Credit Suisse steht kurz vor Abschluss des Konzernumbaus

Der vor drei Jahren bei der Credit Suisse angestossene Konzernumbau steht kurz vor dem Abschluss. Die Grossbank sieht sich dabei weiter auf Kurs. Investoren zeigten sich aber dennoch enttäuscht.

Daniel Zulauf
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Credit-Suisse-Büros in Zürich.Bild: Luke MacGregor/Bloomberg

Credit-Suisse-Büros in Zürich.Bild: Luke MacGregor/Bloomberg

Die Credit Suisse hat im dritten Quartal des Jahres die Erfolge des dreijährigen Konzernumbaus ­bestätigt. Bei den Investoren überwog dennoch die Enttäuschung. Im Handelsgeschäft hat die Bank ein schwaches Ergebnis abgeliefert und die leisen Hoffnungen der Anleger auf eine weitere positive Überraschung nicht erfüllt. Der Aktienkurs gab deutlich nach. Die Titel notierten über den ganzen Tag hinweg deutlich in der Minuszone. Sie verkehrten zeitweise nahe beim Zweijahrestief, das sie vor Wochenfrist im Zug der von vielen Analysten nach unten revidierten Gewinnprognosen erreicht hatten.

Finanzchef David Mathers zeigte sich auf einer Medienkonferenz in Zürich dennoch «sehr zufrieden» mit dem erreichten Leistungsniveau der Bank. Im Berichtsquartal ist der Gewinn im Vorjahresvergleich um über 70 Prozent auf 424 Millionen Franken hochgeschnellt, und im Neunmonatsvergleich liegt der Finanzkonzern mit einem Gewinn von 1,8 Milliarden Franken 54 Prozent über dem Vorjahr.

Doch das gute Resultat im jüngsten Dreimonatsabschnitt ist, mehr noch als in den vor­ausgegangenen Quartalen, das Ergebnis der weiter gesenkten Kostenbasis. Die Erträge in den Divisionen kamen teilweise deutlich unter jene des Sommerquartals 2017 zu stehen. Am deutlichsten war dies im Handelsgeschäft der Fall.

Auch Asien-Geschäft ging zurück

Das Marktumfeld sei schwierig gewesen, liess sich der an der Präsentation abwesende CEO Tidjane Thiam in der Medienmitteilung zitieren. Im Handel mit Anleihen gingen die Einnahmen um 27 Prozent zurück. Damit schnitt die Credit Suisse deutlich schlechter ab als ihre grossen Konkurrenten an der Wall Street.

Mathers erklärte die enttäuschende Leistung auch mit den fortgesetzten Restrukturierungsarbeiten in der Handelsdivision «Global Markets». Der Umbau dieser Einheit sei später als in den anderen Divisionen in Angriff ­genommen worden und zeige deshalb noch negative Auswirkungen auf das Geschäft. Global Markets hat im Berichtsquartal einen Verlust von knapp 100 Millionen Franken eingefahren. Im Neunmonatsvergleich bleibt das Handelsgeschäft aber in den schwarzen Zahlen, und Mathers zeigt sich überzeugt, dass die für ihre hohen Resultatsschwankungen berüchtigte Sparte durch den Umbau eine viel bessere Widerstandsfähigkeit gegen Marktverwerfungen erhalten habe.

Auch das Asien-Geschäft, das Thiam mit Blick auf dessen strategische Bedeutung vor drei Jahren zu einer eigenen Division erhoben hatte, erweist sich als verletzlich. Im Vorjahresvergleich gingen die Einnahmen dieser Einheit im Quartal um 9 Prozent und der Vorsteuer­gewinn sogar um 16 Prozent zurück. Deutlich besser hielt sich das Schweizer Brot-und-Butter-Geschäft mit Privat- und Unternehmenskunden wie auch die internationale Vermögensverwaltungsdivision. Deutlich über den Erwartungen der Investoren blieben derweil die Bemühungen des Konzerns, die Kosten weiter nach unten zu bringen.

Mathers sprach vom Quartal mit dem niedrigsten Kostenniveau seit fünf Jahren. In puncto Kosten wird die Credit Suisse auch Ende Jahr brillieren, wenn der Konzern die Bilanz nach drei Jahren Restrukturierung zieht. Im Oktober 2015, als Thiam die Werbetrommel für die dringend benötigte Kapitalerhöhung rührte und einen ehrgeizigen Dreijahresplan aufstellte, hatte der CEO eine Senkung der Kostenbasis um 2 Milliarden Franken versprochen. Daraus ist rund das Doppelte geworden.

Altlasten werden schneller abgebaut

Auch beim Abbau der Altlasten kommt der Konzern schneller voran als ursprünglich gedacht. Wenn die interne «Bad Bank», in der die zur Abwicklung vorgesehenen Geschäfte zusammengefasst sind, im nächsten Jahr aufgelöst und die Kosten auf die operativen Divisionen auf­geteilt werden, dürfte diese nach Mathers Prognose das Gesamtergebnis der Bank nur noch mit rund 500 Millionen Franken belasten. In den schlimmsten Zeiten belief sich die Belastung auf mehrere Milliarden.

Thiam wird Ende Jahr erstmals einen soliden Milliarden­gewinn präsentieren können. Doch den grossen Reibach erwartet die Bank erst im Jahr darauf, wenn die Früchte der tieferen Kostenbasis geerntet werden sollen. Die Vorfreude der Investoren hält sich derweil aber in Grenzen.