Mutterschaftsurlaub

Credit Suisse: Mitarbeiterin diskriminiert, Millionen-Busse kassiert

In einem wegweisenden Gerichtsfall wegen Diskriminierung am Arbeitsplatz verlor die Credit Suisse in London gegen eine ehemalige führende Angestellte. Nach ihrem Mutterschaftsurlaub war sie in der Bank plötzlich unerwünscht.

Christian Bütikofer
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azNetz

Sie war Vizepräsidentin, für die Investitionen in der Ukraine zuständig und verdiente 80'000 Pfund pro Jahr. Oksana Denysenko gefiel es bei der Investmentabteilung von Credit Suisse.

Dann wurde sie im Dezember 2005 schwanger und drei Monate später nahm sie Muttschaftsurlaub. Der Ärger begann.

Als sie von ihrem Mutterschaftsurlaub zurückkehren wollte, überredet sie ihr Chef, erst später im März 2007 zurückzukehren. Sie würde sich besser ins Team integrieren können, sobald ihre Tochter älter sei.

Stellvertreter wurde zum Konkurrenten

Schon damals merkte sie, dass die Kollegen lieber ihre Stellvertretung angestellt hätten. Für einige Zeit teilten sie sich die Stelle, aber Denysenko durfte ihre alten Aufgaben nicht mehr erfüllen. Ihre Bosse stellten auch ganz allgemein ihre Arbeitsfähigkeit in Frage und meinten etwa, sie wäre für Reisen in die Ukraine wegen ihrer Rolle als Mutter nicht mehr fähig.

Dann, während den ersten Anzeichen der Finanzkrise, wurde sie Ende 2007 entlassen. Obwohl ihr Mitarbeiter, der diesen Job nur wegen ihrem Mutterschaftsurlaub erhielt, weniger qualifiziert war.

Das liess sich Oksana Denysenko nicht bieten und klagte vor dem Arbeitsgericht in London. Das sah es als erwiesen an, dass Denysenko wegen ihrem Geschlecht diskriminiert wurde.

Es sprach ihr 1,5 Millionen Pfund Schadenersatz zu. Über diesen Entscheid wurde in der englischen Presse breit berichtet, denn das Urteil wird als Meilenstein gewertet. Credit Suisse bestritt vor Gericht jegliches Fehlverhalten.