Weltkonzerne
Credit Suisse, ABB und Novartis: So lief der Umbau der grossen drei

Wie es bei CS, ABB und Novartis zum Chefwechsel und zu einer neuen Strategie gekommen ist.

Andreas Schaffner
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Nach dem Chefwechsel kam es sowohl bei Credit Suisse, ABB wie auch bei Novartis zu grösseren Umstrukturierungen.

Nach dem Chefwechsel kam es sowohl bei Credit Suisse, ABB wie auch bei Novartis zu grösseren Umstrukturierungen.

Keystone

Drei Schwergewichte der Schweizer Wirtschaft befinden sich derzeit im Umbaumodus. Neben der Grossbank Credit Suisse (CS), dem Industrieunternehmen ABB ist dies beim Pharmakonzern Novartis der Fall. Es sind globale Player, die in der obersten Weltliga mitspielen. Der Umbau wird deshalb mit Spannung verfolgt. Es ist alles andere als sicher, dass es überall klappt.

Nach Jahren der Stagnation kam es in allen drei Fällen zu einer Ablösung an der Spitze. Bei Novartis fing der Umbau nach dem Abschied von Daniel Vasella 2013 an, bei der ABB ging es 2014 mit der Ablösung von Joe Hogan durch Ulrich Spiesshofer los. CS legte in diesem Jahr mit dem Wechsel von Brady Dougan zu Tidjane Thiam nach.

Bewährung steht aus

Finanzkräftige Aktionäre machten im Hintergrund mächtig Druck. Sie können mit dem Erreichten noch nicht zufrieden sein. Die Aktien der drei Giganten haben sich im abgelaufenen Jahr schlechter entwickelt als der Swiss Market Index (SMI), in dem die grössten 20 börsenkotierten Firmen der Schweiz zusammengefasst sind.

Jede Firma hat zwar ihre eigenen Sorgenkinder und bringt Altlasten mit. Doch gemeinsam ist den drei, dass sich ihr Umfeld rapide verändert und sie auch von staatlichen Entscheiden abhängig sind. Eine Korrektur der Strategie war deshalb mehr als angezeigt. Bei der ABB spricht man etwa von einer vierten industriellen Revolution und meint die Digitalisierung der gesamten Industrie. Neue Geschäftsmodelle stellen die grossen Industriebetriebe infrage. Das bekommen auch die Konkurrenten aus dem Ausland wie Siemens in Deutschland, Alstom in Frankreich oder General Electric (GE) in den USA zu spüren.

Der Schweizer Industriekonzern mit Badener Wurzeln ist wie die anderen grossen gleichzeitig abhängig von Infrastruktur-Entscheiden der grossen Länder. Steigende Schulden und ein tiefer Erdölpreis lassen jedoch keine Euphorie aufkommen. Offen ist, wohin sich China und Indien bewegen. In den USA und besonders aus Europa werden keine neuen Impulse erwartet.

Staaten entscheiden mit

Die ABB hat unter Ulrich Spiesshofer und dem neuen Verwaltungsrats-Präsidenten Peter Voser die zweite Stufe der «Next-Level-Strategie» gezündet. Dazu gehört eine Neuausrichtung der Divisionen. Der Verkauf der Sparte Stromnetze ist eine Option, die derzeit geprüft wird. Am Hauptsitz in Oerlikon ist ein grosser Stellenabbau im Gang. Die Beteiligungsgesellschaft Cevian, die in diesem Jahr bei ABB eingestiegen ist und massiv Druck machte, konnte mit diesen Schritten zufriedengestellt werden. Die immer wieder gestellte Forderung nach einer Trennung des Energie- und Automationsgeschäfts wurde – vorerst – abgeschmettert.

Auch in der Bankenwelt spielen staatliche Entscheide eine zentrale Rolle. Die neuen Kapitalregeln – die im Nachgang der Finanzkrise entwickelt wurden – kommen zum Tragen. Sie haben zur Folge, dass Geschäfte aufgegeben werden. Bei der Credit Suisse führt dies dazu, dass das Investment Banking radikal umgepflügt wird.

Um das Kapital für diesen Umbau aufzubringen, wurden die Aktionäre zur Kasse gebeten. Nun wird die Schweizer Einheit verselbstständigt und teilweise an die Börse gebracht. Das Management wurde für diesen Umbau auf den obersten Stufen praktisch komplett ausgewechselt. Gleichzeitig ändern sich die Kundenbedürfnisse: Technologiegiganten wie Apple oder Google steigen ins Bankgeschäft ein. Die Rolle der Bank als Geldvermittlerin für Private und Firmen muss neu definiert werden.

