Finanzplatz
Credit Suisse und St. Galler Kantonalbank sind in Geldwäscherei verwickelt

De Credit Suisse kommt nicht zur Ruhe. Nach den Problemen in den USA eröffnet sich eine neue Front für die Grossbank. Der Credit Suisse droht in einen Geldwäscherei-Skandal verwickelt zu sein.

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Solothurner Zeitung

Mit der Privatisierung des tschechischen Energieunternehmens MUS gelangte die Gesellschaft in Hände von Managern, die Hunderte Millionen von Franken unterschlagen und in die Schweiz umgeleitet haben - auf Konti der Credit Suisse. Das hat «Der Sonntag» aus Ermittler- und Anwaltskreisen erfahren.

Die Bundesanwaltschaft (BA) hatte am vergangenen Montag lediglich mitgeteilt, sie habe «um die hundert Bankonten ausfindig gemacht». Seit 2009 sind rund 600 Millionen Franken blockiert. Der Name CS wurde bis jetzt weggelassen. BA-Medienchefin Walburga Bur bestreitet, dass es Druckversuche gegeben habe: «Strafverfolgungsbehörden arbeiten unabhängig und lassen sich nicht von allfälligen Druckversuchen - wenn es denn solche geben würde - beeindrucken.» Bei den jetzt von der Bundesanwaltschaft angeklagten Personen handelt es sich um vier Tschechen, zwei schweizerisch-tschechische Doppelbürger und einen Belgier. Ihnen vorgeworfen werden qualifizierte Geldwäscherei, ungetreue Geschäftsbesorgung, Betrug sowie Urkundenfälschung,

Bundesanwaltschaft schweigt

Das geschädigte Unternehmen MUS tritt im Verfahren als Zivilpartei auf. Die Frage, ob CS-Mitarbeiter in das Verfahren involviert sind, wollten sowohl die Bank als auch BA-Sprecherin Bur nicht beantworten. Man mache «grundsätzlich sowieso keine Angaben über Personen oder Firmen», so Bur. Nicht einmal der Name MUS wurde genannt, obwohl die Affäre seit Jahren in der tschechischen Presse präsent ist.

Die Untersuchungsbehörden in Prag hatten die Ermittlungen zunächst ergebnislos eingestellt, dann aber vor zwei Jahren wieder aufgenommen. Geldwäscherei-Experte Daniel Thelesklaf spricht von einem ausserordentlichen grossen Volumen. «Solche Kundenbeziehungen müssen auch der Geschäftsleitung bekannt und von ihr abgenickt worden sein.» Dass die Schweiz und eine Grossbank betroffen sind, erstaunt ihn nicht: «Unser Finanzplatz bietet für komplexe Anliegen professionelle Lösungen an. Das zieht auch Kriminelle an.»

Auch St. Galler Kantonalbank betroffen

Derweil scheint auch die St. Galler Kantonalbank von einem Fall von Geldwäscherei heimgesucht worden sein. Eine Strafanzeige des milliardenschweren russischen Oligarchen Oleg Deripaska bringt die St. Galler Kantonalbank (SGKB) ins Schwitzen. Der Grossindustrielle wirft der SGKB-Tochtergesellschaft Hyposwiss Privatbank vor, Gelder im Umfang von über einer Milliarde Franken reingewaschen zu haben.

Treffen die Vorwürfe zu, wäre dies wohl einer der grössten Geldwäscherei-Skandale der Schweiz. Deripaska, der den Aluminiumgiganten Rusal kontrolliert, hat bei der Bundesanwaltschaft eine Strafanzeige gegen die Hyposwiss und einen ihrer Verwaltungsräte sowie weitere Beteiligte eingereicht. Gemäss der dem «Sonntag» vorliegenden Anzeige soll VR-Mitglied Hans Bodmer über seine Anwaltskanzlei massgeblich am Aufbau eines «Konglomerats von Offshore-Vehikeln als Drehscheibe einer kriminellen Transaktion in Milliardenhöhe» mitgeholfen haben.