Coronavirus: Wer trägt die Behandlungskosten?

Die CSS erwirtschaftete 2019 in der Grundversicherung einen Überschuss von 80,6 Millionen Franken. Derzeit sind Vergütungsfragen rund um den Coronavirus ein grosses Thema beim Luzerner Versicherer.

Gregory Remez
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Hauptsitz der CSS Versicherung in Luzern.

Hauptsitz der CSS Versicherung in Luzern.

Roger Grütter (2. April 2019)

Es ist eine Frage, die in diesen Tagen viele Schweizerinnen und Schweizer umtreibt: Wer übernimmt im Falle einer Infektion mit dem Coronavirus die Behandlungskosten? Es ist auch jene Frage, die den grössten Grundversicherer des Landes, die CSS, derzeit immer häufiger erreicht.

Das Unternehmen mit Sitz in Luzern präsentierte in einer Videokonferenz mit unserer Zeitung sein Ergebnis für das letzte Geschäftsjahr (siehe Box unten) – und bemühte sich zugleich, Licht ins vermeintliche Dunkel um Vergütungsfragen zu Corona-bedingten Behandlungen zu bringen. «Die Tests und die Behandlungen in Zusammenhang mit Corona werden von den Krankenversicherern übernommen», sagte CSS-Chefin Philomena Colatrella.

Bleibt noch die Frage, wie die Kosten auf Bund, Kantone und Versicherer aufgeteilt werden. Grund für die gegenwärtige Verwirrung ist eine Änderung der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV) von Anfang März, die vom Innendepartement nur unzulänglich kommuniziert wurde. Diese hatte zur Folge, dass die sogenannten Coronatests neu auf die Liste der vergütungspflichtigen Analysen aufgenommen wurden. Konkret heisst das für die Versicherten:

  • Die Grundversicherung übernimmt die Kosten für die Diagnostiktests in der Höhe von 180 Franken für Patienten mit schweren Symptomen oder erhöhtem Komplikationsrisiko, wenn ein Arzt einen solchen Test anordnet. Die Patienten müssen sich jedoch – wie bei anderen Krankheiten auch – mit Franchisen und Selbstbehalt an den Kosten für die Abklärungen beteiligen.
  • Die Kantone übernehmen die Kosten im Falle einer angeordneten Untersuchung zum Schutz der Bevölkerung nach dem seit 2016 geltenden Epidemiegesetz. Wenn also die Analyse bei symptomatischen Patienten verordnet wird, die gleichzeitig Gesundheitsfachpersonen oder Pflegepersonal von Alters- oder Pflegeheimen sind.

Die Regelung sei als Rechtssicherheit für die Versicherten von enormer Bedeutung, heisst es beim Branchenverband Santésuisse. Diese sollten nämlich keinesfalls aus Angst vor allfällig ungedeckten Rechnungen auf notwendige medizinische Abklärungen verzichten – ein aus epidemiologischer Sicht gefährliches Verhalten. «Die aktuelle Regelung entspricht der ursprünglichen Einschätzung von Santésuisse. Es ist selbstverständlich, dass die Krankenversicherer aktuell einen grossen Teil der Kosten übernehmen. Dafür sind sie da», sagt Verbandssprecher Matthias Müller.

Offen ist derzeit noch, wie die Kosten im Fall von stationären Behandlungen von Coronapatienten aufgeteilt werden. Da seien die Leistungserbringer, die Versicherer und die Kantone gerade dran, eine pragmatische Lösung zu erarbeiten, heisst es bei Curafutura, dem Dachverband der Versicherungen CSS, Helsana, Sanitas und KPT. Denkbar ist, dass die aktuelle Regelung, wonach 55 Prozent der Kosten vom Kanton und 45 Prozent vom jeweiligen Versicherer übernommen werden, bestehen bleibt.

In einem Interview mit der Westschweizer Zeitung «Liberté» versuchte Curafutura-Direktor Pius Zängerle jüngst, alle Betroffenen zu beruhigen, indem er sagte, dass die Kostenübernahme bei Erkrankungen mit dem Coronavirus in jedem Fall garantiert sei – und zwar unabhängig davon, wie sich die Pandemie weiter entwickle. Das sei auch im Sinne der CSS, sagte Colatrella. Dem Versicherer käme dabei zugute, dass er auf ein ausgesprochen erfolgreiches Jahr 2019 zurückblicke.

CSS mit gutem finanziellen Fundament

CSS-Verwaltungsratspräsident Jodok Wyer, der ebenfalls an der Bilanzkonferenz teilnahm, gab zwar zu bedenken, dass «Finanzen und Versichertenzahlen angesichts der aktuellen Situation in den Hintergrund treten». Wichtig sei aber, dass sich die CSS Versicherung den neuen Begebenheiten anpasse. Sie verfüge über «das dazu erforderliche finanzielle Fundament.» Wie dem Geschäftsbericht für das vergangene Jahr zu entnehmen ist, erzielte die CSS ein Gesamtergebnis von 205,1 Millionen Franken (siehe Tabelle). In der Grundversicherung resultierte dabei ein Überschuss von 80,6 Millionen Franken. Diesen will der Versicherer nächstes Jahr in Form moderater Prämien an die Kundinnen und Kunden weitergeben. Das starke Abscheiden basiere nicht nur auf einem überzeugenden versicherungstechnischen Ergebnis, sondern auch auf einer guten Anlagerendite sowie einem geringeren Anstieg der Leistungskosten, heisst es im Geschäftsbericht. So konnte die Kasse ihre Marktstellung als schweizweit grösster Grundversicherer mit knapp 1,4 Millionen Kunden per 1. Januar 2020 konsolidieren und des Weiteren die Rückstellungen für Risiken in den Kapitalanlagen um 328,9 Millionen Franken erhöhen. Diese Rückstellungen sollen denn auch dem Ausgleich von künftigen Verlusten im Falle von starken Rückschlägen an den Börsen dienen – wie sie etwa das Coronavirus verursachen dürfte. (gr)