Die CS brauchte eigentlich für den Aufbruch in diese «Neue Welt» noch viel mehr Geld. Doch ob die Scheichs aus Katar und Saudi Arabien, die mächtigen Aktionäre der Bank, hier mitmachen, scheint alles andere als gewiss. In der gleichen Situation wie die CS stecken derzeit die Deutsche Bank in Frankfurt und Standard Chartered in London.

Die veränderten Bedürfnisse der Konsumenten und die staatliche Regulierung des Marktes spielen auch bei «Big Pharma» eine zentrale Rolle. Wenn es also um die Herstellung und den Vertrieb von Medikamenten geht. Denn die Gesundheitsausgaben steigen in vielen entwickelten Ländern aufgrund einer höheren Lebenserwartung ihrer Bevölkerung. Dies bringt die Gesundheitssysteme an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Kommt hinzu, dass die Entwicklung von Medikamenten immer teurer wird. Die Preise für neuartige Medikamente werden massiv höher. Eine Zweiklassengesellschaft zeichnet sich ab.

Mega-Fusionen stehen an

Die Mehrausgaben für die Entwicklung von Medikamenten führen in der Branche selber zu Umbrüchen. Viagra-Produzent Pfizer plant die Übernahme des Botox-Herstellers Allergan. Dies wird zu einer der grössten Fusionen aller Zeiten. Mit dem Zusammenschluss kämen nicht nur Viagra und Botox, sondern eine Reihe weitverbreiteter Schmerzmittel, Alzheimer-Präparate, Blutfettsenker und Augenarzneien unter ein Dach. Der neue Pharmagigant mit Sitz in Irland wird Novartis vom Spitzenplatz des weltgrössten Herstellers verschreibungspflichtiger Medikamente verdrängen.

Auch Novartis wurde in den letzten Jahren umgebaut. Grosse Bereiche wurden verkauft. Novartis konzentriert sich heute auf Augenheilkunde, das Pharmageschäft mit den Krebsmedikamenten und auf Nachahmerprodukte. Bei den Impfstoffen behält der Konzern lediglich die Grippemittel. Dieser Umbau hatte einen grossen Stellenabbau zur Folge. Mit dem Strategiewechsel wurde gleichzeitig ein Kulturwandel eingeläutet. Vorher zentral geführte Funktionen werden dezentralisiert.

Offen bleibt jedoch die Zukunft der Augenheilsparte. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg wird ein Verkauf der Division Kontaktlinsenpflege erwogen. Die Mittel aus einem Verkauf der Sparte könnte für Ergänzungskäufe verwendet werden.

Andere waren besser

Die Marktbedingungen gelten auch für andere Firmen. Viele haben an der Börse jedoch besser abgeschnitten als die drei. So hat die CS-Konkurrentin UBS an der Börse mehr hinzugewonnen. Honoriert wird hier, dass die UBS strategisch und aus Sicht der Kapitalausstattung die Nase vorn hat. Auch die grosse Novartis-Rivalin Roche, die ihrerseits Rückschläge bei neu entwickelten Medikamenten zu verkraften hatte, schnitt weniger schlecht ab.

Konkurrenten in der Grössenordnung der ABB sind in der Schweiz keine vorhanden. Ein direkter Vergleich wäre deshalb unfair. Sicher ist, dass sogar eine Aktie wie Nestlé im abgelaufenen Jahr besser abgeschlossen hat.

Der Umbau der drei Schweizer Giganten, er hat nur wenig zu tun mit dem starken Schweizer Franken. Die Kostenfrage stellt sich zwar. Doch die drei Konzerne sind, etwa im Vergleich zu den kleineren und mittleren Unternehmen (KMU), global so breit aufgestellt, dass sie die Währungseinflüsse kaum spüren.

Ob die drei nach der Neuausrichtung gleich stark in der Schweiz investieren wie in der Vergangenheit, ist jedoch ungewiss. Hier spielt das Umfeld sicher eine wichtige Rolle. Neben dem starken Schweizer Franken geht es auch darum, ob die Firmen künftig freien Zugang zu den Fachkräften haben.