Credit Suisse pflückt die Früchte ihrer dreijährigen Arbeit

Aktienrückkäufe sollen die Verwässerung aus früheren Jahren kompensieren. Doch an den Beginn einer neuen Wachstumsphase mag im Moment nicht einmal der Chef selber glauben.

Daniel Zulauf
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Credit-Suisse-CEO Tidjane Thiam bei einer Generalversammlung in Zürich.Bild: Ennio Leanza/Keystone (28. April 2017)

Credit-Suisse-CEO Tidjane Thiam bei einer Generalversammlung in Zürich.
Bild: Ennio Leanza/Keystone (28. April 2017)

Den Kapitalmarkttag am Mittwoch in London haben sich das Management, die Mitarbeiter und nicht zuletzt auch die Aktionäre von Credit Suisse lange herbeigesehnt. Schliesslich markierte das Investorentreffen quasi offiziell den Endpunkt einer dreijährigen Rosskur, die Tidjane Thiam dem Finanzkonzern wenige ­Wochen nach seinem Antritt als neuer CEO im Sommer 2015 verpasst hatte. Die Bank, die finanziell stärker als viele Konkurrenten in die Finanzkrise hineingeschlittert war, eine staatliche Rettungsaktion vermeiden konnte, dem Lokalrivalen UBS letztlich aber doch noch den Vortritt lassen musste, hat für die verspätete Reaktion auf die veränderten Marktbedingungen einen ­hohen Preis bezahlt.

Mehr als 2600 Stellen wurden in der Bank gestrichen, noch viele mehr bei den sogenannten «Contractors», die verschiedene Funktionen im Konzern im Auftragsverhältnis wahrnehmen und fast ein Drittel aller Beschäftigten im Gesamtkonzern stellen. Thiam, der den Chefposten beim ­britischen Versicherungskonzern Prudential als Star verlassen hatte und in Zürich zunächst als Hoffnungsträger empfangen wurde, sah sich als scharfer Kostenschleifer und Restrukturier schnell auch im eigenen Haus mit der Rolle des Buhmanns konfrontiert.

Geschäft in Asien blieb unter Erwartungen

Auch bei den Aktionären musste der Franko-Ivorer bald unten durch. Eine erste grosse Kapitalerhöhung im November 2017 wurde ihm noch als geerbtes Versäumnis seines amerikanischen Vorgängers Brady Dougan verziehen. Doch die Schuld für die darauffolgenden Kapitalmassnahmen blieb wenigstens teilweise an Thiam hängen. Am Mittwoch aber konnte der 56-Jährige endlich die Früchte seiner nicht immer besonders dankbaren Arbeit präsentieren, und diese sehen tatsächlich etwa so aus, wie er sie vor drei Jahren beschrieben hatte. Nach drei verlustreichen Jahren wird die Credit Suisse heuer wieder einen Vorsteuergewinn von 3,2 Milliarden bis 3,4 Milliarden Franken ausweisen können.

Der Geschäftsaufwand fällt unter die Marke von 17 Milliarden Franken und damit sogar noch tiefer als ursprünglich ­anvisiert. Die interne «Bad Bank», in der die aufzugebenden ­Geschäftsbereiche abgewickelt werden, wird noch einmal einen horrenden Vorsteuerverlust von 1,3 Milliarden Franken ausweisen, um dann endgültig aufgelöst zu werden.

Deutlich unter den seinerzeitigen Erwartungen des Managements bleibt allerdings das Geschäft in Asien, dessen Ertrag im laufenden Jahr acht bis zehn Prozent unter das Vorjahresniveau fallen wird. Doch die Bank, die 2015 noch als risikoreich und ­kapitalschwach gegolten hatte, präsentiere sich nun deutlich ­robuster und widerstandsfähiger gegen Marktturbulenzen, wie Thiam am Mittwoch zu betonen nicht müde wurde. Doch für die Rückgewinnung der Kapitalstärke hat die Bank die Geduld der Aktionäre lange und heftig strapaziert. Von Ende 2010 bis Ende Oktober 2018 hat die Credit Suisse nicht weniger als 1370 Millionen neue Aktien geschaffen und das eigene Aktienkleid damit um das Eineinhalbfache vergrössert.

Davon wurden nicht weniger als 140 Millionen Titel zur Unterstützung von Beteiligungsprogrammen an Mitarbeiter und Manager abgegeben. Auch die Dividenden wurden während mehrerer Jahre zum grossen Teil mit Aktien bezahlt. Diese Verwässerung blieb nicht ohne Folgen für den Aktienkurs. Seit Ende 2010 ist dieser um 78 Prozent gefallen, und auch in der Ära Thiam betrug der Kursrückgang 55 Prozent auf aktuell knapp 11 Franken. Mit Hilfe von grossen Aktienrückkaufprogrammen will Thiam diese Aktieninflation nun wenigstens teilweise wieder rückgängig machen. Für diesen Frühling hat der Verwaltungsrat den Rückkauf von Aktien im Wert von mindestens 1 Milliarde bis maximal 1,5 Milliarden Franken bewilligt. Für das Jahr darauf werde «ein ähnliches Programm» erwartet.

Wenig verlockende Perspektive für Investoren

Im Blick auf die beschriebene Historie wirken die Programme freilich noch ziemlich bescheiden. Beim aktuellen Kurs lassen sich für 3 Milliarden Franken ­weniger als 300 Millionen Aktien abschöpfen. Doch die Credit Suisse verspricht auch ab 2019 Dividendenerhöhungen von «mindestens 5 Prozent pro Jahr» bei gleichzeitiger Ausschüttung von mindestens der Hälfte der Gewinne bis 2020.

Die Versprechen gründen ­allerdings nicht auf der Erwartung, dass die Bank in den nächsten Jahren wieder in den Wachstumsmodus umschalten kann. Vielmehr stützen sie sich auf die durch eingesparte Kosten und entledigte Altlasten gestiegene Gewinnkraft. Für langfristig orientierte Investoren ist das ­allerdings noch keine allzu ver­lockende Perspektive, was die laue Reaktion der Börse auf die Neuigkeiten aus der britischen Hauptstadt erklären dürfte.