Konkurrenten wie Chicorée oder C&A verlieren.

In Zukunft wolle man das Modesortiment auch online verkaufen, sagt der Sprecher. Dies ist heute teilweise bei der Tochter Coop@home möglich, jedoch noch nicht auf Microspot. Der bisherige Onlineshop für Elektronik soll in Zukunft die Funktion des Online-Warenhauses übernehmen, nachdem Coop-Chef Joos Sutter dem teuren «Siroop»-Projekt 2018 mangels Erfolg den Stecker ziehen musste. Allerdings hat die Konkurrentin Migros mit dem Online-Warenhaus Galaxus einen gewaltigen Vorsprung.

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