Kommentar

Corona-Krise deckt unsere Versäumnisse auf

Deutschland und Österreich riegeln teils ab – und erste Kantone schränken das öffentliche Leben weiter ein. Jetzt sind Bildungsämter und Schulen gefordert. 

François Schmid-Bechtel
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Der Drittklässler ballt die Faust: «Yes! Fünf Wochen lang keine Schule.» Wenig später klingelt das Telefon. Der Drittklässler hebt ab, lauscht, und verabschiedet sich wieder. Dann nimmt er die Klassenliste zur Hand. Wählt eine Nummer und gibt das, was ihm vom Anrufer in Erinnerung geblieben ist, weiter. Nichts gegen die gute alte Telefonkette. Nur: Uns steht modernste Technik zur Verfügung, aber manche Schule kommuniziert noch immer wie zu Zeiten, als das Telefon eine Wählscheibe hatte.

Dies ist nur ein kleines Beispiel für die Versäumnisse, die durch die Corona-Krise aufgedeckt werden. Da propagieren wir die digitale Offensive. Aber wenn wie jetzt die Schulen geschlossen werden, herrscht mancherorts nur noch Ratlosigkeit. Man ist nicht gerüstet, um die Schüler zuhause mit Lernstoff und Aufgaben zu versorgen. Einige wenige Schulen zeigen, dass das im digitalen Zeitalter durchaus geht. Warum nicht überall?

Bildungsämter und Schulen sind nun gefordert. Es kann nicht sein, dass Tausende von wissbegierigen Schülern für Wochen, vielleicht sogar für Monate auf dem Trockenen sitzen. Das wäre peinlich für ein Land, das sich als Vorreiter der Digitalisierung sieht. Das Bonmot ist abgedroschen, aber hier stimmt es: Jede Krise ist eine Chance. Die Verbreitung des Corona-Virus wird noch viele andere Mängel und Versäumnisse zum Vorschein bringen. Lernen wir daraus. Das ist, neben der Einhaltung der Regeln der Behörden, das Beste, was wir tun können.

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