Coronaimpfstoff
Die Schweiz hat 5,3 Millionen Impfdosen von Curevac bestellt – doch das Vakzin ist nur wenig wirksam, Aktienkurs stürzt ab

Das deutsche Unternehmen hat am Mittwochabend eine Zwischenanalyse publiziert. Das Ergebnis ist enttäuschend, der Aktienkurs fällt stark.

Roman Schenkel
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Ein Curevac-Laborant forscht an Impfstoff gegen Coronavirus

Ein Curevac-Laborant forscht an Impfstoff gegen Coronavirus

Imago

Herber Rückschlag für Curevac: Der Corona-Impfstoff CVnCoV habe bei der zweiten Zwischenanalyse nur eine Wirksamkeit von 47 Prozent gezeigt, teilte das deutsche Unternehmen am späten Mittwochabend mit. In einer zweiten Zwischenanalyse von 134 Fällen habe das Corona-Vakzin die «statistische Erfolgskriterien» nicht erreicht. Die zulassungsrelevante Überprüfung mit rund 40'000 Probanden soll jedoch weitergeführt werden, hiess es.

Curevac setzt wie Pfizer/BioNTech und Moderna auf die mRNA-Technologie. Auch bei Curevac sind zwei Impfdosen pro Person nötig.

Zuletzt waren zunehmend Zweifel an dem Impfstoff aufgekommen, von dem die Schweiz im Februar 5,3 Millionen Dosen bestellt hat. Curvac wollte das Vakzin eigentlich noch im zweiten Quartal zur Zulassung bringen. In der EU und der Schweiz hat der Hersteller bereits Zulassungsanträge gestellt. Doch im Frühjahr hatte das Unternehmen aufgrund der Vielzahl der Varianten schon das Studienprotokoll anpassen müssen. Vor einigen Tagen hatte es geheissen, der Impfstoff komme nicht vor August. Diese Nachricht hatte den Aktienkurs damals schon auf Talfahrt geschickt.

Die neuste schlechte Nachricht liess den Aktienkurs jedoch regelrecht einbrechen. Die Anleger reagierten panisch: Der Börsenkurs brach im nachbörslichen US -Handel am Mittwoch um mehr als 50 Prozent ein. Am Donnerstagvormittag in der Spitze gar um bis zu 60 Prozent, gegen Mittag erholte sich der Kurs leicht, lag aber nach wie vor um fast 40 Prozent tiefer als am Vortag.

Novavax mit hohem Schutz - auch hier hat die Schweiz bestellt

Ganz anders sind die Studienergebnisse bei Novavax. Der Bund hat mit dem US-Hersteller im Februar einen Vertrag über 6 Millionen Impfdosen unterzeichnet. Novavax stellt einen proteinbasierten Impfstoff her. Die 6 Millionen Impfdosen reichen bei zwei Impfungen für 3 Millionen Menschen in der Schweiz.

Das Vakzin von Novavax ist ein sogenannter Totimpfstoff. Das Präparat ist ein Protein-Impfstoff, es werden also direkt Virusproteine in den Körper gegeben, damit der Körper seine Abwehrkräfte gegen diese schärft.

Anfang Woche hat die amerikanische Firma vermeldet, dass sich sein Coronaimpfstoff in den klinischen Studien bewährt hat. Laut Mitteilung schützte die Impfung zu 100 Prozent vor moderaten bis schweren Covid-19-Erkrankungen. An der Studie nahmen knapp 300'00 Erwachsenen in den USA und Mexiko teil, zwei Drittel erhielten den Impfstoff, ein Drittel ein Placebo. Insgesamt erkrankten im Studienzeitraum 77 Menschen an Covid-19, davon nur 14 in der Gruppe der Geimpften. Die Impfung hatte demnach eine Wirksamkeit von gut 90 Prozent.

Novavax plant, im dritten Quartal die Zulassungen zu beantragen. Nach eigenen Angaben kann das Unternehmen zunächst 100 Millionen Impfstoffdosen monatlich herstellen und dies dann auf 150 Millionen steigern.

Impfstoffe werden an internationales Impfprogramm abgegeben

Das Bundesamt für Gesundheit BAG hält auf Anfrage bedeckt, was die Probleme bei Curevac für die Impfstrategie bedeutet. Aktuell würden in der Schweiz mit den beiden mRNA-Impfstoffen von Moderna und Pfizer/BioNTech die derzeit wirksamsten Covid-19-Vakzine im Einsatz stehen, sagt eine Sprecherin. «Die Impfkampagne schreitet voran: Mehr als die Hälfte der Erwachsenen in der Schweiz hat mindestens eine Impfdosis erhalten und rund ein Drittel ist vollständig geimpft. Im Juni erhält die Schweiz die bisher grösste Menge Impfstoff innerhalb eines Monats, insgesamt über 2.5 Millionen Impfdosen.»

Da die Zulassung für Curevac durch Swissmedic zum heutigen Zeitpunkt noch nicht vorliege, befinden sich zurzeit auch noch keine Impfdosen von Curevac in der Armeeapotheke, sagt sie. Der Bund werde die Möglichkeit prüfen, Impfstoffe anderen Ländern weiterzugeben, sollten diese in der Schweiz nicht benötigt werden. Wie bekannt, prüft das BAG zurzeit im Auftrag des Bundesrats die Weitergabe einer Teilmenge der bestellten Impfdosen von AstraZeneca an Covax.

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