Finanzmarkt
Credit-Suisse holt Greensill-Sanierer an Board – und gesteht erstmals mögliche Kosten durch die Pleite ein

Die Problemzone Asset Management erhält eine neue Organisation und die Finma verlangt einen höheren Risikopuffer für die Bank.

Daniel Zulauf
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Ulrich Körner im Jahr 2006, als er in die Credit-Suisse-Geschäftsleitung aufgestiegen war. Drei Jahre später ging er zur UBS. Am 1. April kehrt er zur CS zurück.

Ulrich Körner im Jahr 2006, als er in die Credit-Suisse-Geschäftsleitung aufgestiegen war. Drei Jahre später ging er zur UBS. Am 1. April kehrt er zur CS zurück.

Siggi Bucher / WIR

Für die Credit Suisse werden die Folgen der Greensill-Pleite immer konkreter. Am Donnerstag hat die Bank den früheren UBS-Manager Ulrich Körner per Anfang April zum neuen Leiter der Problem-Abteilung Asset Management ernannt. Organisatorisch ist das Asset Management seit 2012 der Konzerndivision International Wealth Management angegliedert. Nun soll die Abteilung wieder zu einer eigenständigen Division umgekrempelt werden. Als ihr neuer Leiter wird Ulrich Körner in die Geschäftsleitung des Konzerns einziehen. Der bisherige Asset-Management-Chef Eric Varvel behält seine beiden anderen bisherigen Funktionen als CEO der Credit Suisse Holdings in den USA und als Chairman der Investment Bank.

Körner war von 1998 bis 2009 in verschiedenen hochrangigen Stabsfunktionen für die Credit Suisse tätig gewesen, bis ihn Oswald Grübel 2009 zur UBS holte. Dort wurde er zunächst ebenfalls im Stab als COO benötigt. 2014 erhielt er die Verantwortung für das UBS-Asset-Management, die er bis 2019 behielt. Mit dem Ausscheiden von Sergio Ermotti als UBS-CEO ging auch für Körner die UBS-Karriere zu Ende.

Eine Mini-Division mit ungewisser Zukunft

Die Credit Suisse will die erneute Separierung der Asset Management Sparte als Beleg für deren «strategische Bedeutung» sehen, wie es in der Medienmitteilung heisst. Allerdings ist die Abteilung seit ihrer Eingliederung in das Wealth Management vor acht Jahren von einem Gesamtertrag von 2,5 Milliarden Franken auf 1,1 Milliarden Franken geschrumpft. Die Mitarbeiterzahl von damals 2800 dürfte sich ebenfalls mehr als halbiert haben. Die Sparte hat 2020 einen Vorsteuerverlust von 39 Millionen Franken geschrieben. Auch unter Ausklammerung von ausserordentlichen Einflüssen liegt ihr jährliches Gewinnpotenzial kaum mehr bei 300 Millionen Franken.

Als eigenständige Division mit einer eigenen Führungsstruktur hat das Asset Management somit kaum mehr die nötige Grösse – umso weniger, als die Kosten schon 2012 das Hauptargument für die Integration gewesen sein dürften. Es stellt sich deshalb die Frage, was die Credit Suisse längerfristig mit diesem Geschäft anfangen will. Verschiedene Teile des Asset Managements wurden in den vergangenen Jahren stückweise verkauft. Für eine mögliche Veräusserung der letzten Tranche wäre allerdings eine vorgängige Sanierung nötig.

Die Credit Suisse steckt mit ihren Lieferketten-Fonds tief in der Greensill-Pleite drin. Vier Fonds mit einem Nettoinventarwert von rund 10 Milliarden Dollar per Ende Februar werden derzeit liquidiert. 4,4 Milliarden Dollar wurden bisher an die Investoren zurückbezahlt. Wie viel noch kommt, ist mit Blick auf die Probleme des Greensill-Grosskunden GFG Alliance des britischen Unternehmers und Stahlindustriellen Sanjeev Gupta offen. Die Credit Suisse schreibt in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Geschäftsbericht, Investoren drohten der Bank mit rechtlichen Schritten.

Trotz zusätzlichem Risikopuffer: Aktienrückkauf wird fortgesetzt

Zudem schreibt die Bank, es seien «einige regulatorische Untersuchungen und Massnahmen initiiert worden». Eine davon betreffe die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht, die dem Institut eine Erhöhung des Risikopuffers in der zweiten Säule (Pillar 2) auferlegt hat. Zum Umfang dieser Auflage machte die Behörde keine Angaben. Eine Sprecherin der Credit Suisse sagte aber auf Anfrage: «Unsere Prognose für die CET1-Kernkapitalquote von mindestens 12,5 Prozent für mindestens das erste Halbjahr 2021 bleibt unverändert, ebenso wie unsere Prognose für unser Aktienrückkaufprogramm, das wir weiterhin durchführen.» Schliesslich wird im Geschäftsbericht auch bestätigt, dass der Bank aus der Greensill-Pleite «materielle» Kosten entstehen und Kunden verloren gehen könnten.