Crowdlending: LUKB startet mit Schwarmkredit

Über Funders.ch können nun auch Unternehmen Darlehen aufnehmen. Diese Art der Unternehmensfinanzierung ist im Kommen. Die Zahlen bewegen sich aber noch auf einem sehr tiefen Niveau.

Maurizio Minetti
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Privatpersonen als Kreditgeber – die Soorser Bier AG finanziert sich über Crowdlending. (Bild: PD)

Privatpersonen als Kreditgeber – die Soorser Bier AG finanziert sich über Crowdlending. (Bild: PD)

Die Luzerner Kantonalbank (LUKB) hat ihre Plattform Funders.ch um eine neue Finanzierungsform ausgebaut. Neu können Unternehmen (Starter) Kredite mit vordefinierter Laufzeit aufnehmen. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Darlehen kommt dieses bei Funders nicht von der Bank, sondern von einer Vielzahl von Personen (Lender). Sie erhalten im Gegenzug einen Zins und am Ende der Laufzeit den ausgeliehenen Betrag zurück. Dieser Unterbereich des Crowd­fundings nennt sich Crowdlending und richtet sich primär an Unternehmen, die Mühe haben, über traditionelle Kanäle Kredite zu erhalten. Funders akzeptiert als Kreditsucher nur Firmen, Vereine oder Stiftungen, die im Handelsregister eingetragen sind. Geld geben können Privatpersonen und Firmen, die ihren Wohn- oder Geschäftssitz in der Schweiz haben. Bisher war es bei Funders lediglich möglich, dass Unterstützer ein spezifisches Projekt finanzieren (Crowdsupporting).

Zwei Crowdlending-Projekte findet man derzeit auf Funders: Einerseits will die Soorser Bier AG 60 000 Franken einnehmen. «Für uns ist das eine Chance, uns etwas bekannter zu machen», sagt Alexander Oleschinsky, der die Kleinbrauerei vor zwei Jahren mitgegründet hat. Mit dem Darlehen wolle man in den Eventbereich investieren und einen Brauer ausbilden. Fünf Lender haben bislang insgesamt 3000 Franken gegeben. Zudem will das Horwer E-Bike-Startup Aureus Drive 50 000 Franken einnehmen. Auf Funders hat Aureus Drive bereits zuvor über 100 000 Franken mittels Crowdsupporting gesammelt. Mitgründer Sergio Tresch verweist darauf, dass es als Jungunternehmen schwieriger sei, Bankkredite zu erhalten. «Mit Crowdlending geht es schneller», sagt er. Wie Oleschinsky sieht auch Tresch sein Crowdlending-Projekt als eine Art Marketing­vehikel. Das Geld wolle man für die Produktion der zweiten Serie verwenden. Aureus Drive hat bislang lediglich einen Unterstützer, der 500 Franken gesprochen hat.

Erreichen die Starter ihr Finanzierungsziel, findet die Zu­teilung der Kredittranchen nach einem Auktionsverfahren statt. Dabei erhalten die für die Kreditsuchenden besten Angebote den Zuschlag. Lender, die einen tiefen Zins anbieten oder einen höheren Kreditbetrag, haben also eine grössere Chance, zum Zug zu kommen – allerdings verdienen sie möglicherweise auch weniger. Entscheidet sich ein Lender für einen höheren Zins, verdient er potenziell mehr, falls sein Angebot durchkommt. Der Zinssatz, den die Starter letztlich bezahlen müssen, ist somit das Resultat einer Preisbildung zwischen Angebot und Nachfrage. Die gesamte Zinsbelastung der Starter ist das gewichtete Mittel der Zinssätze der einzelnen Kredittranchen.

Bank kassiert eine Vermittlungsgebühr

Der Höchstzinssatz bei der Soorser Bier liegt bei 5,5 Prozent, bei Aureus Drive sind es maximal 6 Prozent. Die Projekte laufen noch bis Mitte Juni beziehungsweise Mitte Mai. Wird das Finanzierungsziel erreicht, bezahlen die Kreditsucher eine einmalige Vermittlungsgebühr von 0,8 Prozent des Kreditbetrags. Auch Kreditgeber bezahlen diese Gebühr im Verhältnis zu ihrem gesprochenen Kreditbetrag. Erreichen die Initianten das gesetzte Ziel nicht, entstehen für beide Seite keine Kosten.

Untersuchungen zeigen, dass Crowdlending ein Wachstums­geschäft ist – doch das Niveau ist noch sehr tief. Laut einer Studie der Hochschule Luzern wurden hierzulande im Jahr 2016 Kredite im Umfang von 55,1 Millionen Franken über Crowdlending finanziert – was im Vergleich zu 2015 einer Versechsfachung entspricht. Mehr als die Hälfte davon entfällt auf die Finanzierung von KMU. Zum Vergleich: Die von den Schweizer Banken vergebenen Kredite an KMU belaufen sich auf gegen 300 Milliarden Franken.