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Credit Suisse geht in die Kür

Nach einer langen Rosskur muss die zweitgrösste Schweizer Bank den Beweis erbringen, dass sie mehr kann als sparen. Dabei will CEO Tidjane Thiam das Institut so berechenbar wie möglich machen.
Daniel Zulauf
Credit-Suisse-CEO Tidjane Thiam (rechts) spricht mit Adam Gishen, Chef von Investor Relations. Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 14. Februar 2019)

Credit-Suisse-CEO Tidjane Thiam (rechts) spricht mit Adam Gishen, Chef von Investor Relations. Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 14. Februar 2019)

Die Rosskur ist ausgestanden. Die noch gut 45'000 internen und über 20'000 externen Mitarbeiter, die nach der dreijährigen Restrukturierung im Unternehmen verblieben sind, dürfen aufatmen – endlich. Obschon die zweitgrösste Schweizer Bank auch im neuen Jahr weiter sparen wolle, sei 2019 kein grösserer Stellenabbau mehr geplant. Dies sagten hochrangige Credit-Suisse-Manager am Rande der Jahresbilanzpressekonferenz am Donnerstag in Zürich. Unter dem im Sommer 2015 als Erneuerer angetretenen CEO Tidjane Thiam hat die Bank eine scharfe Zäsur durchgemacht. Allein in der Schweiz wurden 1700 Arbeitsplätze abgebaut. Weltweit waren es mehr als doppelt so viele.

Fast 2 Milliarden Franken hat die Bank in der Ära Thiam für Entlassungen und Frühpensionierungen und für andere Elemente des Restrukturierungsplanes ausgegeben. Die Kosten für den laufenden Betrieb haben sich dadurch seit 2015 um 4,6 Milliarden verringert. Kapitalintensive und nicht tragfähige Handels­aktivitäten wurden aufgegeben – mit der Folge, dass der Konzern 2018 mehr als 2 Milliarden Franken weniger umsetzte als drei Jahre zuvor. Das Ergebnis: Die Credit Suisse schreibt zum ersten Mal seit 2014 wieder schwarze Zahlen. Gut 2 Milliarden Franken blieben in der Erfolgsrechnung des Berichtsjahres als Profit zurück. Der Grossteil oder sogar noch mehr soll an die Aktionäre zurückfliessen. Für die um 5 Prozent erhöhte Dividende werden rund 670 Millionen Franken benötigt. Für das im Dezember angekündigte Aktienrückkaufprogramm sind mindestens 1 Milliarde bis maximal 1,5 Milliarden Franken budgetiert.

Auch in puncto Kapitalstärke hat sich die Bank in den vergangenen drei Jahren gesund gespart. Die Bilanz ist um über 50 Milliarden Franken oder um mehr als 6 Prozent kleiner geworden. Das Kernkapital, das qualitativ beste Eigenkapital bestehend aus einbezahltem Aktienkapital und zurückbehaltenen Gewinnen, stand vor Thiams erster grosser Kapitalerhöhung im Herbst 2015 bei dünnen 29 Milliarden Franken. Ende 2018 belief sich die Summe trotz kleinerer Bilanz auf fast 36 Milliarden Franken. So gesehen steht die Credit Suisse tatsächlich so gut da wie seit Jahren nicht mehr.

Credit Suisse in Zahlen

in Millionen Franken
2018 Veränderung
Bilanzsumme 768 916 –3%
Eigenkapital 43 955 +5%
Gesamtertrag, netto 20 920 +0%
Betriebsaufwand 17 270 –9%
Reingewinn 2057 k.A.
Dividende (in Franken pro Aktie) 0.26 +5%
Anzahl Mitarbeitende 45 680 –2%

Steigerung der qualitativ besten Erträge

Doch solche statischen Betrachtungen sind nur ein Element, um den Gesundheitszustand eines Unternehmens beurteilen zu können. Das weiss auch Thiam, der am Donnerstag nicht müde wurde, die strategischen Verbesserungen seines Grossumbaus ins Licht zu rücken. Der Umsatzrückgang sei kein Kollateralschaden der Restrukturierung, sondern ein gewollter Prozess, in dem nur die qualitativ besten Erträge gesteigert wurden, erklärte er. Unter guten Erträgen versteht der CEO regelmässige Einnahmen aus Geschäften, die wenig Kapital und somit einen geringen Einsatz von Risiko erfordern. Die Einnahmen aus diesen Geschäften, zu denen Thiam Vermögensverwaltungsmandate, Honorare aus Fusions- und Übernahmeberatungen und nicht zuletzt auch die gute alte Zinsdifferenz im Kreditgeschäft zählt, hätten von 2015 bis 2018 um fast 16 Prozent auf über 15 Milliarden Franken zugenommen, während die flatterhaften Einnahmen aus handelsnahen Geschäften um über 40 Prozent auf nur mehr 5,4 Milliarden Franken abgeschmolzen seien.

Diese Darstellung suggeriert Berechenbarkeit, mindestens für die unmittelbare Zukunft. In der Tat rechnen die Finanzanalysten für das laufende Jahr und das ­darauffolgende Jahr mit einem Gewinn von 3,5 Milliarden beziehungsweise 4 Milliarden Franken. Allerdings fusst die Rechnung nicht zuletzt auf der Annahme, dass die Kosten für den Rückbau der nicht mehr weiterzuführenden Geschäfte 2019 und danach im gleichen Stil abnehmen werden wie bisher. In der operativen Kür, wie sie die Credit Suisse nun zeigen muss, werden solche Effekte nicht mitgezählt.

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